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Das Gedächtnis des Schienbeins
Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (12/98)
Gestörte Statik
Chiropraktoren haben bereits vor mehr als sechzig Jahren festgestellt, dass eine gestörte Statik der Wirbelsäule zu Beschwerden führen kann. Seither wird den Abweichungen von der Körperstatik immer mehr klinische Bedeutung zugemessen.
Fernwirkung
Eine veränderte Fussstatik kann zum Beispiel nicht nur zu Beschwerden der Fusssohlenmuskulatur, der Ferse, des Fussrückens, des Mittelfussbereiches und des oberen Sprunggelenkes führen , sondern auch Beschwerden in der Schienbeinmuskulatur, den Knie- und Hüftgelenken und in der Wirbelsäule auslösen.
Beweisführung
Erstmals konnte diese Fernwirkung nun auch radiologisch bewiesen werden. Dazu unterzogen sich 12 beschwerdefreie Personen ( 6 Männer und 6 Frauen, Alter 19-41, Durchschnitt 30 Jahre) freiwillig einer Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie) , bei welcher Hüfte, Knie, Sprunggelenke und Füsse beurteilt wurden. Dieser Untersuch geschah vor und zwei Wochen nach dem Tragen einer 14mm dicken Erhöhung, welche in einem Schuh auf den Aussenrand der Schuhsohle angebracht wurde. Allen Teilnehmern wurde zudem eine gewisse Anzahl gleichwertiger "Schuheinlagen" zur Verfügung gestellt, damit diese auch ihre anderen Schuhen entsprechend verändern konnten. Es wurde in Kauf genommen, dass sich die spezielle Einlageerhöhung während des Tragens etwas verschieben und sich dadurch die Statik des Beines ein wenig verändern konnte.
| Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie)
Die Kernspintomographie dient dazu krankhafte Veränderungen im Körper sichtbar zu machen. Es ist ein relativ neues Untersuchungsverfahren, bei dem die magnetische Eigenschaft von Wasserstoffatomen ( der Mensch besteht zu ca. 80% aus Wasser ) für die Erstellung von Bildern genutzt wird. Die benützte Magnetfeldstärke ( bis 2,0 Tesla) führt zu keinen Körperschädigungen.
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Durch das Anbringen der Erhöhung ( Farbe grün im Bild oben rechts) wurde der seitliche Fussrand etwas angehoben und dadurch der Unterschenkel einwärts rotiert ( Pfeil rosa im Bild unten rechts) und der Fuss in eine Einwärtsdrehung (Überpronation) gebracht . Das Resultat der veränderten Statik des Unterschenkels und des Fusses wird im Bild mit den zwei blauen Pfeilen gezeigt. ( Normale Statik = gelbe Pfeile )
Die Teilnehmer wurden angewiesen ihre täglichen Aktivitäten inklusive Sport trotz der etwas unangenehmen Erhöhung nicht zu ändern. Drei nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Freiwillige unterzogen sich ein drittes Mal einer Kernspintomographie und zwar zwei Wochen nach der Entfernung der Schuheinlage.
Resultat: Eine Knochenmarkschwellung
Bei 11 von 12 Freiwilligen sah man Veränderungen. Die überpronierte Seite war in 10 Fällen betroffen. Die meisten Veränderungen fanden im Fuss ( vor allem in den Mittelfussknochen und im Fersenbein) statt, gefolgt von Veränderungen im Schienbein und im Oberschenkel. Bei 10 Freiwilligen imponierten die Veränderungen als Knochenmarkschwellung (bone marrow edema) . Bei 2 Freiwilligen erinnerten die Veränderungen an Stressfrakturen, konnten aber klinisch nicht als Frakturen bezeichnet werden. Bei der zweiten Kernspintomographie zeigten 2 von 3 Freiwilligen eine komplette Umkehr des krankhaften Befundes. Der dritte zeigte nur eine leichte Verringerung der Schwellung. Alle Freiwillige waren direkt nach der Entfernung der Schuheinlagen schmerzfrei. Für die meisten Freiwilligen war das Tragen der Einlagen recht unbequem.
Fazit:
Dieser Untersuch beweist, dass beispielsweise das Schienbein tatsächlich ein "Gedächtnis" hat bzw. eine veränderte Fussstatik im Stress dynamisch mit einem Knochenumbau reagiert und dies zu einer Knochenmarkschwellung im Schienbein, in den Knie- und Hüftgelenken und in der Wirbelsäule führen kann.
Konsequenz:
Eine gesunde Körperstatik beinhaltet unter anderem eine gesunde Fussstatik. Ihr/e Chiropraktor/in kann Ihnen aufzeigen, ob eine solche bei Ihnen vorhanden ist oder Ihnen Tips geben, wie eine solche erreicht werden kann. Eine der wichtigsten Massnahmen zur Erreichung einer gesunden Fussstatik ist und bleibt das Tragen von entsprechend angepassten Schuheinlagen.
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