Was ist Skoliose?
Von Dr. Bruno Gröbli
Die Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, also eine Abweichung von der idealen Mittellinie. Nicht verwechselt werden darf diese krankhafte Verkrümmung mit den normalen Kurven der Wirbelsäule, die man bei seitlicher Betrachtung erkennen kann.
Schwierige Diagnose
Die Skoliose entwickelt sich im Wachstumsalter zwischen sieben und 16 Jahren. Im Anfangsstadium ist sie nur schwer zu erkennen, und so wird sie vielfach erst diagnostiziert, wenn es für eine wirksame Therapie zu spät ist. Betroffen sind etwa 4% der Mädchen und 3% der Knaben.
Von den zahlreichen Arten der Skoliose können die funktionelle und die frühe idiopathische Skoliose erfolgreich behandelt werden. Bei der funktionellen Skoliose ist ein Ausgleich der krankhaften Wirbelsäulenverkrümmung bei bestimmten Wirbelsäulenbewegungen zu beobachten; die idiopathische Skoliose hingegen hat diese Eigenschaft nicht: der Patient leidet unter einer konstant verkrümmten Wirbelsäule.
Woher kommt die Skoliose ?
Nicht alle Ursachen der Skoliose sind genau geklärt wahrscheinlich ist sie die Folge einer Anzahl von neurologischen und funktionellen Faktoren.
Bei zahlreichen Skoliose-Patienten sind die neurologischen Abläufe gestört, die die Muskulatur beim Gehen kontrollieren. Diese Kontrollmassnahmen werden beim Kleinkind «programmiert», wenn es beginnt, übers Kreuz am Boden zu kriechen (s.a. Seite 4, «Krabbeln macht aufrecht»).
Werden diese Lernphasen beim Kleinkind gestört oder von ehrgeizigen Eltern abgekürzt, kann dies später eine Skoliose zur Folge haben.
Skoliosen werden auch häufig vererbt - ein Blick auf die Körperhaltung der Eltern gibt also oft Aufschluss über die Krankheit der Kinder.
Wie erkennen ?
Häufig sind bei Skoliose-Patienten ein ungleicher Stand von Schultern und oder Becken, aber auch eine schräge Kopfhaltung zu beobachten. Beim Bücken können ungleiche Form und Höhe von Schulterblättern und Rippen festgestellt werden.
Zunehmende Schmerzen im Rücken, in den Knien und Fussgelenken sind möglich; die Skoliose kann aber auch schmerzfrei verlaufen.
Therapie
So vielfältig, wie die Ursachen, sind auch die Therapieansätze. Zwar muss in schwerwiegenden Fällen die Chirurgie zu Hilfe gerufen werden, da die Herztätigkeit und die Lungenfunktion beeinträchtigt werden können, aber meist gelingt es, solche Massnahmen zu vermeiden.
Konventionelle Methoden wie das Streck- oder Gipsbett und Gymnastik bringen in der Regel wie auch die meisten Rückengestelle wenig Erfolg. Bei deren Anwendung ist zudem der psychischen Belastung beim kindlichen und jugendlichen Patienten Rechnung zu tragen.
Was bietet die Chiropraktik ?
Die Chiropraktik behandelt die Skoliose auf drei verschiedenen Wegen: mit der chiropraktischen Manipulation, dem passiven mechanischen Strecken auf dem Laufband und mit dem aus der Angewandten Kinesiologie bekannten Modell der neurologischen Disorganisation.
Bei der manuellen Behandlung geht der Chiropraktor davon aus dass die Störungen der Wirbel und Beckengelenke mit chiropraktischen Massnahmen, mit Manipulationen, beseitigt werden können.
Beim Strecken und gleichzeitigen Gehen auf dem Laufband wird die verdrehte und verkrümmte Wirbelsäule «entwunden».
Legt man der Skoliose-Behandlung das Modell der neurologischen Disorganisation zugrunde, wird die oben beschriebene «Programmbildung» nachgeholt. Die Korrektur erfolgt in diesem Fall durch Strecken mit koordiniertem Gehen, zum Beispiel auf einem Laufband. Die zu- und abführenden Impulse über die Nervenbahnen vom Rückenmark ins Gehirn beeinflussen dabei die Haltungsmuskulatur und wirken dadurch gegen die frühen idiopathischen und funktionellen Skoliosen.
Es hat sich gezeigt, dass mit chiropraktischer Behandlung der Skoliose in etwa 80% aller Fälle eine deutliche Besserung erreicht.
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