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Chiropraktik für Neugeborene

Von Dr. Peter Kränzlin

Unerwartet viele Kinder - über 8 % - werden mit einer Deformation der Halswirbelsäule, einem sogenannten «Neugeborenen-Schiefhals» geboren.

Zwei Drittel dieser Fälle sind nicht krankhaft und heilen bis zum sechsten Monat spontan oder unter herkömmlicher Therapie aus: Physiotherapie und Lagerung vermögen zu helfen.

Bei den hartnäckigen Fällen zeigen etwa zwei Drittel gelenksbedingte Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit, bei einem guten Drittel ist die Fehlhaltung des Halses auf ungleich ausgebildete Muskeln zurückzuführen, bei einem verschwindend kleinen Anteil auf die Verkürzung des vorderen Halsmuskels. Zwei Drittel der betroffenen Kinder sind männlich, ein Drittel ist weiblich. Keine Rolle scheint zu spielen, ob das Kind auf «normalem» Wege oder mittels Kaiserschnitt geboren wurde; eher als Ursache anzunehmen ist eine Fehllagerung in der Gebärmutter.

Wird die Störung nicht rechtzeitig behoben, kann sich die Fehlhaltung irreversibel verfestigen. Oft ist diese Erscheinung mit Missbildungen von Schädel und Fuss, Wirbelsäulenverformungen und Wachstumsstörungen der Hüftgelenke verbunden. Dazu kommen im Verlaufe der Entwicklung oft weitere zum Teil-reversible Störungen, zum Beispiel eine verzögerte motorische Entwicklung.

  • Deformation: Missbildung
  • Irreversibel: nicht mehr behebbar
  • Mobilisieren: wieder beweglich machen
  • Motorisch: Die Motorik umfasst alle hirngesteuerten aktiven Bewegungsvorgänge
  • Reversibel: heilbar, behebbar
Eine Gruppe von Kinderärzten im Kanton Zürich (ZAPP) hat in Zusammenarbeit mit einem Chiropraktor das Vorkommen des Neugeborenen-Schiefhalses und die Wirkung der Behandlungsmethoden erfasst. Den chiropraktischen Massnahmen gegenübergestellt hat man das bisher übliche Vorgehen: Physiotherapie, Lagerung und Abwarten.

Für die Studie sind alle Säuglinge mit einer Fehlhaltung des Halses oder mit einer Gesichtsoder Schädelasymmetrie nach ihrem sechsten Lebensmonat in die Fallstudie aufgenommen worden. Die Patienten mit einer gelenksbedingten Fehlhaltung sind chiropraktisch mobilisiert und im Alter von neun und zwölf Monaten kontrolliert worden.

Gezeigt hat sich, dass beim gelenksbedingten Neugeborenen-Schiefhals die chiropraktische Mobilisation des unteren Kopfgelenkes eine risikoarme Therapieform mit geringem Aufwand ist: Bis auf wenige Ausnahmen genügte jeweils eine einzige Mobilisierung durch den Chiropraktor, der über entsprechende Zusatzausbildung und Erfahrung verfügen sollte.

Diese Erkenntnisse werden bei der Behandlung des Neugeborenen-Schiefhalses in Zukunft vermehrt genutzt werden. Eine besondere Bedeutung hat dabei die konstruktive Zusammenarbeit mit den Kinderärzten. Denn durch das frühzeitige Erkennen einer Störung und die rechtzeitige Zuweisung zur Behandlung wird die Prognose der Patienten deutlich verbessert.

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