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Chiropraktik

Aus der gleichnamigen Broschüre von Dr. Felix S. Halter

Bild aus der Broschüre Chiropraktik
Vorwort
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
Dieses «Schema» aus einem der bekanntesten Anatomiebücher zeigt, wie die verschiedenen Etagen der Wirbelsäule mit anderen Körperorganen in Verbindung stehen.
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
Behandlung der unteren Lendenwirbelsäule
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
Lendenwirbelsäule mit Becken von vorne und von der Seite
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
Behandlung der Brustwirbelsäule

In einer Welt voller Hektik und Stress, in einer Welt, in der die Menschen kaum mehr Zeit haben für einander geschweige denn, sich selber eine Minute gönnen - in einer solchen Zeit, in der nur äussere Leistung und unmittelbarer «Erfolg» gelten, wird die Krankheit als blosse «Panne» angesehen, die möglichst rasch durch die hierfür vorhandenen «Reparaturstellen und Pannenhilfen» behoben werden sollte. Jede kleine Grippe wird energisch mit Medikamenten bekämpft, chirurgische Eingriffe werden manchmal in allzu grosser Eile angeordnet, und Medikamente kommen und verschwinden vom Markt, weil ihre möglicherweise ersten positiven Wirkungen oft bald nicht mehr zu verzeichnen sind und sich unter Umständen bald oder erst Jahre später allfällige Nebenwirkungen bemerkbar machen.

In einer solch bedenklichen Zeit der Jagd nach äusserlichem Erfolg im alltäglichen «Ringkampf» ist es kaum verwunderlich, dass die Menschen mehr und mehr unter Erkrankungen leiden, die von ihrer Lebensart in unserer technischen Zivilisation bedingt sind. Und ebenso ist es auch nicht verwunderlich, dass sie zunehmend Hilfe suchen bei der Chiropraktik, die ein ganzes Arsenal von Therapien entwickelt hat, um insbesondere solchen zivilisationsbedingten Leiden auf den Leib zu rücken. Entsprechend verzeichnet die Chiropraktik zunehmend beachtliche Heilerfolge.

Mit dieser Broschüre möchte ich Ihnen aufzeigen, was Sie von Ihrem Chiropraktor oder Ihrer Chiropraktorin zu erwarten haben; und gerne hoffe ich, Ihrer Gesundheit zuliebe, dass Ihre nächste Behandlung durch die Chiropraktik zu einem vollen Erfolg wird. Zwei wichtige Informationen möchte ich jedoch vor meinen weiteren Ausführungen noch erwähnen:

  1. Die chiropraktische Behandlung durch qualifizierte Chiropraktoren ist in der Regel schmerzlos.

  2. Wenn Sie sich in chiropraktische Behandlung begeben möchten, brauchen Sie keine Überweisung durch Ihren Arzt. Chiropraktoren sind selbständig praktizierende Medizinalpersonen und deren Leistungen werden seit 1964 von den Krankenkassen und den Unfallversicherungen bezahlt.

