Tunnel ins Handgelenk
Von Dr. Bruno Gröbli
Durch den sogenannten Karpaltunnel am Handgelenk werden nebst einer wichtigen Nervenbahn Sehnen und Blutgefässe in die Hand geführt. Dieser Weg darf nicht unterbrochen werden, denn die Hand mit ihren feinen Empfindungen und vielfältigen Aufgaben ist auf eine reibungslos arbeitende «Infrastruktur» und auf ungehinderte Verbindungen angewiesen.
Wird der Karpaltunnel enger, erhöht sich der Druck auf einen der drei Hauptnerven, die in die Hand führen.
Diese Beschwerden, das Karpaltunnelsyndrom, sind die häufigsten Ursachen eines Schulter-Arm-Schmerzes; sie treffen Frauen weit häufiger als Männer.
Die Verengung ist vielfach angeboren; doch auch ein Handgelenkbruch, hormonelle Umstellungen in Klimakterium oder Schwangerschaft, eine Gewichtszunahme oder einseitige manuelle Tätigkeiten wie zum Beispiel lange Computer- oder Schreibmaschinenarbeit können sie begünstigen. Die Schmerzen treten aber auch ohne ersichtlichen Grund auf, was die Abklärung zusätzlich erschwert.
Charakteristisch für das Karpaltunnelsyndrom sind das nächtliche Einschlafgefühl der Hand und dumpfe Schmerzen, die sich nicht selten bis in die Schulter erstrecken. Ein kurzes Aufstehen und das Bewegen und Schütteln der Hand lassen die Schmerzen häufig wieder abklingen. Oft empfindet der Patient am Morgen, dass sich die Finger dicker anfühlen und die Hand geschwollen ist. Die Beweglichkeit der Finger ist dann reduziert, und die morgendlichen Verrichtungen gehen für etwa eine Stunde nur mühsam vonstatten.
Bei fortschreitender Krankheit treten Gefühlsstörungen vor allem in Daumen, Zeigeund Mittelfinger auf. Feine Gegenstände können nicht mehr richtig gefühlt und ergriffen werden. Bei der eingehenden Untersuchung stellt der Chiropraktor fest, dass Druck am Handgelenk und das Abknicken des Gelenkes gegen den Handrücken schmerzen.
Die chiropraktische Therapie richtet sich auf die Behandlung des gesamten Nacken-Schulter-Arm-Schmerzes. Das Handgelenk muss entlastet, und unnötige Bewegungen sollten vermieden werden. In
der Nacht wird eine spezielle Schiene getragen, um das Handgelenk ruhigzustellen. Dazu kommen Massnahmen am Arbeitsplatz: der Chiropraktor gibt seinem Patienten Ratschläge zur Vermeidung von übermässigen und eintönigen Belastungen des Handgelenkes.
Mit diesem Vorgehen kann nicht selten die operative Befreiung des Karpaltunnels vermieden werden.
Zurück zum Chiropraktik aktuell Archiv