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In Gedenken an Kurt Künzli
Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (4/97)
Seit 1981 kannte ich Kurt Künzli, Sport- und Orthopädieschuh-Unternehmer, Windisch/AG, und lernte ihn als Patienten, Unternehmer und guten Bekannten schätzen. Am 5. Dezember 1996 verstarb Kurt Künzli im Alter von 65 Jahren überraschend im Kantonsspital Aarau. Mit mir trauern eine Vielzahl von Leuten: Familienmitglieder, Verwandte, Freunde, Musikerkollegen, ehemalige Spitzensportler, Sportärzte, die Belegschaft und nicht zuletzt die Aargauer Chiropraktoren, die vor einigen Jahren das Wirken von Kurt Künzli anlässlich einer Führung durch seine Fabrik kennen lernen konnten.
Kurt Künzli verbrachte zusammen mit seiner Schwester Ruth eine frohe Kindheit im solothurnischen Trimbach. Sein Vater Werner Künzli hatte eine Skischuhfabrikation, sodass Kurt Künzli früh in Kontakt mit der Sportschuhherstellung kam. Regelmässig wurde im Hause Künzli auch musiziert; ein Leben lang blieb Kurt Künzli in engem Kontakt mit der Musik. Sie bedeutete dem überaus sensiblen und feinfühligen Menschen Ausgleich zur fordernden Geschäftswelt. Ob Jazz oder Unterhaltungsmusik, ob Klavier, Flügel oder Orgel, regelmässig fühlte sich Künzli im Verein mit Gleichgesinnten zur Welt der Klänge, Tempi und Weisen hingezogen wurde von sorgfältig auf die Übernahme der väterlichen Unternehmung vorbereitet: Handelsschule, Welschlandjahr als Volontär sowie die Fachhochschule Primasens, wo er die Schuh-und Sportschuhherstellung von Grund auf studieren konnte. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Helga kennen. Ein Sohn und eine Tochter bildeten bald darauf für die Familie einen Quell der Freude und der Erholung und zugleich Hoffnung auf Kontinuität. Bald folgte die Verlegung des Firmensitzes nach Windisch/AG. Künzli war mit seinen Produkten in den Sechziger-und Siebzigerjahren insbesondere im Fussballbereich dank seiner Erfindung der Patentschnürung sehr erfolgreich. Nicht selten glaubte man, der Glarner Goalgetter und Namensvetter beim FC Zürich, Fritz Künzli, trage sein eigenes Produkt. Eine erste Rezession, gewaltige, von grosser Finanzkraft getragene Marketinganstrengungen der ausländischen Konkurrenz trugen dazu bei, dass Künzli seine Anstrengung verdoppeln musste. Es folgten Jahre des härtesten Einsatzes, geleistet nicht selten in Nachtarbeit und am Wochenende. Eine Sternstunde kreativer Leistung war Künzli vergönnt mit der Erfindung des A-Prinzipes, einer neuartigen Stabilisierungstechnik im Sprunggelenkbereich, welche, sofort patentiert, Anwendungen in allen Produktelinien fand. Wendepunkt 1986: Der überforderte Organismus forderte unerbittlich seinen Tribut. Künzli musste sich einer heiklen, mehrstündigen Bypass-Operation unterziehen. Es folgten Monate der Rekonvaleszenz und des Sinnens über die Zukunft der eigenen Person, der Familie und des Unternehmens. Künzli entschloss sich, kürzer zu treten, mit Herrn Peter einen tüchtigen Geschäftsführer einzusetzen, sich vom kräfteraubenden Kundenbesuch zu entlasten und den weiteren, erfolgreichen Ausbau der Nischenproduktion im Rehabilitations- und Orthopädieschuh-Bereich in die Wege zu leiten, wo bald, dem geschwächten Gesundheitszustand zum Trotz, weitere marktprägende Innovationen folgten. Jedoch: Am 5.Dezember 1996 setzte ein Herzstillstand seinem irdischen Dasein ein Ende.
Kurt Künzli war ein selten begabter Zuhörer, der eine harmonische Gesprächsatmosphäre zu schaffen wusste. Intuitiv erfasste er Anregungen und Vorschläge. In dankbarer Erinnerung verbleiben mir unzählige Fachgespräche während all diesen Jahren. Und immer wieder bleiben mir zwei Bilder von Kurt Künzli: zum einen, wenn er seine "Künzli-Sporttasche" leerte, um mir wieder seine neuste Kreation zu zeigen und mir als "Testpiloten" einen Schuh und meinen Söhnen Badetücher schenkte. Zum andern, wenn er auf seinem weissen Flügel sich der Musik widmete, während meine Frau und ich sich mit seiner Frau Helga beim Apéro unterhielten.
Ein langjähriger Freund nannte Künzli im Verlaufe seiner Rede an der Trauerfeier einen liebenswerten, toleranten und besonderen Menschen, einen « Mann der Verantwortung für Familie und Belegschaft ». Er war es.
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