Dr. Felix S. Halter

Das Arbeitsgebiet des Chiropraktors

Chiropraktik ist eine selbständige Disziplin der wissenschaftlichen Heilkunde; sie befasst sich diagnostisch und therapeutisch in erster Linie mit jenem Krankheitsgeschehen, dem Störungen der Statik und Dynamik des menschlichen Körpers zugrundeliegen. Aufgabe des Chiropraktors ist es, solche Störungen zu diagnostizieren und sie im Zusammenhang mit den geäusserten Symptomen zu beurteilen.Er muss ihren Ursachen nachgehen, sie korrigieren und damit ihre Auswirkungen wie Schmerzzustände, Muskelverkrampfungen, Beeinträchtigung der Beweglichkeit und eventuell damit zusammenhängende Funktionsstörungen und Krankheitsprozesse beheben. Nach Aufnahme der Krankheitsgeschichte wird der Patient eingehend hinsichtlich Haltung und körperlicher Beweglichkeit untersucht, wobei neurologische und orthopädische Untersuchungsverfahren wichtige Aufschlüsse über die Ursachen der gesundheitlichen Störung zu vermitteln vermögen. Bei der spezifischen chiropraktischen Untersuchung geht es in erster Linie darum, Zustand und Funktion der einzelnen Gelenke zu beurteilen. Eine zentrale Bedeutung kommt dabei den Gelenken im Bereiche der Wirbelsäule und des Beckens zu. In der Regel wird der Chiropraktor Röntgenbilder des ihn im betreffenden Fall interessierenden Teiles des Muskel- und Skelettsystems anfertigen. Oft werden zur Sicherstellung einer Diagnose Laboruntersuchungen benötigt, die zum Teil auch in der eigenen Praxis, häufig aber durch medizinische Labors durchgeführt werden. Die eigentliche chiropraktische Behandlung besteht in spezifischer Manipulation, d.h. manueller Einwirkung auf die einzelnen knöchernen Strukturen, welche ein Gelenk bilden.Auf diese Weise wird darauf ausgegangen, die Blockierung betroffener Gelenke zu beheben, also deren Beweglichkeit wieder zu erlangen, sowie allfälligen Lockerungen betroffener Gelenke entgegenzuwirken und die Gelenkflächen generell wieder in korrekte Beziehung zueinander zu bringen. Wenn nötig, wird diese Behandlung ergänzt durch Massnahmen, welche die Funktionstüchtigkeit des Bewegungsapparates möglichst vollständig wieder herstellen sollen: gewisse physiotherapeutische Anwendungen, orthopädischer Ausgleich eines verkürzten Beines, Beratung des Patienten in Bezug auf seine Lebensweise, namentlich allfällige sportliche Betätigung und Körperhaltung im Arbeitsprozeß usw.Kernstück der chiropraktischen Therapie bleibt aber die manuelle Behandlung: dabei wird das betreffende Gelenk leicht über seine normale Amplitude hinaus bewegt, ohne dass seine anatomischen Grenzen (Integrität der Kapsel, der Bänder und anderer umgebender Weichteile) überschritten werden. Durch den Chiropraktor ausgeführt, stellt dieses Manöver die Gelenkfunktion wieder her, ohne Schäden hervorzurufen. Auf diese Weise findet eine Normalisierung der mit der Gelenkfunktion im Zusammenhang stehenden nervlichen Strukturen und der von diesen versorgten Gebiete statt.Die Chiropraktik ist ausser für die Behandlung von Leidenszuständen wie Hexenschuss, Ischias und Schulter-Armbeschwerden therapeutisch überdies für eine Reihe weiterer Schmerzzustände und Funktionsstörungen mit Erfolg zuständig, wie dies die Erfahrung belegt. Es sind dies unter anderem: gewisse Arten von Migräne, Schwindel, Hör- und Sehstörungen, funktionelle Herzbeschwerden sowie Störungen im Verdauungssystem etc. Das nachfolgende «Schema» aus einem der bekanntesten Anatomiebücher zeigt, wie die verschiedenen Etagen der Wirbelsäule mit anderen Körperorganen in Verbindung stehen. Und so ist heute allgemein bekannt, dass länger andauernde Funktionsstörungen innerer Organe sich reflektorisch auch auf die entsprechenden Wirbelsegmente auswirken können. Bleiben nun solch reflektorisch entstandene Blockierungen auch nach der Ausheilung des primär erkrankten Organes noch weiterbestehen, so wird die gestörte Verbindung mit dem Zentralnervensystem sich auch in Zukunft negativ auf das Organ auswirken, weshalb in diesen Fällen eine gute Zusammenarbeit zwischen internistisch tätigen Ärzten und Chiropraktoren für das Wohl des Patienten von grösster Wichtigkeit ist.


Die Ausbildung des Chiropraktors
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik

Erstes medizinisches Propädeutikum /10-semestriges Fachstudium in den USA oder Kanada / 2-jährige Assistenzzeit /Staatsexamen und Strahlenschutzprüfung.

