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Frage :

Hallo,
mittlerweile habe ich bereits seit über 10 Jahren Rückenprobleme. In der Zeit habe ich zahlreiche Orthopaeden aufgesucht und ebenso zahlreiche Diagnosen erfahren. Aus all diesen Diagnosen hat sich folgendes ergeben:
Ich habe wohl in meiner Jugend eine Scheuermannsche Krankheit im unteren Rückenbereich (LWS) gehabt. Vermutlich als Folge davon sind zwischen den letzten zwei oder drei Wirbeln keine Bandscheiben mehr vorhanden (oder ausser Funktion).
Dazu kommt eine Beinlaengendifferenz (ca. 1,4cm) und eine Körpergrösse von 1,96cm bei ca. 100kg (es liegt also auch ein Beckenschiefstand vor).
Bei mir tritt ein bis zwei mal im Jahr ein starker Muskelkrampf im (ausgleichenden) Rückenmuskel (und eine Verrenkung) verbunden mit starken Schmerzen auf. Im akuten Fall bin ich dann auch blockiert und laufe wie ein Fragezeichen. Einzige wirksame Hilfe auch bei mir: Schuheinlagen. Nur, sobald ich diese einmal vergesse, habe ich wieder das Problem.
Ich habe einmal einen der (seltenen) Chiropraktikern hier befragt und der meinte, er könne mir mit einer speziellen Therapie helfen, so dass ich auch ohne Einlagen auf Dauer auskomme. Ist dies möglich? Leider unterstützen unsere Krankenkassen diese Massnahmen nicht. Haben Sie einen Rat für mich oder kennen Sie Adressen von möglichen Experten im K. Raum?
Danke für die Mühe,


Enthaftungserklärung

Die nachfolgende Antwort wurde nach bestem Wissen und Gewissen entsprechend den in der Frage gemachten Angaben beantwortet. Da eine umfassende Untersuchung nicht gemacht werden konnte, kann die Antwort nicht als Ersatz für einen Besuch bei Ihrem/Ihrer Chiropraktor(in) oder einer anderen fachkompetenten Medizinalperson dienen. Chiropraktik.ch wie auch der/die Sponsor(en) lehnen deshalb jegliche Haftung für unmittelbare sowie mittelbare Schäden und immaterielle Unbill, die aus der Befolgung der Ratschläge entstehen, ab. Falls Sie Schmerzen oder Beschwerden haben, kontaktieren Sie in jedem Fall Ihren/Ihre Chiropraktor(in) oder eine andere fachkompetente Medizinalperson.


Antwort:

Es verwundert mich nicht, dass Sie bis heute verschiedene Diagnosen und Therapievorschläge für Ihr Problem gehört haben. Dies ist nicht nur bei Ihnen der Fall, sondern trifft auch bei vielen anderen Leuten zu. Der Grund liegt unter anderem darin, dass es sehr viel klinische und persönliche Erfahrung braucht einen Menschen in seiner "Gesamtheit " erfassen zu können. Darunter verstehe ich das äussere und innere Erscheinungsbild, den Körper und die Seele. Zum andern werden die meisten Patientinnen und Patienten noch immer am Ort Ihres Schmerzens untersucht. Dies scheint zwar logisch zu sein. Trotzdem ist dies falsch, weil jede Störung an einem anderen Ort im Körper wieder eine Störung hervorruft und der menschliche Körper durch ein Netzwerk von vielen kleinen und grossen Schaltkreisen gesteuert wird. Wenn wir Sie als Beispiel nehmen und einmal das Problem der Schuheinlagen näher betrachten, so sehen wir, dass es nicht so einfach ist, wie viele Menschen denken. So stimmt die Gleichung, 14mm kurzes Bein rechts =14mm Schuherhöhung rechts, fast nie. Gründe dazu gibt es viele. So ist es oft vorteilhaft nur eine Teilerhöhung zu machen. Oder es kann bei einem Beinlängenunterschied Siehen 14mm noch eine Wirbelsäulenkrümmung der Lendenwirbelsäule vorhanden sein (s. Bild), die durch eine vollen Beinlängenausgleich noch "krümmer" würde. Einen Beinlängenunterschied richtig ausgleichen zu können ist eine Kunst und wird nur von wenigen Fachleuten beherrscht. Die Chiropraktoren, welche in den USA oder Kanada ausgebildet sind, haben darin am meisten Erfahrung. Es waren ca. 1940 auch die Chiropraktoren, welche in Europa auf die Wirbelsäule " als Krankheitsfaktor" hingewiesen haben und auf die klinische Bedeutung eines kurzen Beines hingewiesen haben. Heute verunsichern Laienmanipulatoren bis hin zu einigen orthopädischen Schuhmacher Menschen mit einem kurzen Bein und geben diesen tausend guitgemeinte Ratschläge. Tatsache ist, dass ein kurzes Bein "normal" ist und dass ein solches nur unter bestimmten Umständen mit einer Schuherhöhung versorgt werden sollte. Was das Tragen von Schuheinlagen betrifft, so ist dies bei den meisten Leuten zu empfehlen. Wobei jedoch die Art der Schuheinlagen entscheidend ist. Falls beispielsweise die Schuheinlagen zu hart sind, können Ihre Füsse nicht richtig von der Ferse über den Mittelfuss nach vorne abrollen. Und falls die Schuheinlagen den Fuss Richtung Innenseite der Füsse nicht genug stützen, dann führt dieser Vorgang (Pronation)zu einem Einknicken der Füsse und damit zu einem Stabilitätsproblem des ganzen Bewegungsapparates. In Ihrer kurzen Krankengeschichte erwähnen Sie die Scheuermannsche Krankheit. Diese Krankheit ist nach dem Wachstum abgeschlossen, so dass man als Erwachsener nur erwähnen kann, dass man einen "Scheuermann" gehabt hat. Früher diente diese Diagnose ( die meistens auch noch falsch war !) zu einer Verlegenheitsdiagnose. Sie wurde so viel gebraucht, dass derjenige, der keinen Scheuermann hatte, sich fast krank fühlen musste! Deswegen wurden in der Schweiz früher auch viele junge und gesunde Männer vom Militärdienst befreit, was vor allem einige Militärunwillige sehr freute.
Fazit: In Ihrem Falle würde ich sicher qualitativ hochwertige Schuheinlagen tragen. Dann würde ich vermehrt sehr sanft Dehnungsübungen machen, heiss Duschen und im warmen Schwimmbad das Crawl-Schwimmen üben. Ich selber würde bei Ihnen noch einen Versuch mit einem speziellen Laufband durchführen und manipulativ gezielt gewisse Blockierungen der Wirbelsäule lösen.
Was die Qualität der Chiropraktorinnen und Chiropraktoren in Deutschland betrifft, so habe ich darüber schon an anderen Orten einiges gesagt. So unter anderem auch bei einigen Fragen/Antworten. Nur so viel: Leider ist in Deutschland der Chiropraktor nicht als selbständig tätige Medizinalperson registriert. Wenn Sie Gewähr haben wollen, dass Sie bei einem gut qualifizierten Chiropraktor zur Behandlung gehen wollen, dann schauen Sie unser Adressenverzeichnis deutscher Chiropraktoren an.

ch wünsche Ihnen alles Gute und verbleibe mit freundlichem Gruss

Dr. Max Widmer, Chiropraktor



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