Nieren- oder Rückenschmerz ?
Von Dr. Andreas Messmer
Recht häufig fragen Patienten ihren Arzt oder Chiropraktor, ob ihre Rückenschmerzen nicht eine Ausstrahlung eines Nierenleidens seien.
Eine akute Nierenerkrankung schafft keine Probleme bei der Diagnose: der schlechte Allgemeinzustand des Patienten mit Fieber, Erbrechen und schmerzhafter Nierenloge, der Laborbefund, insbesondere die Urinanalyse, geben bei der Untersuchung eindeutige Hinweise.
Schwieriger ist die Unterscheidung von Schmerzen bei einem chronischen Nierenleiden und den Beschwerden, die ihre Ursache im Bewegungssystem der Wirbelsäule haben. Denn auch etwa bei der Hälfte der Patienten mit chronischen Nierenleiden treten Schmerzen in der unteren Brust- und der oberen Lendenwirbelsäule auf. So wie Herzbeschwerden in bestimmte Regionen ausstrahlen können, hilft sich auch die Niere, wenn sie mitteilen will, es gehe ihr nicht gut.
Am häufigsten klagen Patienten mit chronischen Nierenleiden über Rücken- und Kopfschmerzen sowie Leistungsschwäche. Ziel der Untersuchung ist es, durch eine genaue Befragung, durch die Analyse des Schmerzes und eine präzise Beurteilung des Bewegungssystems der Wirbelsäule herauszufinden, wo die Schmerzquelle liegt. Der vom Patienten angegebene Schmerz kann sowohl von der Niere auf die Wirbelsäule ausstrahlen als auch dort entstanden sein. Der Schmerz, ob lokal ausgelöst oder in den Nieren entstanden und übertragen, ist ein überaus wichtiges Warnsignal eines drohenden oder bereits bestehenden Schadens oder einer funktionellen Störung. Die Schmerzintensität stimmt dabei nicht immer mit der Schwere des Schadens oder der Störung überein.
Nierenschmerzen zeigen sich meist einseitig in der Flanke, knapp unter der letzten Rippe, mit einem dumpfen, tiefen und unbestimmten Schmerzcharakter.
Bei chronischen Nierenleiden und bei der Nierensenkung sind Rücken- und Kreuzschmerzen infolge von Reflexsyndromen häufig. Diese lösen in der Wirbelsäule Funktionsstörungen aus oder verstärken sie. Sie gehen einher mit Blockierungen im Übergang zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule oder Rippengelenkstörungen sowie mit Verspannungen der Rückenstreckermuskulatur.
Nur mit Wissen um diese Zusammenhänge kann vermieden werden, dass lediglich der Schmerz als Symptom behandelt und das eigentliche Nierenleiden verpasst werden.
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