Frage :
Problem: akute Beschwerden in der BWS und HWS! Zu meiner Person: Ich bin männlich, 31 Jahre alt, 80 kg schwer und ca. 180cm gro. Beruflich bin ich als Elektroniker tätig (sitzende und stehende Tätigkeiten im Wechsel). Sportliche Tätigkeit: 3mal wöchentlich Fitnessstudio(seit ca. 1 Jahr nicht mehr, bedingt durch die Rückenprobleme).
Problem:
- 1. manchmal Schmerzen im Hüftgelenk rechts verbunden mit leiten Knackgeräuschen.
- 2.akute Beschwerden in der BWS, genau zwischen den Schulterblättern. Die Schmerzen werden stärker, wenn ich die Schultern nach hinten drücke oder den Rumpf drehe (Schmerz mittig und rechts).
- 3.Schmerzen in der HWS. Die Schmerzen verstärken sich, wenn ich den Kopf nach vorne oder hinten neige oder auch bei stärkerer Drehung. Oft Spannungskopfschmerz und bei Kopfdrehen Schwindelgefühle. Auerdem relativ starkes Knacken der HWS-Gelenke bei Kopfdrehen.
- 4.Verspannungen im ganzen Rücken, besonders rechts. Wenn ich morgens aufwache fühle ich mich total verspannt und mein Nacken schmerzt (trotz Spezialkissen).
Die Probleme begannen vor ca. 3Jahren. Ich durchlief mehrere Arztpraxen, jedoch ohne Erfolg und genaue Diagnose. Mehrmals hatte ich Krankengymnastik, aber das verschlimmerte die Schmerzen nur.
Irgendwann landete ich bei einem Chiropraktiker. Seine Diagnose:Beckenschiefstand durch falsche Auflagefläche des Fues(Hohlfu nach innen abgeknickt). Dadurch permanente Blockierungen in der BWS und HWS. Auerdem Hohlkreuz, Rundrücken sowie verkürzte Brustmuskulatur. Ich bekam Einlagen für die Schue und eine Korrektur der Körperstatik wurde vorgenommen. Zur Zeit bin ich immer noch in Behandlung. Auer dieser manuellen Therapie Massagen und Wärmeanwendungen (ist aber nur kurzfristig angenehm, danach eher stärkere Beschwerden). Therapie dauerd jetzt ca.3 Monate und ich spüre noch keine Besserung. Welche Diagnose können Sie stellen und was können Sie mir raten, wie ich dieses Problem endlich in den Griff bekomme.
Im voraus vielen Dank.
Enthaftungserklärung
Die nachfolgende Antwort wurde nach bestem Wissen und Gewissen entsprechend den in der Frage gemachten Angaben beantwortet. Da eine umfassende Untersuchung nicht gemacht werden konnte, kann die Antwort nicht als Ersatz für einen Besuch bei Ihrem/Ihrer Chiropraktor(in) oder einer anderen fachkompetenten Medizinalperson dienen. Chiropraktik.ch wie auch der/die Sponsor(en) lehnen deshalb jegliche Haftung für unmittelbare sowie mittelbare Schäden und immaterielle Unbill, die aus der Befolgung der Ratschläge entstehen, ab. Falls Sie Schmerzen oder Beschwerden haben, kontaktieren Sie in jedem Fall Ihren/Ihre Chiropraktor(in) oder eine andere fachkompetente Medizinalperson.
Antwort:
Ihre sehr genaue Beschreibung der Beschwerden hat mir die Diagnose erleichtert, wozu ich Ihnen danken möchte. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit leiden Sie an den Folgen einer konstitutionellen ligamentären Lockerung der grossen und kleinen Gelenke des Bewegungsapparates. Ihre Bänder, welche Ihre Gelenke überbrücken und zusammenhalten, weisen also eine genetisch bedingte Überdehnbarkeit auf, was wiederum zu einer Gelenklockerung führt.
- Zu Ihrem Problem Nr.1: (manchmal Schmerzen im Hüftgelenk rechts verbunden mit Knackgeräuschen)
Lesen Sie dazu das Thema des Monats Juni 1997 "Pseudoischias" Es handelt sich hier um eine Reizung eines Schleimbeutels ( Bursitis trochanterica). Hier gleitet die Sehne des seitlichen Oberschenkelmuskels (M.iliotibialis) beim Gehen unruhig über den grossen Rollhügel (Trochanter major). Grund dazu kann bei Ihnen ein kurzes Bein sei (welches Sie durch eine Schuherhöhung ausgleichen sollten) oder auch ein instabiles Sprunggelenk (welches Sie durch eine Schuhinnenranderhöhung bzw. Schuheinlage korrigieren sollten). Das "Hüftschnappen" kann einerseits durch diesen Vorgang oder andrerseits durch eine Fehlstellung des Oberschenkelkopfes in der Beckenpfanne bedingt sein. Grundsätzlich ist das Geräusch harmlos. Es empfiehlt sich jedoch die Hüfte funktionell etwas zu schonen um der Natur Gelegenheit zur Erholung und Selbstheilung zu geben.
