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Muskeln: immer am Werk

Von Dr. Andreas Messmer

Wie Muskeln arbeiten

Isometrisch: Der Muskel wird ohne sichtbare Verkürzung oder Verlängerung angespannt.

Isoton: Der Muskel wird mit sichtbarer Verkürzung oder Verlängerung angespannt. Das ist bei allen Bewegungen der Fall.

Isoton konzentrisch: Der Muskel verkürzt sich gegen einen Widerstand, zum Beispiel beim Heben einer Last.

Isoton exzentrisch: Der Muskel gibt einer äusseren Kraft langsam nach und wird dabei länger, zum Beispiel beim Bremsen, wenn eine Last abgelegt wird.

Sie leisten ein Leben lang Schwerarbeit, sie sind verantwortlich für die koordinierten Bewegungsabläufe unseres Körpers, sie stützen das Skelett, wirken gegen die Schwerkraft und formen unsere Figur: Muskeln sind immer am Werk.

Muskeln sind die bewegenden Elemente unseres Körpers. Dank ihrer Arbeit können wir sprechen und essen, atmen und somit leben. Unsere ganze Haltung ist von weit mehr als 500 Skelettmuskeln abhängig; die gesamte Muskelmasse macht beachtliche 30 bis 50 % des Körpergewichts aus.

Zusammen mit dem Skelett und den Gelenken bilden die Skelettmuskeln, die «willkürlichen Muskeln», den Bewegungsapparat. Unter dem Mikroskop sind sie an ihrer Querstreifung zu erkennen. Ihre Arbeit besteht aus Halte- und Bewegungsfunktionen: also zum Beispiel greifen und heben. Die nicht mit dem Willen steuerbare Muskulatur wird glatte Muskulatur genannt; ein Beispiel ist die Muskulatur des Darmes.

Gundsätzlich ziehen sich Muskeln unter dem Einfluss von Nervenimpulsen zusammen und entspannen sich nach weiteren Impulsen wieder.

Agonisten sind die Muskeln, die direkte Arbeit leisten, zum Beispiel beim Heben und Greifen. Werden ihre Bewegungen zu heftig, werden sie von den Antagonisten, ihren Gegenspielern und Bremsern, gezügelt. Antagonisten werden zum Beispiel aktiv, wenn Lasten sanft und gebremst, eben nicht heftig, abgestellt werden. Synergisten sind die Helfer, die die Agonisten unterstützen.

Sauerstoff und Milchsäure

Muskeln brauchen Sauerstoff Bei intensiver und längerer Bewegung, wenn der Sauerstoffbedarf höher ist als die Zufuhr, entsteht im Muskel Milchsäure: Bei der Verarbeitung des Nährstoffes Glukose durch Enzyme entsteht Pyruvat als Zwischenprodukt, und zwar entweder langsam durch Verbrennung von Sauerstoff, oder, wenn die Zufuhr ungenügend ist, viel schneller anaerob, also Sauerstoffrei. Dabei entsteht die Milchsäure. Der Gehalt an Milchsäure im Blut gibt also Auskunft über den Konditionszustand.

Regelmässiger Ausdauersport verbessert die Sauerstoffnutzung in der Muskulatur, und die Muskeln müssen nicht schon nach kurzer Belastung auf die sauerstoffreie Energieproduktion umstellen, bei der die müdemachende Milchsäure anfällt

In der Skelettmuskulatur wird eine langsamer arbeitende, dafür ausdauerndere Muskelfaser von einer schnell arbeitenden, weniger ausdauernderen unterschieden. Besonders Sportler nutzen diese Verschiedenartigkeit: während ein Sprinter vor allem seine schnellen Fasern für eine kurzfristige maximale Leistung entwickelt, baut der Langläufer seine langsamen Fasern für eine maximale Ausdauer auf.

Im Muskel herrscht ein stetes Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung der Muskelfaser. Kräftig und funktionstüchtig bleibt die Muskulatur nur, wenn wir sie einsetzen und nutzen. Zwar beginnt die Muskelmasse bereits nach dem dreissigsten Lebensjahr deutlich abzunehmen, doch schon leichtes Training kann dem entgegenwirken. Gut geeignet ist das wenig aufwendige isometrische Training.

Wird der Muskel - zum Beispiel im Gips - ruhiggestellt, verliert er seine Masse überaus schnell, so schnell, dass der Wiederaufbau auch mit intensivstem Training länger dauert als der Abbau. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass der zur Ruhe gezwungene Patient so früh wie möglich wieder mit Kräftigungsübungen beginnt, um den Muskelschwund aufzuhalten.

Nach ungewohnter intensiver Belastung kommt es zu Muskelschmerzen, dem «Muskelkater». Diese Schmerzen sind eine Folge von Mikroverletzungen im Muskelgewebe. Falsch ist jetzt jeder «Jetzt-erst-recht-Versuch», mit erhöhtem Training den Muskelkater loszuwerden. Das Abklingen braucht seine Zeit. Leichte Massage und Wärme lindern die Beschwerden am besten, weil damit die heilende Durchblutung angeregt wird.

Beim Muskelkrampf hingegen ziehen sich die Muskelfasern krampfartig zusammen. Begünstigt wird dieser Vorgang durch einen unausgewogenen Mineralstoffhaushalt. Durch den Krampf wird die Durchblutung des Muskels eingeschränkt, was zu einem weiteren Defizit an Sauerstoff und Energieträgern führt: der Muskel kann sich nicht lösen. Gegen die Verkrampfung helfen langsames Dehnen und - als langfristige Massnahme - regelmässiges Training.


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