Training im Alter
Von Dr. Bruno Gröbli
Was zum Alterungsprozess und schliesslich zum Tod führt, ist nicht ganz geklärt. Die Unfähigkeit des Körpers, durch Abnützung beschädigtes Zellmaterial vollständig und rechtzeitig zu reparieren, Fehler in der Zellteilung, Umwelteinflüsse und genetische Vorprogrammierung sind mögliche Ursachen.
Beschränken wir uns hier auf den Alterungsprozess der Muskeln, der Gelenke und der Knochen. Mit dem Alter nehmen Muskelkraft und Beweglichkeit ab. Die Muskelkraft erreicht um das 25. Lebensjahr das Maximum, das zehn bis 15 Jahre gehalten werden kann. Beim 65jährigen sind noch 75% der ursprünglichen Maximalkraft vorhanden.
Diesem Abbau kann man entgegenwirken. Schon ein achtwöchiges Training kann die Muskelkraft eines 90jährigen deutlich verbessern. Der Nutzen ist gross: Muskelkraft erhöht die Gelenkstabilität und hilft Stürze vermeiden.
Beweglichkeit
Die Beweglichkeit in Kreuz und Hüftgelenk nimmt über die Jahre beträchtlich ab. Leichte Gymnastik erhält die Beweglichkeit oder stellt sie sogar wieder her. Was am besten nützt, weiss Ihr Chiropraktor.
Knochenstruktur
Bis zum 30. Lebensjahr wird Knochenmaterial aufgebaut. Von diesem Zeitpunkt an zehrt man vom Erreichten. Bei den Frauen wird der Abbau durch die Menopause zusätzlich beschleunigt. Das heisst, man tut gut daran, in jungen Jahren mit Bewegung und richtiger Ernährung soviel Knochenmaterial wie möglich aufzubauen. In späteren Jahren gewinnt die ausreichende Zufuhr von kalziumreichen Nahrungsmitteln an Bedeutung - ungefähr 1500 mg pro Tag sollten es sein. Schonende ständige Belastung der Knochen und Gelenke fördert den Um- und Aufbau von Knochenmaterial auch in späteren Jahren. Verlust an Knochenmaterial durch Osteoporose macht die Knochen brüchig und kann zum Beispiel zu einem Schenkelhalsbruch des Oberschenkelknochens führen. Dies zwingt den Patienten ins Bett und als Folge der Immobilisation kann eine Embolie zum Tod führen.
Und das Risiko?
Beim gesunden älteren Menschen besteht kein erhöhtes Risiko, wenn er sich im vernünftigen Mass körperlich betätigt - «Grümpelturniere» müssen es schliesslich nicht sein. Eine ärztliche Untersuchung schafft Klarheit über den Zustand von Herz und Kreislauf; weitere Vorkehrungen sind kaum zu treffen. Der Körper soll so belastet werden, dass man am nächsten Tag eine angenehme Müdigkeit verspürt. Hat man an einem Trainingstag übertrieben, schaltet man eine Erholungsphase ein. Mit Vorteil wählt man eine geeignete gelenkschonende Sportart, zum Beispiel statt Jogging schnelles Gehen («Walking») oder Aquatraining, ein Laufen im Wasser mit spezieller Schwimmweste. Viele Übungen können auch im Sitzen oder Liegen ausgeführt werden. Bedenken sollte man, dass Augenlicht und Gehör mit dem Alter abnehmen und das Gleichgewicht nicht mehr so leicht gehalten werden kann, dass grosse Temperaturunterschiede grösse Wirkung haben und Medikamente Einschränkungen zur Folge haben können.
Training kann beschädigtes oder zerstörtes Gewebe nicht wiederherstellen. Aber es kann vor chronischen Krankheiten des Alters schützen, es optimiert verbliebene Funktionen, verbessert die Lebensqualität, verlängert die Lebenserwartung und verhindert oder verzögert Behinderungen! Für den gesundheitsbewussten alternden Menschen ist Training ein wichtiger Lebensbestandteil.
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