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Heilung ohne Skalpell und Chemie

Aus Berner Zeitung BZ vom 25. Februar 1998, S. 30
Von Silvia Pfenninger

Wann hilft ein Chiropraktor?

Der Chiropraktor diagnostiziert und behandelt Störungen der Statik (Körperhaltung) und der Dynamik (Bewegungsablauf) des Bewegungsapparates insbesondere der Wirbelsäule sowie Störungen, die durch Fehlbelastungen der Muskeln, Sehnen und Gelenke sowie nach Unfällen und Krankheiten entstanden sind. Beeinträchtigungen der Beweglichkeit und der Nervenfunktion, Verkrampfungen der Muskeln und Schmerzzustände können vom Chiropraktor gelindert oder behoben werden. Auch vom Bewegungsapparat ausgehende Störungen wie Schwindel, Kopfschmerzen oder ausstrahlende Schmerzen in den Beinen sowie Schleudertraumata können in den Bereich des Chiropraktors fallen.

Wie findet man einen Chiropraktor? Es gibt eine Liste der Schweizerischen Chiropraktoren-Gesellschaft (SCG). Sie kann mit einem frankierten und adressierten Couvert bei der SCG, Sulgenauweg 38, 3007 Bern, angefordert werden. sip

Bemerkung von chiropraktik.ch: Sie finden einen Chiropraktor auch, wenn Sie auf unserer Adressenseite eine Abfrage starten.

Mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung leidet an Gelenkbeschwerden und schmerzhaften Muskelverkrampfungen. Die rund 200 in der Schweiz praktizierenden Chiropraktoren haben Hochbetrieb.

Sitzend beginnen beinahe alle Tagesabläufe: Beim Frühstück im Auto oder im Zug auf dem Weg zur Arbeit. Dort sitzt man weiter bis am Abend und fährt sitzend wieder heim. Das Abendessen wird sitzend eingenommen, und zur Erholung wird vor dem Fernseher gesessen. Kein Wunder, dass 50 Prozent der Schweizer und Schweizerinnen Probleme mit der Wirbelsäule haben und die Chiropraktik einen Aufschwung erlebt.

Zurzeit gibt es in der Schweiz rund 200 praktizierende Chiropraktoren. Chiropraktor ist ein wissenschaftlich anerkannter Heilberuf und nimmt als selbständige Disziplin eine Stellung zwischen Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie und innere Medizin ein. Fälschlicherweise wird der Chiropraktor von Laien noch allzu häufig im esoterischen Bereich bei den Naturheilern angesiedelt. Doch der Chiropraktor ist ein Spezialist, der sich durch ein Studium auszeichnet, das ebensolang dauert wie das eines Allgemeinmediziners (siehe Kasten).


Nicht verwechseln

Als Chiropraktor darf sich in der Schweiz nur bezeichnen, wer ein entsprechendes Diplom vorzuweisen hat. Der anerkannte Ausbildungsweg verlangt: Eidgenössische Maturität, 1. medizinisches Propaedeutikum an einer Schweizer Uni, zehn Semester Chiropraktik-Studium an . einem von der Schweiz anerkannten College in den USA oder Kanada und zwei Jahre Assistenz in der Schweiz. Erst eine klinische Abschlussprüfung mit interkantonalem Diplom befähigt zur selbständigen Ausübung der Chiropraktik. Der ausgebildete Chiropraktor oder Doctor of Chiropractic ist ein Spezialist, der wie jeder Arzt auch ohne Überweisung selbständig behandelt und von den Unfallversicherungen und Krankenkassen anerkannt ist. Nicht zu verwechseln sind Chiropraktor und Chiropraktiker.

Als Chiropraktiker werden Heilpraktiker und gewisse Masseure bezeichnet, die oft mit primitiven chiropraktischen Griffen arbeiten und besonders mit Griffen an der Halswirbelsäule schwere Schäden anrichten können. Auch Allgemeinmediziner können mit «Chiropraktiker-Griffen» Schäden anrichten. sip

Anmerkung von chiropraktik.ch: Lesen Sie dazu auch das Thema des Monates Dezember und Januar

Diagnose schnell erstellt

Bei Schmerzen im Bewegungsapparat kann ein Patient direkt einen Chiropraktor aufsuchen und sich von diesem eine Diagnose stellen lassen. Die Krankengeschichte, die Haltung des Patienten und sein Bewegungsablauf sind aufschlussreich genug. Spezialität des Chiropraktors ist die sogenannte Palpitation, das Abtasten der Wirbelsäule, des Beckens und der oberflächlichen Gelenke mit Hilfe der Finger sowie deren Funktionsprüfung. Die Treffsicherheit, mit der ein Chiropraktor die problematische Stelle auf Anhieb aufspürt, erstaunt den Laien. Bei weniger eindeutigen Fällen dienen Röntgen- und Laboruntersuchungen, um die Diagnose zu erhärten. Knochenbrüche oder Tumore, welche die Chiropraktik nicht behandelt, werden ausgeschlossen, bevor die Behandlung beginnt. Die Behandlung besteht im wesentlichen aus einer spezifischen, mit einem minimalen Kraftaufwand ausgeführten manuellen Einwirkung auf ein Gelenk, das in seiner Funktion gestört ist. Dabei wird das blockierte Gelenk über seine normale Beweglichkeit bewegt, ohne dass Kapsel, Bänder oder Weichteile verletzt oder beeinträchtigt werden. Ziel ist, die Gelenkfunktion sofort wiederherzustellen. Manchmal stellt sich diese aber auch erst später ein. Die rasche, mit einem genau dosierten Impuls ausgeführte Bewegung ist oft mit einem hörbaren Knacken verbunden, in der Regel jedoch schmerzfrei.

Tips für die Gymnastik

Kann Gymnastik Verspannungen und Rückenschmerzen heilen?

Genau so wenig wie es das Rückenleiden gibt, gibt es das Turnprogramm, das in jedem Fall nützt. Bei ernsthaften Problemen verzichtet man lieber aufs Turnen in Gruppen und lässt sich von einem Spezialisten ein persönliches Übungsprogramm zusammenstellen.

Generell sind folgende Tips zu beachten.

  • Es kommen nur Übungen in Frage, die schmerzfrei ausgeführt werden können.
  • Täglich zehn Minuten gezieltes Bewegen bringt bessere Resultate, als einmal pro Woche eine Stunde lang Gymnastik betreiben.
  • Vor den Übungen immer kurz aufwärmen, zum Beispiel zwei Minuten an Ort locker laufen.
  • Etwas mit Gewalt zu erzwingen schadet mehr, als es nützt.
  • Die Übungen sollten kontrolliert, langsam und fliessend und auf keinen Fall ruckartig ausgeführt werden.
  • Schwimmen gilt als ideale Sportart, allerdings nur bei einem Stil, der den Nacken entlaste wie etwa Rückenschwimmen, Kraulen oder wechselndes Seitenschwimmen.
sip

Da die Behandlung oft erfolgreich ist, setzt sich die Chiropraktik immer mehr als Alternative zu Skalpell und Medikament durch. Auch werden die Patienten ermuntert, vermehrt auf die Ansprüche ihres Bewegungsapparates zu achten und ihre Lebensweise dementsprechend zu ändern. Allerdings: Sport und Bewegung im Übermass können ebenso schädlich sein wie endloses Sitzen.


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