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Wenn die Welt dich dreht

Von Dr. Peter Kränzlin

Der Schwindel als Ausdruck eines gestörten Gleichgewichtes kommt in sehr vielen Formen vor und hat ebenso viele Ursachen. Verständlich, dass nicht eine einzelne Therapie bei allen Arten des Schwindels Abhilfe schaffen kann.

Schwindel ist nur ein Symptom für eine Störung des Gleichgewichtssystems: diese Störung stellt hohe diagnostische und therapeutische Ansprüche und verlangt vom Patienten viel Geduld.

Das «Gleichgewichtsorgan», wie es im Volksmund heisst, gibt es nicht. An der Erhaltung des Gleichgewichtes, zum Beispiel beim Gehen, sind verschiedene Organe beteiligt: das Innenohr liefert Informationen zur dreidimensionalen, räumlichen Orientierung, die Augen vermitteln die Eindrücke über die Struktur des Raumes und über bewegte Objekte, und zahlreiche Sensoren in den Gelenken und vor allem in der Wirbelsäule melden die Stellung des Körpers. Das Zentralnervensystem im Hirnstamm koordiniert als Gleichgewichtszentrum alle Informationen mit dem Ablauf aller Bewegungen.

Dieser Mechanismus ist hochempfindlich; widersprüchliche Informationen «erträgt» er nicht. So kann es zum Schwindel schon kommen, wenn man im fahrenden Zug sitzt und die Landschaft betrachtet: die Augen melden ein bewegtes Bild, doch Innenohr und Gelenke vermitteln eine stillstehende Situation.
Alle Teile dieses Informationssystems können in verschiedenen «Kombinationen» er kranken: Druckanstieg der Flüssigkeit im Innenohr oder Durchblutungsstörungen führen zu Schwindelattacken, Sehstörungen - auch bei schlecht angepassten Brillen - erzeugen oder verstärken Schwindel, ebenso tumoröse Veränderungen oder Störungen der Durchblutung im Hirnstamm.

Da die Blutversorgung des Hirnstammes zu einem grossen Teil über Gefässe erfolgt, die durch die Halswirbelsäule in den Schädel gelangen, können Veränderungen an der Halswirbelsäule Gefässverengungen und somit Durchblutungsstörungen erzeugen.
Leichtere Formen von Schwindel werden vom Patienten als diffuse Unsicherheit beim Gehen oder als «sturmer Kopf» empfunden. Diese Art des Schwindels ist selten Ausdruck einer Innenohrstörung. Ausgeprägtere Formen des Schwindels, die ihre Quelle im Innenohr haben, erzeugen ein Drehgefühl oder lassen den Patienten gar stürzen. Oft gehen solche Anfälle einher mit Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen. Im höheren Alter treten Schwindelsymptome häufiger auf, denn alle beteiligten Systeme unterliegen einem Abbau.

Die Wurzeln des Schwindels liegen nur in der Wirbelsäule, wenn deren empfindliche Sensoren nach einer Blockierung von Wirbelgelenken, nach Überlastung, Muskelverhärtung, Unfall oder bei Arthrose gestört sind. Das ist die «klassische» Ausgangslage für chiropraktische Massnahmen zur Behebung von Funktionsstörungen.

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