Halswirbelsäulen-Schleudertrauma:
Eine tragische Komödie oder eine komische Tragödie ?
Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (7/98)

Nackenstütze einmal anders ..
Um es vorweg zu nehmen: Als junger Chiropraktik-Student bin ich 1967 in Indianapolis, USA, als Passagier auf dem Beifahrersitz in einem japanischen Kleinwagen ohne Kopfstützen auf einer Kreuzung von vorne seitlich angefahren worden. Der Unfallverursacher missachtete bei strömendem Regen die Rotlichtampel. Die kumulierte geschätzte Aufprallgeschwindigkeit betrug ca. 110 km/h. Dabei erlitt ich zuerst einen Schock, einige Tage später machten sich Nacken- und Kopfschmerzen bemerkbar. Dann folgten leichte Konzentrationsstörungen, Sprachschwierigkeiten, Abnahme der Feinmotorik in der rechten Hand bis zu einem ca. 30-minütigen Kraftausfall des ganzen rechten Armes. Es folgten diverse Therapien, welche zu Beginn wenig brachten, temporäres Fernbleiben vom Unterricht, Besuche bei einem Anwalt und im Auftrag der Unfallversicherung auch eine Konsultation bei einem Psychiater. Ungefähr nach einem Jahr besserten sich die Beschwerden. Seither bereitet mir das Kopfdrehen nach links ab und zu Mühe.
An einem Weiterungskurs in Dallas (siehe Bild rechts) lernte ich 1968 einen dynamischen Anwalt kennen, der von der Chiropraktik begeistert und unter anderem auch Autor eines Buches über das "Schleudertrauma" war.
Erst viel später wurde mir klar, dass ich mit Melvin Belli einen Anwalt kennen lernte, der das juristische System in den USA revolutionieren sollte.
Als ich 1970 wieder in der Schweiz war, erhielt ich einen Telephonanruf aus Lausanne. Es war Melvin Belli, der sich soeben auf seiner vierten Hochzeitsreise befand und sich über die gesetzliche Anerkennung der Chiropraktik in der Schweiz erkundigte. Zu dieser Zeit erhielt die Amerikanische Ärztegesellschaft (AMA) 30 Million Schweizer Franken von den amerikanischen Pharma Hersteller für ihren Kampf gegen die Chiropraktoren in den USA. Rückblickend gesehen war diese Zeit für mich als Chiropraktor sehr lehrreich. Und in Bezug auf das Thema "Schleudertrauma" habe ich seither grosses Verständnis für dieses Unfallereignis. Vor allem aber habe ich dabei gelernt, dass ein Schleudertrauma eine tragische Komödie oder eine komische Tragödie sein kann. Ob es mehr zu einer Komödie mit tragischem Unterton, oder ob es zu einer Tragödie mit komischem Hintergrund wird, hängt von folgendem ab:
- dem emotionellen Zustand des Verunfallten vor dem Unfall
- der Persönlichkeit und der Lebenserfahrung des Verunfallten
- der Beziehungs- und Konfliktfähigkeit und dem Umfeld der Betroffenen
- der Angstbewältigung und der Arbeitsplatzsituation
- den Erstbehandler (Chiropraktoren, Ärzte )
- den Versicherungen
- dem Glück
Schleudertrauma
Das Wort "Schleudertrauma" ist keine Diagnose , sondern gibt nur einen Unfallmechanismus wieder. Deshalb sollte es heute auch nicht mehr verwendet werden.