Der zukünftige Chiropraktor muss das 1. medizinische Propädeutikum vorweisen, bevor er zum 10-semestrigen Fachstudium an einem Ausbildungsinstitut für Chiropraktoren in den USA oder Kanada zugelassen wird. Das Ausbildungsprogramm ist zu Beginn etwa dem eines Medizinstudiums gleichzusetzen; der Student besucht Vorlesungen und praktische Kurse in Anatomie, Physiologie, Bakteriologie, Biochemie, Pathologie, Diagnostik usw. Recht bald jedoch wird der Student mit den Grundlagen der Chiropraktik vertraut gemacht; zuerst theoretisch, dann folgen praktische Arbeiten in Diagnostik, Untersuchungsmethoden, Funktionsanalysen der Wirbelsäule und der peripheren Gelenke, Palpation (d.h. Abtasten von Wirbelsäule und Gelenken mit den Fingern), Labor, Röntgendiagnostik sowie die spezifisch chiropraktischen Behandlungsverfahren. Am Ende des Studiums hat der Student die Gelegenheit, seine Kenntnisse in der öffentlichen Klinik des Chiropraktikinstitutes praktisch zu vertiefen, wobei er bei seiner Tätigkeit stets von qualifiziert ausgebildeten und erfahrenen Chiropraktoren begleitet wird. Nach Bestehen von Zwischen- und Schlussprüfungen schliesst er sein Studium mit dem Erlangen des «Doctor of Chiropractic» (DC) ab.
Nach dem Studium im Ausland folgt in der Schweiz eine mindestens 2-jährige klinische Assistenzzeit mit regelmässigen obligatorischen Kursen am Weiterbildungsinstitut der Schweizerischen Chiropraktorengesellschaft in Bern. Das Staatsexamen (interkantonale Prüfung) wird von einem Gremium, das zu 50% aus Chiropraktoren und zu 50% aus Medizinern besteht, abgenommen. Es wird in der Regel an der neurologischen Abteilung des Inselspitals Bern oder am Balgrist Zürich durchgeführt. Der Chiropraktor muss überdies ein röntgenologisches Strahlenschutzexamen erfolgreich bestehen, das vom Bundesamt für Gesundheitswesen organisiert wird, wodurch er die Bewilligung zum Betrieb einer eigenen Röntgenanlage erlangt.

Diese spezifische Fachausbildung von 8 Jahren erlaubt dem Chiropraktor Diagnosen zu stellen und für die Patienten im Rahmen des Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes sowie der Militärversicherung selbständig und ohne Überweisung durch andere Medizinalpersonen tätig zu sein.
Um die Chiropraktoren stets auf dem neuesten Stand der heilkundlichen Entwicklung ihrer Disziplin zu halten, wird alljährlich im Rahmen des Fachkongresses der Schweizerischen Chiropraktoren-Gesellschaft ein viertägiger Kurs durchgeführt, der der Weiterbildung dient und dessen Besuch für alle Chiropraktoren obligatorisch ist.


Geschichte der Chiropraktik

Seit Tausenden von Jahren bekannt/1895 erste Ausbildungsstätte in den USA (D D. Palmer) /1939 im Kanton Zürich, heute in der ganzen Schweiz zugelassen /Seit 1965 durch den Beschluss der Schweizerischen Bundesversammlung von den Krankenkassen anerkannt.
Bereits in der klassischen Antike wurden Manipulationen an Wirbelsäule und Becken zur Behandlung wirbelsäulenbedingter Leiden durchgeführt (Hippokrates und Galenos, Arzt der Gladiatoren). Dem Amerikaner Daniel David Palmer fällt das Verdienst zu, im Jahre 1895 die in Literatur und Brauchtum überlieferten Manipulationen wieder aufgegriffen und als Verfahren zur Behebung reversibler Störungen des Wirbelsäulen-Funktionsgefüges erkannt zu haben. Sein Sohn, BJ. Palmer, entwickelte die Einsichten und Methoden seines Vaters weiter und systematisierte sie zu einer höchst wirksamen Therapie mannigfaltiger gesundheitlicher Beschwerden und krankhafter Vorgänge. Als dann in der Schweiz 1932 von den ersten in den USA ausgebildeten Chiropraktoren, Simon Müller und später Emil Siegrist, auf Zürcher Boden eine selbständige Praxis eröffneten, hatten sie wohl nicht mit der unerbittlichen Reaktion der etablierten Medizin gerechnet, deren Standesorganisation die Justiz in Bewegung setzte, worauf die beiden dann verurteilt und gebüsst wurden. Simon Müllers Praxis wurde versiegelt; er behandelte seine Patienten nun einfach im Treppenhaus, und die darauf verhängte Gefängnisstrafe hatte er im Bezirksgefängnis Meilen abzusitzen.
Die harte Verurteilung Müllers löste weitherum Reaktionen aus. Die sich benachteiligt fühlenden Patienten organisierten sich, und es ist das Verdienst der sich unermüdlich für die Chiropraktik einsetzenden Mitglieder des Vereins Pro Chiropraktik, dass sich die Zürcher Stimmbürgerschaft am 22. Januar 1939 für die Zulassung der Chiropraktoren zur Krankheitsbehandlung entschied. Weitere Kantone folgten dann diesem Entscheid. Eine durch 400 000 Unterschriften unterstützte Petition hatte sodann anlässlich der Revision des Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes / KWG im Jahre 1963/64 den Einbau der chiropraktischen Tätigkeit in den Leistungsbereich vorerst der Kranken- und nachmals auch der Unfall- und Militärversicherung zur Folge.
Seit Januar 1965 werden also die Leistungen der Chiropraktoren von den Krankenversicherungen bezahlt.
Es ist dies vor allem das Verdienst der heute noch im Einsatz stehenden Schweizerischen Vereinigung Pro Chiropraktik, bei welcher auch Sie als Patient durch die Entrichtung eines bescheidenen jährlichen Beitrages Mitglied werden können. Sie erhalten dafür vierteljährlich die Zeitschrift Pro Chiropraktik, ferner steht es Ihnen zu, verbilligt an den bewährten chiropraktischen Turnkursen teilzunehmen. Anmeldekarten sind an der Reception erhältlich.


