CHIROPRAKTIK alle Trümpfe in der Hand
Aus Body In Shape 2/93, S.14-16
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Chiropraktik ist eine anerkannte Disziplin der Heilkunde. Bei gewissen Leiden bringt eine Behandlung beim Chiropraktor bessere Erfolge als ein Besuch beim Schulmediziner.
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von René Stadlin
Der Chiropraktor korrigiert reversible Funktionsstörungen des menschlichen Bewegungsapparates, insbesondere der Wirbelsäule. Er sucht nach den Ursachen der Störungen, versucht, sie zu korrigieren und damit ihren Auswirkungen, wie Schmerzen, Muskelverkrampfungen und Bewegungseinschränkungen, entgegenzutreten. Der Chiropraktor stützt sich darauf, dass das Äussere des Körpers mit dem Inneren nervlich verbunden ist. So kann er auch auf Störungen tiefer liegender Organe Einfluss nehmen.
Fast wie beim Hausarzt
Wie in der allgemeinmedizinischen Praxis gehen der eigentlichen Behandlung eine detaillierte Befragung des Patienten und eine gründliche Untersuchung voraus. Dabei wird nach Symptomen, nach zurückliegenden Krankheiten und Unfällen gefragt, und es werden die Funktion der Gelenke - vor allem der Wirbelsäule -, die Haltung, die Beweglichkeit u.a. untersucht. Meist erfolgen kleine Tests, die mögliche Degenerationen, Entzündungen u.a. an den Tag bringen und die Auskunft geben über Kraft, Sensibilität, Reflexe oder Blutdruck. Wenn nötig kommt es zu Röntgenuntersuchungen; notwendige Laboruntersuchungen werden auswärts gemacht. Erst nach Abschluss dieser seriösen Bestandsaufnahme beginnt die Behandlung. Möglicherweise überweist der Chiropraktor den Patienten an einen Spezialisten; akute Entzündungen, Tumore oder frische Brüche sind Beispiele, die nicht ins Gebiet des Chiropraktors fallen.
Von Hand geheilt
Chiropraktik heisst nichts anderes als "mit den Händen tun". Und genau dies ist das Zentrale an der eigentlichen chiropraktischen Behandlung. Sie besteht in einer manuellen Einwirkung auf die einzelnen knöchernen Strukturen, die ein Gelenk bilden. Durch Druck auf die richtige Stelle kann der Chiropraktor die Beweglichkeit eines Gelenkes verbessern, Wirbelblockaden korrigieren, Muskelspannungen lösen, und vieles andere mehr. Migräne-Patienten beispielsweise kann durch Deblockierung von Kopfund Halswirbelgelenken Linderung verschafft werden; rhythmisches Beklopfen der oberen Brustwirbel erleichtert das Atmen und wird deshalb bei Asthmatikern angewendet! Zu den häufigsten Beschwerden, die der Chiropraktor oder die Chiropraktorin behandelt, gehören Rückenprobleme, Ischias, Hexenschuss, Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen (Schultern, Hüfte). Sportler(innen) tun gut daran, bei Problemen mit dem Bewegungsapparat eine Behandlung beim Chiropraktor in Betracht zu ziehen, bevor sie sich vom Hausarzt Medikamente verschreiben lassen. Die rasche, ruckartige Bewegung, die Chiropraktoren ausführen, ist oft mit einem Knacken, selten nur mit Schmerzen verbunden. Dabei wird das betreffende blockierte Gelenk leicht über seine normale Beweglichkeit hinaus gedehnt, so dass die Gelenksfunktion wiederhergestellt wird. Doch der Chiropraktor kann noch weit mehr:
Muskelentspannung, Reflextherapie, Ultraschall und Interferenzströme gehören ebenso zum Fach wie beispielsweise der orthopädische Ausgleich eines verkürzten Beines durch Schuhsohlenerhöhung oder die Beratung des Patienten in bezug auf seine Lebensweise.
Allmählich verstummen die Kritiker
Längst hat sich die Chiropraktik hierzulande durchgesetzt . Vielleicht abgesehen von ein paar Ewiggestrigen im weissen Kittel, welche die Chiropraktik noch immer als Hokuspokus bezeichnen. Alle Versicherungen erkennen den selbstständigen Status der Chiropraktoren als Vertreter der wissenschaftlichen Heilkunde an. Das war aber nicht immer so: Die ersten Chiropraktoren, die in den zwanziger Jahren aus den USA in die Schweiz zurückkehrten, stiessen mit ihren neuartigen Behandlungsmethoden bei den etablierten Schulmedizinern nicht auf Gegenliebe, wurden verfolgt und vor den Richter gezerrt. Doch ihre Erfolge bei vielen medizinisch vergeblich behandelten Patienten lösten eine Bewegung in der Öffentlichkeit zugunsten einer Anerkennung aus. Die anfängliche Skepsis hat sicher auch damit zu tun, dass die Chiropraktik von einem Nichtmediziner begründet wurde, nämlich vom Amerikaner David Daniel Palmer. Palmer griff Ende des letzten Jahrhunderts Erkenntnisse wieder auf, die bereits in der Antike Anwendung gefunden hatten. Damals schon waren Manipulationen an Wirbelsäule und Becken zur Behandlung gewisser Leiden bekannt.
Anspruchsvolle Ausbildung
Wer sich für diesen Beruf interessiert oder Adressen von Chiropraktoren sucht, wendet sich an:
Schweizerische Chiropraktoren Gesellschaft Sulgenauweg 38 3007 Bern Tel. 031 45 03 01 Fax 031 46 26 54
Anmerkung von chiropraktik. ch : Berufsbild, Adressen und vieles mehr können auch direkt bei chiropraktik.ch abgerufen werden.
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Chiropraktor(in) ist ein Beruf, der hohe Ansprüche stellt. Wer sich dafür interessiert, muss eine eidgenössisch anerkannte Matura und das erste medizinische Propädeutikum (nach einem Jahr Medizinstudium) vorweisen können, bevor er/sie zum zehnsemestrigen (!) Studium an einem College in den USA oder in Kanada zugelassen wird. In der Schweiz besteht noch keine Ausbildungsmöglichkeit. Für diesen Auslandsaufenthalt müssen Studenten tief ins Portemonnaie greifen: Lebensund Ausbildungskosten belaufen sich alles in allem auf ungefähr sFr. 80 000.- (!). Allerdings besteht die Möglichkeit, Stipendien zu beziehen. Wenn das Studium erfolgreich mit dem "Doctor of Chiropractic" abgeschlossen wurde, folgt in der Schweiz eine mindestens zweijährige klinische Assistenzzeit mit regelmässigen Weiterbildungskursen. Abschliessend muss noch ein Staatsexamen bestanden werden. Die umfassende und anspruchsvolle Ausbildung zu diesem interessanten Beruf ist notwendig; schliesslich ist der Chiropraktor der einzige Vertreter der Heilkunst, der ausserhalb der traditionellen Schulmedizin befugt ist, auf eigene Verantwortung und eigene Diagnose hin Patienten zu behandeln!