Synonym: Halswirbelsäulentrauma, whiplash injury, Peitschenschlag-Phänomen, Syndrom nach plötzlichen Zurück- u. Vorschleudern des Oberkörpers beispielsweise nach Autoauffahrunfällen,
Ein "Schleudertrauma" entsteht, wenn die Halswirbelsäule durch eine Beschleunigung und ein Zurückschlagen des Kopfes verletzt wird. ( Zweiphasentrauma ohne Kopfanprall ) Dabei können ganz verschiedene Strukturen des Halses verletzt werden wie beispielsweise Muskeln, Bänder, Bandscheiben, Halswirbelgelenke und Halswirbel. Dank neuartigen Untersuchungsmethoden wie der Magnetresonanz können Weichteilschäden besser nachgewiesen werden
Heute spricht man deshalb zu Recht von Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule, Zervikozephales Beschleunigungstrauma oder HWS - Distorsion
Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule (Schleudertrauma)
Von grosser Bedeutung ist weniger der Frontal- als der Heckaufprall, da er meistens für die Fahrzeuginsassen unerwartet kommt. Da keine Vorwarnung möglich ist, können auch die Nackenmuskeln nicht vorgespannt werden. Falls der Aufprall seitlich versetzt geschieht, oder bei etwas gedrehtem Kopf, dann ist die Belastung für die Halswirbelsäule noch grösser. Heute kommt dies kaum mehr vor, da Kopfstützen zur Standardausrüstung eines Neuwagen gehören. Ausnahmen sind zu tief eingestellte Kopfstützen (hier wird fälschlicherweise nur der Nacken als "Nackenstütze" abgestützt) oder bei sehr grossgewachsenen Personen, bei der die Kopfstützen nur als "Nackenstütze" wirken können. Jedem Leser dieses Artikels sei übrigens wärmstens das Testen der neuen vorbildlichen "Saab" Kopfstützen empfohlen. Sogenannte "Schleudertraumas" (whiplash) kommen also je länger desto weniger dank den Kopfstützen vor.
Symptome:
Der Halswirbelsäulenbereich hat eine hohen Nervendichte . Deshalb kann es zu einer Vielzahl von unspezifischen Symptomen kommen. Diese treten bei leichten Autounfällen nach einem gewissen schmerzfreien Intervall von Stunden bis einigen Tagen auf. Zuerst werden diese von den Betroffenen gar nicht wahrgenommen um anschliessend als Nacken- und Hinterkopfschmerzen, Bewegungsschmerzen der Halswirbelsäule , Schmerzen im Bereiche von Schulter- und Arm sowie der Brustwirbelsäule, zu imponieren. Oft machen sich auch Zeichen wie Konzentrationsstörung, Übelkeit, Schwindel, Seh- Hör- und Schlafstörungen bemerkbar.
Folgen: Weichteilverletzungen der Halswirbelsäule
Bei horizontalen Scherbewegungen (Translation) im Übergang von Kopf zum oberstem Wirbel (Atlas) können Bänder, Halswirbelarterien, Nervenstrukturen und Gelenkkapsel gedehnt und letztere über ihren physiologisch normalen Bewegungsausschlag belastet werden.
Es kann so zu Einrissen der Bänder kommen, zu einer Schädigungen der Halswirbelarterien mit vorübergehenden Hirndurchblutungsstörungen , zu einer Schädigung eines Armnervens ( Muskelschwäche, brennendes Gefühl in den Armen), zu einer Bandscheibenverschiebung (Protrusion) und zu einem Bandscheibenriss (Diskushernie) bis hin zu einer eher seltenen Halswirbelfraktur.
Folgen: Psychoreaktive Störungen
So wie auf den Unfall körperliche Schäden mit meistens unspezifischen Symptomen entstehen, so reagiert auch die Seele des Verunfallten unmittelbar beim oder nach dem Unfall mit ganz unterschiedlichen Verhaltensmuster. Die Art und Weise, wie ein Mensch seinen Unfall erlebt, ist für den weiteren Verlauf ganz entscheidend. Untersuchungen haben gezeigt, dass dabei die Erfahrung und die Erziehung eine bedeutsame Rolle spielt. Selbstverständlich ist auch die seelische Verfassung vor dem Unfall wichtig. Wem vor dem Unfall mitgeteilt wurde, dass er das grosse Los in der Landeslotterie gewonnen habe, der erlebt einen Autounfall ohne Zweifel anderes, als ein Arbeitsloser. Weiter sind das Umgehen mit der Angst und die vegetative Reaktionslage auf Stress wichtige Pfeiler für das rasche psychische Bewältigen des Unfallereignisses. Auch die Persönlichkeit des Chiropraktors oder Arztes bzw. deren Fachkompetenz und eigene Lebenserfahrung spielen ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Einige wenige Verunfallte reagieren auf das Unfallerlebnis so, dass plötzlich seelische Motive aus dem Beziehungsumfeld für das Beschwerdebild verantwortlich gemacht werden. Diesen Patienten den Weg zur Beschwerdefreiheit zeigen zu können, ist sehr schwer. Oft hilft das Einbeziehen der Familienmitglieder in den Behandlungsplan und die Praxiserfahrung des Behandlers, der mit Vorteil seine langjährigen Erfahrungen aus einer Balint-Gruppe einbringen kann. Manche Verunfallte reagieren auch mit Wut auf den Unfallverursacher und vergessen dabei, dass auch sie einmal den Unfallverursacher sein könnten. Der Unfall bewirkt also eine plötzliche Lebensänderung. Die körperliche Behinderung, beispielsweise eine Nackensteife, kann so zu einem Verzicht des Lieblingssportes führen. Diese körperliche Einschränkung löst wiederum eine seelische Reaktion aus, welche endlich zu einer ruinösen Kettenreaktion führen kann. Die Reaktion von Körper und Seele auf einen Unfall ist nichts Aussergewöhnliches. Dasselbe Verhaltensmuster finden wir auch bei einer Krankheit. So sind auch Diskushernienpatienten in ihrem körperlichen und seelischen Wohlbefinden gestört. Lesen Sie dazu den Artikel Rheuma und Psyche.
