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Rückwärts gehen

Von Dr. Bruno Gröbli

Man kann es manchmal fast nicht glauben: Patienten mit quälenden Kreuz- und Knie schmerzen beim Gehen steigen beschwerdefrei Treppen hoch wenn sie rückwärts gehen!

Diese Beobachtungen haben zur Frage geführt, ob sich das in der Therapie von Knieverletzungen nutzen lässt. Der Erfolg scheint der Neuigkeit - müssig zu fragen, woher sie kommt aus den USA recht zu geben: "backwards walking", Rückwärtsgehen, wird heute als Therapie und Training vor allem in der Rehabilitation der Kniegelenke eingesetzt.

Wie und weshalb funktioniert das Ganze? Beim Gehen werden im Bewegungsablauf bestimmte Muskelgruppen laufend aktiviert und deaktiviert. Bei Beschwerden des Bewegungsapparates können diese Reflex-Abläufe gestört sein. Die Störungen treten jedoch nicht auf, wenn der Patient rückwärts geht. Der Grund dafür ist bis heute noch nicht geklärt, also nimmt man die Tatsache dankbar hin: zahlreiche Patienten haben so trotz Beschwerden eine schonende, schmerzfreie Trainingsform gefunden, mit der sie ihre Herzfrequenz steigern und den Stoffwechsel verbessern.

Die Funktionsweise der Muskeln

Isometrisch: Ohne eine sichtbare Verkürzung oder Verlängerung (also ohne sichtbare Bewegung) wird der Muskel angespannt.

Isoton: Bei allen Bewegungen: der Muskel verkürzt oder verlängert sich sichtbar.

Isoton konzentrisch: Gegen einen Widerstand, etwa beim Heben einer Last, verkürzt sich der Muskel.

Isoton exzentrisch: Der Muskel wird länger, wenn er einer äusseren Kraft langsam nachgibt, wie das beim Ablegen einer Last der Fall ist.

Kehrt man den Bewegungsablauf beim Gehen um, wird beim Abstossen des Fusses der üblicherweise eher schwächere Quadrizepsmuskel, der vordere Oberschenkelmuskel, beansprucht. Bei jedem Schrittbeginn rückwärts wird dieser Muskel je nach Steigung mehr oder weniger stark isometrisch und anschliessend, beim Beschleunigen aus dem Rückwärtsgehen, zusätzlich konzentrisch belastet. Das führt zur Stärkung und damit zur Fähigkeit des Muskels, das Kniegelenk zu stützen.

Das Training findet aus naheliegenden Gründen ausschliesslich auf dem Laufband statt. Das erspart nicht nur unangenehme Karambolagen und ständiges Kopfverdrehen; das Laufband erlaubt auch die freie Wahl der Steigung. Üblich ist ein Winkel von null bis fünf Prozent.

Das Training mit Rückwärtsgehen wird vornehmlich nach Kreuzbandriss-Operationen zum Muskelaufbau eingesetzt. Eine Studie hat aber auch gezeigt, dass das Rückwärtsgehen einen besseren Effekt auf die Steigerung der Herzfrequenz vielleicht des Kitzels wegen, den jeder Gang ins Ungewisse bringt...? - und des Stoffwechsels hat.

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