Bild aus der Broschüre : Chiropraktik   1) Wirbelkörper
2) Bandscheibe
3) Zwischenwirbelfenster mit austretendem Spinalverv
4) Discushernie
Die Bandscheibe

Es gibt normalerweise 23 Bandscheiben, welche beim erwachsenen Menschen ca. 1/4 der Wirbelsäule ausmachen. Die Bandscheibe besteht aus äusserem Faserring und innerem Gallertkern. Nebst ihrer Wirkung als

Stossdämpfer ermöglicht sie vor allem die Beweglichkeit der einzelnen Wirbelkörper untereinander und gegeneinander. Die Bandscheibe wird nur etwa bis zum zweiten Lebensjahr mit Blutgefässen versorgt. Nach diesem Zeitpunkt ernährt sie sich nur noch durch den stetigen Druckwechsel im Tagesablauf eines sich ständig bewegenden Menschen.Die Druckverhältnisse sind sehr unterschiedlich, z.B. beträgt der Druck auf die unteren lumbalen Bandscheiben im Liegen ca. 15 - 20 Kp, im Stehen 100 Kp, im Sitzen 150 Kp und beim Bücken und Heben von Lasten mehrere Hundert Kp. Eine Druckerhöhung über 80 Kp führt zu einer Flüssigkeitsabgabe (Abtransport von Stoffwechselschlacken), eine Entlastung unter diesen Wert zu einer Flüssigkeitsaufnahme (Aufnahme von Stoffwechselsubstanzen) .
Dieser Flüssigkeitsaustausch bewirkt auch eine belastungsabhängige Höhenveränderung der Bandscheibe, und so beträgt der Körperlängenverlust bei Menschen am Tage durchschnittlich 17 mm. Man kann durch Extension (Seite 17) schon nach ca. 10 Minuten eine Volumenzunahme der Bandscheibe erreichen, für welche normalerweise eine Horizontablagerung von 8 - 10 Stunden benötigt würde.



Die Discushernie
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
Normale Verhältnisse:
1. Bandscheibe mit fibrösem Ring
2. austretender Spinalnerv
3. Rückmark
Bandscheibenprotrusion:
Die Bandscheibe drückt auf den Spinalnerv. Der fibröse Ring ist noch intakt
Bandscheibenprolaps:
Weiteres Hervortreten von Bandscheiben-material. Der fibröse Ring ist gerissen.
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
(Abb. 10) Computertomographie des untersten Lendenbandscheibenraumes, X = Discushernie

