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Die verschwundene Diskushernie

Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (1/98)

Der Satz, " Sie haben eine Diskushernie ", macht den meisten Patientinnen und Patienten Angst und verunsichert sie. Dies ist verständlich. Denn diese Diagnose kann eine temporäre Arbeitsunfähigkeit, eine teilweise Gehunfähigkeit, eine unsichere Zukunft und eventuell auch eine Rückenoperation bedeuten . Was passiert nun eigentlich mit der Diskushernie derjenigen Menschen, welche dank der chiropraktischen Behandlung subjektiv und objektiv beschwerdefrei wurden ?

Doch zuerst: Von der schmerzhaften zur stummen Diskushernie

Eine Diskushernie ( Bandscheibenvorfall ) führt zu Beschwerden, welche entweder auf konservative oder dann auf operative Massnahmen ansprechen : Eigene Untersuchungen Forschungsresultate aus der Privatpraxis 1981/83 (Thema des Monats September 1997) zeigen, dass

  • Zwei von sieben Diskushernienpatienten operiert werden müssen
  • Fünf von sieben Diskushernienpatienten dank der chiropraktischen Behandlung beschwerdefrei werden

Was passiert mit der Diskushernie der Patientinnen und Patienten , welche beschwerdefrei entlassen werden ?

Diese Frage habe ich mich bereits vor 30 Jahren gefragt und zumindest teilweise die Antwort erst ca. 1986 gefunden. Schlüssel dazu bot einmal mehr die Computertomographie, welche Bandscheiben und Bandscheibenhernien überhaupt sichtbar machen kann. Zu dieser Zeit tauchte zum ersten Mal die Information auf, dass bei einem Patienten eine vor einigen Jahren eindeutig nachgewiesene Diskushernie bei einer Jahre später durchgeführten Kontrollaufnahme auf dem Röntgenbild nicht mehr habe nachgewiesen werden können.

Zuerst konnte ich dies kaum glauben. Wie soll es möglich sein, dass bsp. eine ca. 9 mm grosse Diskushernie, welche sich eindeutig in den Wirbelkanal hineinwölbt und zu teilweisem Verschieben von Nervengewebe führt, einfach so plötzlich verschwinden soll. Wenn dies überhaupt zutreffen würde, wäre es möglich, dass dies dann bei allen Diskushernien der Fall wäre oder wenn nicht, bei welchen Arten von Diskushernien ? Um dies konkret herausfinden zu können, hätte ich jeden Diskushernienpatienten, welcher einen Rückfall erlitt und bei dem bereits einmal eine Computertomographie durchgeführt wurde, erneut zur Computertomographie überweisen müssen. Selbstverständlich habe ich dies aus Kosten- und Strahlenschutzgründen nicht getan. Statt dessen habe ich dies nur bei einem nach speziellen Kriterien ausgewählten Krankengut durchgeführt.

Und in der Tat: Es dauerte nicht sehr lange, bis ich die grosse Überraschung erlebte: Der erste Patient, bei dem ich computertomographisch eindeutig beweisen konnte, dass seine vor sechs Jahren noch vorhandene und damals sehr schmerzhafte Diskushernie nicht mehr nachgewiesen werden konnte, war ein sehr bekanntes Mitglied der schweizerischen Judomannschaft.

Inzwischen habe ich viele weitere Patientinnen und Patienten, die sich ebenfalls glücklich schätzen können zur Gruppe der "Verschwundenen Diskushernien " zu gehören. Leider trifft dies jedoch nur bei wenigen Menschen zu. Für die Betroffenen bedeutet dies jedoch sehr viel.. Was zu dem Verschwinden der Diskushernie führt ist zur Zeit noch Spekulation. Offenbar verliert das in den Wirbelkanal hineinragende Bandscheibenstück über die Jahre an der Fähigkeit Wasser zu binden und löst sich möglicherweise im Wirbelkanal auf.

Untenstehend finden Sie zu diesem Thema einige Computertomographieberichte , zu denen ich gelegentlich noch weitere dazufügen werde:

Zervikale Diskushernie ( Diskushernie der Halswirbelsäule)

Patientin S.N. aus S., 50 jährig
Krankengeschichte: 1989 bei mir wegen akuten Armnervenschmerzen links in Behandlung. Ende 1997 Rückfall. Keine Armnervenlähmung, Reflexbefund unauffällig

CT- Befund: 1997(Originalwortlaut)
Osteochondrose und Spondylose C6/7 ausgeprägter als C5/6, Spondyloarthrose C3/4 und C4/5 links, kein Nachweis einer Diskushernie oder fokale Protrusion ( d.h. die Diskushernie C5/6 links, welche 1989 bestand, lässt sich heute nicht mehr nachweisen ) !



Lumbale Diskushernie ( Diskushernie der Lendenwirbelsäule)

Patient S.C. aus R., 38jährig
Krankengeschichte: 1986 bei mir wegen akuten Lumbago-Schüben (Hexenschuss). Computertomographie 1986 der Lendenwirbelsäule zeigt eine 8 mm grosse Diskushernie L5/S1. Juni 1997 Rückfall.

CT-Befund: 1997 (Originalwortlaut)
Diskrete Anhebung der rechten L3 Wurzel im Bereich des Foramens durch den ausladenden Rand der Bandscheibe. Diskrete diffuse links betonte Protrusion L4/L5 und diskrete diffuse Protrusion L5/S1 (kein Nachweis der 1986 festgestellten Diskushernie L5/S1 !), leichte Einengung des linken Foramens L5/S1, Asymmetrie der ISG.

Patientin: M.S..aus B., 49jährig
Seit 1975 Kreuzschmerzen. 1985 erstmals akute Lumbago (Hexenschuss). 1988 massiver Rückfall. 1994 erneut Rückfall. 1985, 1988 und 1995 computertomographische Abklärung.

CT-Befund:1994 (Originalwortlaut - abgekürzt)
Gegenüber Voruntersuchung von 1985 (medio-laterale Discushernie L5/S1) und 1988 (grosse Discushernie L5/S1) ergibt sich keine L5/S1 Discushernie mehr ! , wahrscheinlich hat sich das Luxat links spontan resorbiert. Interessanter Verlauf.



Schlussfolgerung: Sollten Sie eine Diskushernie haben, so brauchen Sie keine Angst zu haben invalid zu werden. Hören Sie in erster Linie auf den Rat Ihrer Chiropraktorin oder Ihres Chiropraktors und vertrauen Sie auf die Erfahrung dieser Medizinalperson. Versuchen Sie die Diskushernie mit einem Lächeln zu akzeptieren und lernen Sie möglichst rasch damit zu leben. Sie werden sehen , es geht so viel besser. Zudem geben Sie der Natur bzw. sich selber die Chance auf eine Selbstheilung, wie dieser Beitrag zeigt.

Falls Sie Zeit haben, lesen Sie doch auch "Rheuma und Psyche" (Thema des Monates November 1996) und Frage39.



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