Was ist Chiropraktik?
Aus Fitness-Tibune 1/1998, S. 106/107
Von Schweizerische Chiropraktoren-Gesellschaft SCG / Sulgenauweg 38 / 3007 Bern
Die Chiropraktik ist eine anerkannte Disziplin der medizinischen Heilkunde. Sie befasst sich mit heilbaren funktionellen Störungen des menschlichen Bewegungsapparates, insbesondere der Wirbelsäule, des Nervensystems, der Muskeln, Sehnen und Gelenke.
Der Chiropraktor behandelt Probleme der Statik (Körperhaltung) und der Dynamik (Bewegungsablauf). Patienten nehmen seine Dienste nach Unfällen, nach kurzen oder dauerhaften Fehlbelastungen der Muskeln, der Wirbelsäule und anderer Gelenke in Anspruch.
Gelindert oder behoben werden vom Chiropraktor Beeinträchtigungen der Beweglichkeit, Verkrampfungen der Muskeln und Schmerzzustände sowie Störungen, die davon ausgehen: Schwindel, Kopfschmerzen, ausstrahlende Schmerzen in den Beinen und Pseudo-Herzbeschwerden. Auch gewisse Arten von Diskushernien und die Folgen von Schleudertraumata liegen in seinem Behandlungsbereich. In bestimmten Fällen können durch neurophysiologische Reflexe Herz-, Verdauungs-, Atmungs- und Kreislauffunktionen günstig beeinflusst werden.
Als selbständige Disziplin nimmt die Chiropraktik die wichtige Stellung zwischen Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie und innerer Medizin ein. In unserem Gesundheitswesen hat die Chiropraktik die bedeutende Aufgabe übernommen, Patienten auf natürlichem Wege, ohne Chirurgie und in der Regel ohne Medikamente zu helfen.
Die Diagnose nimmt der Chiropraktor mit orthopädischen und neurologischen Untersuchungen auf, in erster Linie aber mit der sogenannten Palpation, dem Abtasten der Wirbelsäule, des Beckens und der peripheren Gelenke mit Hilfe der Finger sowie Funktionsprüfungen.
Röntgen- und Laboruntersuchungen unterstützen seine Diagnose und schliessen zum Beispiel Knochenbrüche oder Tumore aus, die von der Chiropraktik nicht behandelt werden.
Die chiropraktische Behandlung besteht im wesentlichen aus einer manuellen Einwirkung auf ein Gelenk, das in seiner Funktion gestört ist. Dabei wird das blockierte Gelenk über seine normale Beweglichkeit bewegt, ohne dass Kapsel, Bänder oder Weichteile beeinträchtigt werden. So kann die Gelenkfunktion - die schmerzfreie Beweglichkeit - sofort oder mit einer gewissen Verzögerung wiederhergestellt werden. Die rasche, mit einem genau dosierten minimalen Impuls ausgeführte Bewegung ist oft mit einem hörbaren, jedoch schmerzfreien Knacken verbunden.
Die Tätigkeit des Chiropraktors ruht auf den vier Säulen Diagnose, Behandlung, Beratung und Betreuung. Das geht über eine übliche Behandlung in einer Praxis hinaus und schliesst eine intensive Beratung des Patienten ein: heute wollen Patienten wissen, wie sie ihrem Bewegungsapparate besser gerecht werden, wie sie sich besser bewegen, wie sie besser sitzen, liegen, Sport treiben.
Chiropraktik wird in der Schweiz nicht gelehrt; der zukünftige Chiropraktor studiert an einer vom schweizerischen Bundesrat anerkannten chiropraktischen Hochschule in den USA oder in Kanada. Voraussetzung für das zehn bis zwölfsemestrige Studium ist ein abgeschlossenes Vorstudium in der Schweiz, das erste medizinische Propädeutikum. Nach dem Studium folgen eine klinische Assistenzzeit in der Schweiz und das interkantonale Staatsexamen.
Der Chiropraktor behandelt seine Patienten nach eigener Diagnose und auf eigene Verantwortung, und das Gesetz anerkennt den Chiropraktor, den Dr. der Chiropraktik, als selbständigen Vertreter der Heilkunde. Seine Leistungen werden von den Grundversicherungen der Krankenkassen, den Privatversicherungen, der SUVA und der Militärversicherung ohne Uberweisung durch eine andere Medizinalperson, zum Beispiel den Hausarzt, übernommen.
Informationen:
Schweizerische Chiropraktoren-Gesellschaft SCG
Sulgenauweg 38
3007 Bern.
Fragen an den Chiropraktor:
Ich - 35 männlich - treibe seit etwa einem halben Jahr regelmässig, also zwei- bis dreimal pro Woche Krafttraining. Trotzdem habe ich bei einer einfachen Kreuzhebeübung schon zweimal einen schmerzhaften Hexenschuss erlitten. Was mache ich falsch?
Beim Hexenschuss- Lumbago - liegt die Quelle der Beschwerden in einer gezerrten Muskulatur, einem blockierten Wirbelgelenk, einer beschädigten Bandscheibe oder in Kombinationen davon.
Stellen Sie sich vor, welche Kräfte auf Ihre Wirbelsäule einwirken, wenn Sie nach vorne gebückt eine Harasse mit zwölf Flaschen aus dem Kofferraum heben: Es sind mehrere hundert Kilogramm Druck auf die Bandscheiben in der unteren Lendenwirbelsäule!
Grundsätzlich ist Krafttraining eine gute Voraussetzung, um dem Schuss der Hexe auszuweichen. Wichtig ist aber auch, dass Sie Ihr korrektes Verhalten aus dem Krafttraining in den Alltag übertragen!
Lasten heben Sie mit den Beinen und nie mit dem Rücken. Also: in die Knie, Last an Ihren Körper und damit wieder aufrichten!
Wenn immer möglich, verteilen Sie die Last auf mehrere Gänge und - wenn Sie sie nicht nahe am und vor dem Körpertragen können - immer auf beide Seiten.
Vermeiden Sie schnelle Drehbewegungen: drehen Sie sich mit den Füssen und nicht mit dem Oberkörper!
Denken Sie daran:
Zuerst ermüden die Muskeln, dann werden die Lasten von Bändern, Bandscheiben und Gelenken «getragen» - das kann zu Schäden führen.
Dr. Bruno Gröbli, St. Gallen, und Dr. Andreas Messer, Wil, Chiropraktoren
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