Beim Vornüberneigen des Körpers entsteht nicht nur eine Zunahme des Belastungsdrucks auf die Bandscheibe, diese wird überdies dabei auch sehr unterschiedlich belastet: Im vorderen Teil wird der Faserring zusammengedrückt und die Bandscheibe samt Gallertkern nach hinten gepresst. Der hintere Faserring wird nicht nur durch Dehnung strapaziert, sondern muss zudem auch dem zunehmend steigenden Druck des Gallertkerns standhalten. Die Verlagerung des Bandscheibengewebes nach hinten erfolgt jedoch nur sehr langsam, ca. o,6 mm pro Minute, weshalb ein Aufrichten nach längerem Bücken nicht zu schnell erfolgen sollte, um dieser Gallertmasse eine Rückverlagerung in ihre Normalposition zu ermöglichen. Durch Überbelastungen des Faserrings kann es zu einer Vorwölbung von Bandscheibenmaterial in Richtung des Wirbelkanals, zu einer sogenannten Protrusion kommen. Wird der fibröse Ring dabei durchbrochen, so spricht man von einem Prolaps (Sammelbegriff Discushernien). Irritiert nun das austretende Bandscheibenmaterial das Rückenmark bzw. austretende Nebenwurzeln, so kann es im Ausbreitungsgebiet der befallenen Nerven zu sensornotorischen Ausfallserscheinungen wie Gefühlsstörungen, Reflexveränderungen, ja sogar Lähmungen kommen. Die vom Chiropraktor durchgeführte neurologische Untersuchung kann schon in den meisten Fällen ein ziemlich genaues Bild über die Lage und Etage dieser Hernie aufzeigen, so dass auf die zusätzliche Anordnung einer Computertomographie (Abb. 10) in den meisten Fällen verzichtet werden kann. Durch eine gezielte Manipulation, durch Extension und entlastende Lagerung des Patienten wird der Chiropraktor nun versuchen, die Reizung des Bandscheibengewebes auf die Nervenwurzeln zu beheben bzw. zu vermindern. In seltenen Fällen muss die Hernie allerdings operativ entfernt werden.
Die Behandlung von Bandscheibenhernien gehört also zum täglichen Arbeitsgebiet des Chiropraktors. Die meisten Discushernien entstehen an den untersten zwei Bandscheiben der Lendenwirbelsäule, viel seltener treten sie auch in der Halswirbelsäule auf. Bei mechanischer Irritation der Nervenwurzeln im Bereiche der unteren Lendenwirbelsäule mit ins Bein ausstrahlenden Schmerzen und evtl. neurologischen Störungen spricht man von Ischias, im Gegensatz von Hexenschuss oder Lumbago mit Irritation des hinteren Längsbandes oder von den Wirbelgelenken.


Kopfschmerzen, Schwindel
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik Bild aus der Broschüre : Chiropraktik Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
(Abb. 11) Seitenansicht der Halswirbelsäule, im unteren Teil stark degeneriert, mit Randzackenbildung und Bandscheibenver-schmälerung Röntgenaufnehme der Halswirbelsäule von vorne. Durch den bei der Aufnahme geöffneten Mund erkennt man das Zusammenspiel der obersten beiden Halswirbel (Abb. 12) Modell der Halswirbelsäule. Gelb: austretender Nervwurzel. Rot: Arteria vertebralis

Kopfschmerzen sind ein Symptom, ein Krankheitszeichen; sie können die Folge verschiedenartiger Erkrankungen sein. Im Unterschied zur normalen Migräne, welche meistens mit Augenflimmern, Übelkeit und Erbrechen einhergeht, wird der halswirbelsäulenbedingte Kopfschmerz durch verspannte Nackenmuskeln sowie durch bestimmte Kopfhaltungen ausgelöst. Die Schmerzen breiten sich vielfach vom Nacken zum Hinterhaupt und von dort bis hinter die Augen aus. In manchen Fällen treten Schwindelerscheinungen, seltener auch Gehör-, Augen- und Schluckstörungen auf. Erbrechen ist bei dieser Art von Kopfschmerzen - ausser bei Medikamentenmissbrauch - nicht typisch. Als Ursache kommen Gefügestörungen im Halswirbelsäulenbereich mit entsprechenden Irritationen auch bei der Blutversorgung - oder gar eine Einengung der Arteria vertebralis (Abb. 12) durch seitliche, degenerativ bedingte knöcherne Randzacken in Frage. Der Chiropraktor wird auf jeden Fall eine sorgfältige Differentialdiagnose zur Abklärung der Ursachenkette erarbeiten. Es kommt sehr häufig vor, dass Patienten nach jahrzehntelanger Einnahme von Medikamenten, nach unzähligen Untersuchungen in diversen Kliniken, nach Computertomographien und Encephalogrammen, schon nach wenigen chiropraktischen Behandlungen der Halswirbelsäule sehr positive Resultate erfahren.