- Zu Ihrem Problem Nr. 2: (akute Beschwerden in der BWS, genau zwischen den Schulterblättern. Die Schmerzen werden stärker, wenn ich die Schultern nach hinten drücke oder den Rumpf drehe )
Hier handelt es sich um eine anatomische Besonderheit, welche ich vor 20 Jahren entdeckt habe. Normalerweise macht die Brustwirbelsäule eine Krümmung nach vorne (Kyphose). Bei überbeweglichen Menschen sieht man jedoch meistens keine Krümmung nach vorne, sondern eine Streckhaltung der Brustwirbelsäule. Wenn Sie auf dem Bauch liegen, kann dies durch eine Drittperson sehr schön gesehen werden. (Siehe Bild) Wenn Sie nun lange sitzen, die Schulter nach hinten drücken oder sogar eine Liegestütze machen, dann führt dies zu einem funktionellen Stress bzw. Schmerzsensoren in den Wirbelbogengelenken der Brustwirbelsäule werden aktiviert. PS: Diese Streckhaltung der Brustwirbelsäule bzw. "Delle" habe ich vor 20 Jahren als "Widmersche Delle" bezeichnet, was bei meinen Assistenten immer ein wohlwollendes Lächeln auslöste.
- Zu Ihrem Problem Nr. 3: (Schmerzen in der Halswirbelsäule. Die Schmerzen verstärken sich, wenn ich den Kopf nach vorne oder hinten neige oder auch bei stärkerer Drehung. Oft Spannungskopfschmerz und bei Kopfdrehen Schwindelgefühle. Asserdem relativ starkes Knacken der Halswirbelsäule (HWS) -Gelenke bei Kopfdrehen)
Lesen Sie dazu das Thema des Monats "Wer rastet - der rostet?" Das starke Knacken in der Halswirbelsäule ist auf die "Überdehnung der Halswirbelgelenke zurückzuführen. Das Schwindelgefühl wird durch das Kopfkreisen ausgelöst bzw. durch eine entsprechende Kopfstellung
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- Zu Ihrem Problem Nr. 4: (Verspannungen im ganzen Rücken, besonders rechts. Wenn ich morgens aufwache, fühle ich mich total verspannt und mein Nacken schmerzt (trotz Spezialkissen)
Sehr wahrscheinlich sind Sie rechtshändig und deshalb wird auch ihr rechtes äusseres Schlüsselbeingelenk mehr beansprucht. Kaufen Sie sich eine Matratze, welche diesem Umstand Rechnung trägt, so dass Sie bei der Seitenlagerung rechts mehr entlastet werden. Testen Sie einmal eine "Tempurmatratze" oder eine Matratze mit gleicher Eigenschaft. Kaufen Sie sich ein Hirsekissen und achten Sie auf einen starken Füllungszustand. Damit kann sich Ihre Halswirbelsäule in der Nacht am besten entlasten. Die sogenannten Spezialkissen sind zu teuer und sind für Sie ungenügend.
Zusätzliche Tips zu weiteren Vorgehen:
Machen Sie einen grossen Bogen um jede weitere Therapie. Da Sie bereits ausreichend bzw. übermässig mobil sind, bringt Ihnen auch ein Besuch eines Fitnessstudios wenig oder kann sogar schaden. Dieser Tip wird für Sie wohl der am schwierigsten zu befolgende Rat sein. Er ist aber für eine längere Beschwerdefreiheit von entscheidender Bedeutung.
Für Sie eignet sich vor allem etwas Jogging mit gut stützenden Sportschuhen, seitliches Schwimmen oder Gehen im warmen Wasser, Baden in Heublumen in der Badewanne. Gut instruierte isometrische Gymnastik kann von Vorteil sein. Ein Krafttraining an Kraftmaschinen ist wegen der Überbelastung der Sehnenansätze in der Knochenhaut zu unterlassen. Sollten Sie trotz all diesen Massnahmen in sechs Monaten wieder einmal etwas Schmerzen zwischen den Schulterblätter verspüren, dann können sich durch einen Chiropraktor des "Verbandes Graduierter Chiropraktoren Deutschlands e.V." vorsichtig für ein bis dreimal behandeln lassen.
Lassen Sie sich auf keinen Fall von einem sogenannten "Chirotherapeuten" oder einem Chiropraktor behandeln, der nicht dem Verband graduierter Chiropraktoren Deutschlands angehört. Leider ist die berufliche Qualifikation nicht so gesetzlich geregelt, wie in der Schweiz. In Deutschland kann bsp. ein Heilpraktiker Chiropraktik oder Ärzte "Chirotherapie" nach einem Wochenendkurs betreiben" !
Anmerkung: Lesen Sie zu Ihrem Problem auch das Thema des Monats September, welches demnächst fertig erstellt sein wird.
Mit freundlichem Gruss und lassen Sie gelegentlich wieder von Ihnen hören.
Dr. Max Widmer, Chiropraktor