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Frage :

Sehr geehrte Damen und Herren,
Mein Mann liegt seit 6 Wochen mit starken Schmerzen.Beim Röntgen sowie Schichtaufnahmen ist festgestellt worden, dass Wirbel 4 und 5 die Bandscheibe auf den Nerv drückt Der Schmerz strahlt bis ins linke Bein, das zeitweise Taubheitserscheinungen hat.Wenn sich nicht bald etwas tut, muss wohl operiert werden. Hat es Sinn, hier einen Chiropraktiker zu konsultieren? Hauptproblem damit, wir leben in Kairo, Aegypten.Haben Sie irgendeine Adresse, an die wir uns hier wenden könnten? Uns ist hier kein Chiropraktiker bekannt. Auch für jeden anderen Ratschlag wären wir dankbar.
Mit freundlichen Grüssen


Enthaftungserklärung

Die nachfolgende Antwort wurde nach bestem Wissen und Gewissen entsprechend den in der Frage gemachten Angaben beantwortet. Da eine umfassende Untersuchung nicht gemacht werden konnte, kann die Antwort nicht als Ersatz für einen Besuch bei Ihrem/Ihrer Chiropraktor(in) oder einer anderen fachkompetenten Medizinalperson dienen. Chiropraktik.ch wie auch der/die Sponsor(en) lehnen deshalb jegliche Haftung für unmittelbare sowie mittelbare Schäden und immaterielle Unbill, die aus der Befolgung der Ratschläge entstehen, ab. Falls Sie Schmerzen oder Beschwerden haben, kontaktieren Sie in jedem Fall Ihren/Ihre Chiropraktor(in) oder eine andere fachkompetente Medizinalperson.

Antwort:

Besten Dank für Ihre Anfrage. Aus Ihren spärlichen Angaben darf ich schliessen, dass Ihr Ehemann zwar seit sechs Wochen wegen einem entzündeten Beinnerven liegen muss, jedoch nicht an einem paretischen ( Parese=Lähmung) Ischias leidet. Dies ist an sich eine positive Tatsache. Solange nämlich keine Lähmung der Bein - bzw. Fussmuskulatur auftritt, solange besteht auch keine absolute Indikation für eine Bandscheibenoperation ! Sie können übrigens selber die Kraft der Fussmuskulatur bei Ihrem Mann prüfen. Dazu legen sie Ihre Hände auf die Fussrücken Ihres Mannes und bitten ihn seine Zehen gegen Ihren Widerstand zu seinem Kopf hochzuziehen. Der Kraftwiderstand beider Füsse sollte etwa gleich gross sein. Dies ist der Test für die Fusshebermuskulatur. Dann legen Sie die Hände auf die Fussohlen und bitten Ihren Mann seine Zehen bzw. Füsse nach unten bzw. gegen Sie zu stossen. Dies ist der Test für die Fussbeugermuskulatur.

Die Kraft kann übrigens auch im Stehen geprüft werden. Dazu soll der Mann einmal für wenige Schritte auf den Zehenspitzen und dann auf den Fersen gehen. Gelingt ihm dies einigermassen, dann ist die Kraft normal. Sinkt er mit einem Fuss ein bzw. kann er mit einem Fuss nicht auf den Zehen stehen, dann hat er einen neurologischen Ausfall. Dies würde bedeuten, dass gewisse Kraftfasern eines oder mehreren Beinnervens beim Austritt aus dem Wirbelloch zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel stark geschädigt sind. Eine Operation wäre dann nach meiner Statistik zu 60% wahrscheinlich und notwendig. Sensible Störungen, oder wie von Ihnen beschrieben Taubheitsstörungen, gehören zu den ersten Zeichen eines entzündeten Beinnervens. Sie sprechen meistes auf entzündungshemmende Medikamente sehr gut an. Kältepackungen eignen sich für den Akutfall sehr gut. Hier gilt jedoch die Regel, dass nicht länger, sondern häufiger besser ist. Bsp. legen Sie eine in ein Handtuch eingewickelte Kältepackung ca. 15 Minuten auf die Höhe des akuten Geschehens (also zwischen den vierten und fünften Lendenwirbel) Dann wiederholen Sie diese Anwendung jede zweite Stunde. Weiter ist die richtige Lagerung von grosser Bedeutung. Die meisten Menschen erhalten ein wenig Erleichterung in der Stufenlagerung. Dazu bringen Sie einen hohen Würfel, einen Hocker oder mehrere Kissen so ins Bett, dass Ihr Mann mit in den Knien angewinkelten Beinen seine Waden darauf legen kann. Bei einigen Leuten ist die Stufenlagerung ungeeignet. Hier empfiehlt sich entweder die Seitenlagerung, oder das Liegen auf dem Rücken mit einem kleinen gerollten Tuch im Kreuz.

