Qualstunde Schulstunde
Von Dr. Andreas Messmer
Mancher Gang zum Chiropraktor hat seine Wurzeln irgendwo in der Schulzeit. Häufig suchen die Rückenpatienten den Ursprung ihrer Beschwerden in der Überlastung des Rückens, und dabei vergessen sie die banalste Ursache: das Sitzen. Was wir dem Rücken mit dem Sitzen antun, vergisst er uns nie wieder.
Eine erschreckend grosse Mehrheit der Bevölkerung 80 % ! - leidet an Rückenbeschwerden oder hat schon einmal daran gelitten. Nun zeigen jüngste Studien eindrücklich, dass fast die Hälfte der befragten Jugendlichen über elf Jahren über Rückenbeschwerden klagt.
Das sind alarmierende Zahlen: Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Ursachen, die unsere Kinder in ihrer Freizeitaktivität und in der Schule negativ beeinträchtigen.
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Ideale Schulmöbel
Was gute Schulmöbel bieten müssen:
Stuhl
- Sitzfläche mit Neigungsmöglichkeit von 5 - 10° nach vorne
- Rutschfeste Sitzfläche mit abgerundeter Vorderkante
- Gewölbte Rückenlehne mit Lendenstütze
- Höhenverstellbarkeit
- Fünfarmiger Fuss
Pult
- Verstellbarer Neigungswinkel (bis 16°)
- Rutsch- und reflexfreie Oberfläche von genügender Grösse
- Keine Einschränkung der Beinfreiheit
- Höhenverstellung
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Schulsack statt Mappe
Die Untersuchungen haben auch gezeigt, dass ein Drittel der Jugendlichen, welche in ihrem bisherigen Leben schon einmal Rückenschmerzen hatten, bereits innerhalb einer Stunde und zwei Drittel der Schüler nach mehr als einer Stunde Schulsitzen über Rückenschmerzen klagen.
In diesem Zusammenhang ist auch interessant, aber nicht erstaunlich, dass wesentlich seltener über Rückenschmerzen geklagt wird, wenn die Schulbücher im Schulsack auf dem Rücken und nicht in der Mappe einseitig getragen werden...
Wir müssen handeln
Nun, es wäre sicher falsch, der Schule alleine den «Schwarzen Peter» zuzuschieben. Zu viele Faktoren spielen bei Rückenschmerzen eine wichtige Rolle. So zeigen die Studien eindeutige Zusammenhänge: die Beschwerden treten vorwiegend im zweiten Wachstumsschub auf, und von Bedeutung sind auch Körpergrösse, schwache Bauch- und Rückenmuskulatur sowie Muskelverkürzungen oder etwa ein verstärktes Hohlkreuz.
Wichtig ist zudem das Freizeitverhalten: Kinder, welche mehr als zwei Stunden vor dem Fernseher sitzen oder exzessiv Volley-, Hand- oder Basketball betreiben, leiden unter Überlastung ihres Bewegungsapparates und damit auch deutlich häufiger an Rückenschmerzen.
Kinder sitzen zahllose Stunden in der Schule und vor ihren Hausaufgaben. Dieses bewegungsarme Sitzen führt zur Ermüdung der Muskulatur und damit zu einer gekrümmten Haltung. Folgen sind unter anderem Fehlformen des Rückens.
Wir als Erwachsene, als Eltern, Lehrer, Schulbehörden, Ärzte und Chiropraktoren sind aufgefordert, uns einzusetzen für ergonomisches Schulmobiliar mit anpassungsfähigem Stuhl und Tisch, für ein dynamisches und alternatives Sitzen, zum Beispiel auf dem Sitzball.
Solche Investitionen lohnen sich: gutes Schulmobiliar und vernünftiger Schul- und regelmässiger Schwimmsport sind die günstigsten und einfachsten Mittel gegen die grassierende und folgenschwere Haltungsschwäche bei Kindern und Jugendlichen.
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