Eine Untersuchung soll zudem gezeigt haben, dass gewisse Hirnzellen sich als sogenannte "Gedächniszellen" entwickeln und das Unfallgeschehen noch jahrelang speichern. Dies könnte auch meine Beobachtung erklären, dass sich gewisse Beschleunigungstrauma-Verletzten trotz fachkompetenter Führung und Behandlung und fehlenden objektiven Zeichen noch monatelang über Beschwerden beklagen. Dagegen wiederum spricht eine Studie in Litauen, welche von einer norwegischen Forschungsgruppe durchgeführt wurde. Diese kam zum Schluss, dass in einer Bevölkerung mit wenig Kenntnissen über mögliche Langzeitbeschwerden von Heckkollisionen keine bedeutsamen Unterschiede zwischen einer Kontrollgruppe ohne Heckkollision und den Unfallbetroffenen gefunden werden konnte. Vor allem berichteten keine Verunfallten über invalidisierende Beschwerden als Folge des Autounfalles.
Ist ein Schleudertrauma objektivierbar ?
Die Antwort ist nein.
Beurteilung durch Chiropraktor, Gutachter und Juristen
Wie war es früher ? - Wie ist es heute ?
Belli Melvin, (Bild) "King of Torts", war der erste und zugleich berühmteste Anwalt, der sich in Amerika mit zum Teil recht spektakulären Einsätzen Gehör vor dem Geschworenengericht für die "Schleudertrauma-Verletzten" verschaffte. So scheute er sich nicht solche Patienten auf der Bahre in den Gerichtssaal tragen zu lassen. Dadurch gelang es ihm die Geschworenen zu überzeugen, dass auch Menschen ohne sichtbare Verletzungen oder einen Gips Beschwerden haben können.
Diverse Gerichtsurteile gaben so die Grundlage für die heutige Rechtssprechung von "Schleudertrauma"-Verunfallten in den in den USA. Heute werden die zum Teil jedes Mass überschreitenden Entschädigungssummen zu Recht in Frage gestellt. In der Schweiz, in der ein anderes Rechtssystem herrscht, stellt sich das Problem der Entschädigungspflicht (Schmerzensgeld) nicht. Vielmehr wird hier versucht auf Grund einer heute doch mehrheitlich fairen Beurteilung dem Einzelfall gerecht zu werden. Voraussetzung dazu ist nicht das Mass der Schmerzen als subjektive Wahrnehmung, sondern die Erhebung genauer Kollisionsdaten, was nicht immer möglich ist.
Vorbestandene Schäden werden oft vergessen
Beschwerden können auch Ausdruck vorbestandener körperlicher Schäden sein oder Ausdruck eines schon vorher bestandenen oder erst durch den Unfall bewusst gewordenen emotionellen Problems. Dieses muss mit dem Unfall überhaupt nichts zu tun haben.
Das Fehlen von objektivierbaren Befunden führte vor allem früher zu Fehlbeurteilungen und folglich zu Fehlurteilen. Nur so ist das Entstehen grosser auf Autounfälle spezialisierten Anwaltsbüros in den USA erklärbar, welche sich mit einem Drittel der ausbezahlten Schadenssumme ihre Bemühungen oft vergolden lassen. (Jedes Jahr erleiden mehr als 1 Million Amerikaner einen Schleudertrauma - Unfall). Die Mehrzahl der Verunfallten wird innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten beschwerdefrei. 20-40 Prozent können länger dauernde Beschwerden haben. Von einigen werden diese Beschwerden dem Unfall zugerechnet. Andere sind der Meinung, dass diese vorwiegend psychologischen Ursprunges sind oder sich davon einen finanziellen Gewinn erhoffen. Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Doch ist selbst diese manchmal schwer zu finden.
