Auf Kissen sitzen
Von Dr. Andreas Messmer
Die meisten Schulmöbel vermögen nicht zu befrieden: eine alte Tatsache. Sie können dem Kind nicht angepasst werden, oder die Anpassung wird versäumt. Langes Sitzen auf ungeeigneten Stühlen an unpassenden Tischen aber ist einer der Gründe für die Zunahme von Haltungsschäden und Beschwerden des Bewegungsapparates bei Kindern und Jugendlichen.
In einem Pilotversuch ist eine Kleinklasse vor etwas mehr als einem Jahr mit Sitzkissen ausgerüstet worden. Die Kinder haben flache aufblasbare Kunststoffkissen als Stuhlauflagen für den täglichen Gebrauch im Klassenzimmer erhalten. Beim Versuch geht es vorerst nicht um die statistisch aussagekräftige Beweisführung einer verbesserten Sitzhaltung, sondern um einen ersten Eindruck der Reaktionen der Schüler, der Lehrer und der Eltern.
Festgestellt worden ist, dass sich alle Beteiligten positiv zu diesem ersten Versuch geäussert haben. Die Kinder haben eine dynamische Sitzmöglichkeit - unbewusst verändern sie ihre Sitzposition laufend und verharren weniger lang in ungünstigen Haltungen. Das bewegte und bequemere Sitzen schafft eine ruhigere Atmosphäre im Schulzimmer, denn das Suchen nach einer angenehmeren Haltung fällt weg. Eltern berichten, Kopfschmerzen und Rückenbeschwerden der Kinder seien seltener geworden.
Obwohl die Kissen täglich benutzt werden, zeigen sich auch nach einem Jahr keine Verschleisserscheinungen. Die Kinder fühlen sich persönlich für ihr Kissen verantwortlich.
In einem grösser angelegten Versuch über eine Zeitspanne von zwei bis drei Jahren wäre es sinnvoll, die Kinderzum Beispiel im Rahmen der schulärztlichen Betreuung - vor, während und nach dem Versuch auf Haltungsschäden und -anomalien zu untersuchen. Gleichzeitig wäre die Möglichkeit gegeben, den Kindern und ihren Eltern Wissenswertes zum Thema «Rückenhygiene» zu vermitteln.
Zurück zum Chiropraktik aktuell Archiv