Eine der wichtigsten neueren Erkenntnisse ist die, dass das lange Liegen nicht unbedingt von Vorteil ist. Dies hängt mit dem Bandscheibeninnendruck zusammen, der mit zunehmender Liegedauer ansteigt und damit zu einem weiteren Verdrängen der entzündeten Nervenwurzel führt. Mit Vorteil solte Ihr Mann also das Bett verlassen und zwar in folgendem Rythmus: 20 Minuten Liegen , dann 5 Minuten Gehen und das ganze so oft wie möglich wiederholen. Damit sollte der Lebenskomfort etwas ansteigen. Beim Gehen können auch Gehstöcke gebraucht werden. Ist der computertomographisch nachgewiesene Schaden zu gross, dann muss operiert werden. Die Befundung einer radiologischen Schichtaufnahme ist aber nicht immer einfach und die entsprechende Interpretation ebenfalls. Allein die Tatsache, dass bei Ihrem Mann mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Diskushernie vorliegt, ist noch kein Grund zur Panik und zur Operation. Erstens kann man mit vielen Arten von Diskushernien leben (lernen) und zweitens weiss man heute, dass sich gewisse Bandscheibenhernien nach einigen Jahren auflösen bzw heilen können. Und endlich operiert ein gewissenhafter Chirurge nie ein Röntgenbild ! Das heisst eine radiologisch nachgewiesene Diskushernie ist nur ein Teil einer Diagnose. Viel wichtiger ist der klinische Befund.Sechs Wochen Therapie bzw. Liegen mögen auf den ersten Blick lang erscheinen. Heute operiert man jedoch erst nach drei Monaten und nicht bevor alle therapeutischen Massnahmen ausgeschöpft sind. Dazu gehört auch die epidurale Anästhesie, welche vor allem bei einer starken Schonhaltung der Lendenwirbelsäule als Schmerzblockade etwas bringen kann. Wichtig ist auch die positive "Visualisation". Jeder Schmerzpatient neigt dazu den Ort des Scherzens, in diesem Fall das Bein, als negativ zu betrachten. Gelingt es jedoch dieses Schmerzereignis auch als etwas Positives zu "sehen", dann tritt oft auch schneller eine Heilungen ein. Die Selbstheilkräfte im Menschen sind nämlich ganz erstaunlich gross. Neuste Erkenntnisse haben gezeigt, dass bsp. der Glauben an ein Scheinmedikament sogar das Blutbild des Menschen verändern kann. Chiropraktische Behandlungen - fachlich kompetent angewandt - sind vielleicht die beste Therapie. Sie können zwar auch nicht jeden Ischiaspatienten langfristig heilen. Sie sind aber sicher auch hier ein Versuch wert.
Ich werde mich noch in den nächsten Tagen etwas umhören, ob sich ein Chiropraktor in Ihrer Nähe befindet. Weiter bin ich gerne bereit die CT- Bilder Ihres Mannes anzuschauen Sie könnten mir diese Air-Mail senden und ich würde Sie Ihnen mit meinem Befund und Meinung wieder retournieren. Dazu müssen Sie mir aber meine Portospesen zum voraus vergüten.Für weitere Information zum Thema können Sie unseren Suchengine benützen. Sie brauchen nur ein Suchwort einzugeben und schon erhalten Sie die entsprechenden Informationen.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Max Widmer, Chiropraktor



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