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Auch ohne Sieg gewinnen

Von Dr. Andreas Messmer


Tosender Applaus im Sportstadion, TV-Kameras und Journalisten aus aller Welt haben den Superstar täglich im Visier; er ist aller Liebling, und das Geld fliesst reichlich: können wir es einem Kind verdenken, wenn es sich dafür begeistert und auch zu den Ersten gehören will? Dumm ist nur, dass die meisten nicht Erste werden, sondern auf der Strecke bleiben - oft mit körperlichen und seelischen Schäden, wenn sie von fernen Vorbildern und falschem eigenem oder elterlichem Ehrgeiz angetrieben worden sind.

Der Sport vermag an die körperliche und geistige Entwicklung und die Gesundheit der Kinder einen grossen Beitrag zu leisten - wenn die erwachsenen Begleiter mit fundiertem Wissen und manchmal auch mässigend führen.

Kinder müssen nämlich mit dem Sport kein Geld verdienen. Die erste wichtige Erkenntnis ist deshalb, dass Mitmachen wichtiger als Gewinnen ist: fördern wir die Freude am Spiel!

Der natürliche kindliche Drang nach Bewegung kommt dem entgegen: beim Ballspielen, Fangen, Schaukeln, Gehen und Springen werden die Bewegung erfahren und die Muskulatur und der passive Bewegungsapparat ohne eigentliches Krafttraining entwickelt. Bis zum zehnten Altersjahr und insbesondere bei einer Tendenz zur Haltungsschwäche wegen ungenügend ausgebildeter Muskulatur sollte eine dynamische Muskelkräftigung gefördert werden. In dieser Zeit wird mit Vorteil auf eine möglichst breite sportliche Betätigung und auf das richtige Erlernen der Grundtechniken geachtet.
Was Kinder vor allem nicht sollen

Gewichte über den Kopf heben Tiefe Kniebeugen mit Gewicht Gegen viel schwerere Gegner antreten Schmerzen aus falschem «Härte»-Verstehen verheimlichen Kopfbälle ohne genügende Schulung und ausreichendes Training Trotz Ermüdung und ohne Aufwärmen Sport treiben Nach Unfällen zu rasch wieder einsteigen Sich von Trainer oder Eltern zum Wettkampfsport zwingen lassen.


Später, zwischen zehn und zwölf Jahren, kann bereits systematischer trainiert werden. Krafttraining wird vor allem mit dem eigenen Körpergewicht betrieben, und kleine Zusatzgewichte sind jetzt erlaubt. Aber Vorsicht: die Wirbelsäule ist in der Pubertät
besonders anfällig auf Verletzungen. Die Ausdauer kann jetzt regelmässig trainiert werden,
aber es ist auf genügend Erholungszeit zu achten.

In der Adoleszenz, ab dem 15., 16. Lebensjahr, kann die Belastung im Krafttraining kontinuierlich gesteigert werden. Nun ist auch der Zeitpunkt für das sportart-spezifische Training gekommen. Selbstverständlich gilt aber auch hier, dass das Mass aller Dinge die Dosis ist!

Strebt ein Kind ein intensives Training an, drängt sich ein sorgfältiger Untersuch auf. Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit, der aktive und der passive Bewegungsapparat werden sportgerechten Tests unterzogen. Dabei geht es nicht darum, ein Kind vom Sport auszuschliessen, sondern die möglichst ungefährliche Ausübung sicherzustellen.

Nach Wirbelsäulen- und Nackenbeschwerden, Funktionsstörungen, Ohnmachten, Hirnerschütterungen und Brüchen ist meistens ein Trainingsunterbruch notwendig. Denn ungenügend ausgeheilte Verletzungen an Muskeln und Skelett erhöhen die Gefahr einer erneuten Verletzung.

Sollte ein Sportwechsel einmal unabdingbar sein, müssen wir den jungen Athleten beibringen, dass der Sport im Leben nicht an erster Stelle stehen sollte. Zahlreiche andere wichtige Ziele warten darauf, entdeckt und erreicht zu werden.

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