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Falschinformation, Nichtinformation und Desinformation

(Über die Chiropraktik, die Chiropraktoren und Chiropraktorinnen.)

Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (8/97))

Seit fast dreissig Jahren erlebe ich immer wieder, wie Chiropraktoren und die Chiropraktik von der Schulmedizin, oder neustens von selbsternannten Laienmanipulatoren, aus Konkurrenzgründen in offener oder versteckter Art verunglimpft werden. Nach wie vor gilt es wachsam zu sein und die Öffentlichkeit darüber zu informieren.

Immer wieder erlebe ich, wie schlecht meine Patienten über das Wort "Chiropraktik" informiert sind. Noch viel mehr erstaunt es mich, was für Unwahrheiten über den Beruf des "Chiropraktors" erzählt werden.
Diese können aus Nichtwissen bzw. Nichtinformieren, oder absichtlich. wie in der psychologischen Kriegsführung, als Desinformation entstehen. Vor allem gilt es damit die Patienten von Chiropraktoren zu verunsichern und so den Chiropraktoren zu schaden; immer natürlich mit der Absicht sich selber als möglichst kompetent in der Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates hinzustellen.

So erinnere ich mich , wie 1965 von einigen Ärzten die Chiropraktik als Unfug bezeichnet wurde. Eine Patientin wurde in Aarau sogar handgreiflich von einem Arzt aus seiner Praxis hinaus komplimentiert, nachdem er erfahren hatte, dass sie bei einem Chiropraktor in Behandlung stand. Nachdem die Erfolge der Chiropraktoren in der Öffentlichkeit immer mehr bekannt wurden und einige Schweizer Ärzte sich mit Wochenendkursen in Chiropraktik versuchten, hiess es auf einmal die Chiropraktik sei schon gut, aber die Ausbildung der Chiropraktoren ungenügend, auch dies ist eine Falschinformation. (In vielen U.S. Staaten absolvieren angehende Chiropraktoren und Ärzte die gleiche grundwissenschaftliche medizinische Prüfung) Anfangs der Siebzigerjahre wurde in der Schweiz die "Interkantonale Prüfung" für Chiropraktoren eingeführt. Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit, war ich doch einer der ersten, der diese Prüfung ablegen durfte. ( Dabei blieb mir meine neurologische "Sternstunde" mit dem bekannten Berner Neurologen und Prüfungsexperten Prof. Dr.med. M. Mumenthaler noch in bester Erinnerung. Mit grossem didaktischen Geschick stellte er mir am Prüfungsort im Inselspital in Bern Fragen zu einer Patientin, welche ich untersuchen und die richtige Diagnose stellen musste. Den zweistündigen Dialog mit diesem begnadeten Neurologen waren für mich als Prüfungskandidat ein fachlicher und menschlicher Höhepunkt.)

Zurück zu den Falschinformationen: Anlässlich eines Symposiums über Rückenschmerzen 1979 in der SUVA Klinik in Bellikon, Aargau, meinte ein Internist aus dem Bezirk Baden, dass Chiropraktoren Diskushernien behandeln, obwohl sie davon nichts verstehen würden. Ich sass damals in der hintersten Reihe und war gespannt, auf welche Art die dem Anlass vorsitzenden Ärzte auf diese Provokation reagieren. Wie war ich erstaunt und erfreut, als sich Dr. A. Merki, Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Kantonsspital Aarau wie folgt dazu äusserte: "Das sei absolut unwahr. Chiropraktoren seien fachlich sehr kompetent und hätten oft sehr gute Erfolge in der Behandlung von Diskushernien. Er wisse dies deshalb sehr gut , weil er auch Verfasser des orthopädischen Stoffkataloges für die interkantonale Chiropraktorenprüfung sei ! (Sinnigerweise wurde übrigens an diesem Anlass das Antirheumatikum Voltaren als neustes Medikament vorgestellt)

In den Achzigerjahren hörte ich auf einmal einige ältere Patienten sagen, dass gemäss Aussage ihres Arztes "Chiropraktik" nicht für ältere Menschen sei, oder ich hörte von jüngeren Patienten, dass ihr Arzt gesagt habe, "Chiropraktik" sei nicht für junge Menschen geeignet. Ohne hier weiter darauf einzutreten, was solche Ärzte denn überhaupt unter "Chiropraktik" verstehen, erkannte man doch deren Absicht und wurde verstimmt. In den Neunzigerjahren (der Zeit der boomenden natürlichen Heilweisen, der Scharlatane und deren teilweisen Bezahlung durch die Zusatzversicherung der Krankenkassen) werde ich ab und zu von meinen Patienten darauf aufmerksam gemacht, dass eine Atlas- "Behandlung" durch einen Laienmanipulator gemäss Aussage der Vitalogen und Atlaslogen und sonstigen "logen" viel sanfter und schonender sein soll, als eine Atlasbehandlung durch den (die) dafür speziell geschulten (geschulte) Fachmann (Fachfrau) und Chiropraktor (Chiropraktorin). Und wieder merkt man die Absicht und wird verstimmt. Vor allem wenn es sich bei den Laienmanipulatoren um Leute handelt, die illegal ohne medizinische Fachausbildung und kantonale Berufsausübungsbewilligung gefährliche manuelle Eingriffe in die körperliche Integrität ihrer Kunden vornehmen.

Fazit:

Die 1895 durch D. Palmer in den USA wiederentdeckte Handgrifftherapie zur Behandlung funktioneller Störungen des Bewegungsapparates, auch " Chiropraktik" (vom griechischen "cheiros" = Hand) genannt, ist jetzt 102 Jahre alt geworden. Vieles hat sich seither gewandelt. So wurde die chiropraktische Diagnostik und die chiropraktische Behandlung verfeinert. Die Ausbildung hat heute universitären Charakter und die Zulassungsbedingungen zu freien Praxis sind entsprechend hoch. Was aber geblieben ist, sind gewisse unbegründete Ressentiments dem Beruf des Chiropraktors gegenüber. Sie können als Standesdünkel, als Folge des Ärzteüberflusses oder ganz einfach auf eine gut schweizerische oder menschliche Untugend, dem Neid auf die erfolgreichen Chiropraktoren, zugeordnet werden. Damit jedoch kein Missverständnis aufkommt. Die Zusammenarbeit mit dem Grossteil der Ärzteschaft ist sehr gut. Und obwohl ich kein Freund des neuen Krankenversicherungsgesetzes bin, hatte ich bis heute keine Schwierigkeiten, dass Patienten, die das Hausarztsystem gewählt hatten und aber zu mir in Behandlung kommen wollten, nicht konnten. ( Chiropraktik ist als Teil der der Grundversicherung eine Pflichtleistung der Schweiz. Krankenkassen.) Hoffen wir also , dass die allgemein gute Zuammenarbeit unter den Medizinalpersonen so bleibt. Trotz aller Falschinformation, Nichtinformation und Desinformation, die ich in all den Jahren hören musste, ist mir die Freude an meinem Beruf nicht abhanden gekommen. Noch immer, oder besser gesagt immer mehr, bin ich an der Chiropraktik, als ganzheitliche Diagnostik von Funktionsstörung des Bewegungsapparates und als Therapie mittels differenzierten manuellen therapeutischen Eingriffen in die Körpermechanik , fasziniert. Und ich freue mich jeden Tag darauf um halb acht Uhr meinen ersten Patienten wieder begrüssen zu können



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