Extension
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
(Abb. 14) Intermittierende Extension
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
(Abb. 15) Schwing - Extensor
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
(Abb. 16/17) Das Orthopod, Kombination von Extensions- und Übungsgerät

Ein vom Chiropraktor vielfach angewandtes Therapieverfahren ist die Extension («Strecken») der Wirbelsäule.Und hier möchte ich ein Vorurteil vieler Patienten gleich zu Beginn schon abbauen: «Strecken», wenn richtig angewendet, sollte überhaupt keine Schmerzen verursachen, im Gegenteil wirkt diese Therapieform entlastend auf Bandscheiben und Wirbelsäule, und bereits die Lagerung des Patienten mit in Hüfte und Knie angewinkelten Beinen wirkt sich in der Regel bereits schmerzlindernd aus. Wurde früher noch meistens die Dauerextension mittels Gewichtssteinen angewendet, so wird heute der intermittierenden Extension der Vorzug gegeben (Abb. 14). Am Extensionsautomat kann der gewünschte Zug genau eingestellt werden, und weil nach einigen Sekunden das Ziehen immer wieder nachlässt, so können bei dieser Methode bei kürzerer Behandlungszeit viel höhere Kräfte eingesetzt werden.
In Abänderung dieses Prinzips wurde der Schwingextensor entwickelt (Abb. 15). Die Dehnung der Bandscheibenräume entsteht hier durch die Schwerkraft des Patienten, während die horizontal und vertikal vibrierende Unterlage für die Entspannung der Muskulatur sorgt.
Ein weiteres, speziell für die Chiropraktik entwickeltes Gerät wird vor allem bei «heissen» Diskushernien eingesetzt (Abb.: siehe Titelseite dieser Broschüre). Durch die Möglichkeit des Wegschwenkens des gesamten unteren Teiles des Behandlungstisches in alle Richtungen, wird auf diese Weise ein Öffnen des Bandscheibenraumes unter sanfter manueller Extension bewirkt.
Der weltweite Erfolg des Orthopods (Abb. 16/17) beruht auf der Kombination von Extension und Übungsgerät. Es wurde von einem Chiropraktor in Los Angeles entwickelt und ergänzt die chiropraktische Behandlung nach Abklingen der akuten Phase.


Elektrotherapie
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
(Abb. 18) Eletrotherapie zusammen mit dynamischer Wärmelampe

Die zahllosen verschiedenen Arten von Elektrotherapie möchte ich hier nicht aufzählen. Wichtig erscheint mir jedoch, dass die Wirksamkeit der verschiedenen Geräte sehr unterschiedlich ist. Es ist Sache des behandelnden Chiropraktors, ob und welche Geräte er in bestimmten Fällen einsetzen möchte. Abbildung 18 zeigt eine Interferenzstrombehandlung mit dem Nemectrodyn.


Kälte- und Wärmeapplikationen
Bild aus der Broschüre : Chiropraktik
(Abb. 19) Kältetherapie mit Flüssigstickstoff

Nebst Kälteanwendungen (Abb. 19 zeigt eine Cryotherapie mit Flüssigstickstoff, bei Austritt ca. -130° C) wird im Fall eines Tennisellbogens auch die Halswirbelsäule chiropraktisch behandelt.
Dieselbe Kältetherapie wird manchmal sodann bei der Behandlung von Kniearthrosen eingesetzt. Der japanische Arzt Dr. Yamaouchi befasst sich seit vielen Jahren mit der Anwendung von extremer Kälte auf den menschlichen Körper. Er hat dabei herausgefunden, dass die vermehrte Durchblutung des behandelten Gelenkes nach erfolgter
Behandlung mit extremer Kälte viel länger anhält (ca. 4 - 5 Stunden) als dies nach Applikation von Wärrne (Hotpacks, Fango) der Fall ist. Bei entzündlichen Leiden oder in sehr akuten Fällen sollte zunächst die Kältetherapie zur Anwendung kommen. Erst zu einem späteren Zeitpunkt - nach Abklingen der Entzündung - kann eine Wärmeapplikation die gewünschte Wirkung zeitigen. Abbildung 18 zeigt eine dynamische Wärmelampenbehandlung, die gemäss einer umfangreichen Studie an diversen Kliniken - eine beachtliche Wirkung auf das vegetative Nervensystem hat.






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