Die übermässige Zahl von Anwälten hat auch in der Schweiz zu ähnlichen aber noch nicht ganz vergleichbaren Zuständen geführt. Nicht unschuldig daran sind die Medien, welche genüsslich im Fernsehen und in den Printmedien gewisse Anwälte und Anwaltskollektive als Retter sozial Benachteiligter darstellen.
Untersuchungen:
1995 schrieb die " Quebec Task Force (QTF) einen Text mit dem Titel "Whiplash-Associated Disorders: Redefining Whiplash and its Management". Man kam hier zum Schluss, dass ein Schleudertrauma ein temporäres Unwohlsein hervorrufen kann, selbst limitierend ist, gute Prognosen aufweist und der Schmerz - ausgelöst durch den Schleuderunfall - nicht schädigend ist.
1998 wurde im "Spine" (V 23, Nummer 9, 1.Mai ) diese Untersuchung kritisch hinterfragt. Dabei fand man fünf bedeutsame Fehler, welche die erwähnten Aussagen wieder in Frage stellten.
Noch heute hat man die gleichen Schwierigkeiten wie früher. Subjektive Beschwerden sind fast nicht zu objektivieren. Widersprüchliche Untersuchungen helfen auch nicht weiter. Typische Gutachter-Ausdrücke wie "überwiegend wahrscheinlich" zeigen auf die Schwierigkeit hin eine Kausalität beweisen zu können. Dass letztlich ein Jurist als medizinischer Laie (!) entscheiden muss, ob bei Frau Y die Nacken -oder/und Kopfbeschwerden Folgen des Unfalls seien, macht die ganze Sache zur vollständigen tragischen Komödie oder komischen Tragödie.
Therapie ohne genaue Diagnostik möglich ?
Das Durchführen einer körperlichen Untersuchung ist unabdingbar. Eine Abklärung der emotionellen und intellektuellen Situation wäre aber ebenso wichtig.
Eine genaue segmentale chiropraktische Untersuchung der oberen und mittleren Halswirbelsäule, sowie des Überganges von Hals- zu Brustwirbelsäule kann die Schmerzursache mindestens topographisch beziehungsweise regional erfassen. Eine neurologische Untersuchung kann gewisse Ausfälle nach dem Unfall nachweisen. Funktionsaufnahmen der Halswirbelsäule können Hinweis auf eine segmentale Instabilität geben. Eine funktionelle Computertomographie der oberen Halswirbelsäule kann als akademische Spielerei zwar Einblick in die rotatorische Bewegung geben. Die Interpretation ist aber schwierig und die Kosten letztlich zu teuer.
Heilung braucht Führung, Glauben und ein wenig Glück Optimales medizinisches Management
Die Behandlung von Schleudertrauma-Verletzten beziehungsweise Beschleunigungsverletzungen und sogenannten HWS Distorsionen braucht sehr viel Fachkompetenz, Erfahrung und Geduld von seiten des Behandlers . Geduld und der Glaube an eine Selbstheilung braucht es auch vom Patienten. Nur so ist eine rasche Genesung möglich und können unnötige Kosten gespart werden. Seit Jahren erlebe ich immer wieder wie Halswirbelsäulenverletzte während Monaten erfolglos mit unzähligen und unsinnigen Therapien behandelt werden, wie Patienten durch einige Ärzte , ,Physiotherapeuten, Masseuren, Scharlatane, Freunde und Verwandte so verunsichert werden, dass sie sogar den Glauben an eine Selbstheilung verlieren. Kürzlich hatte ich eine Psychiatrieschwester wegen einer Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule in Behandlung, deren serbischer Ehemann arbeitslos ist und angeblich nicht arbeiten kann. Der Unfall führte bei der Patientin zu einer beruflichen und familiären Krise. Sie meinte, dass ihr ein "wenig Gelde vom Sozialamt" und allenfalls auch von der Unfallversicherung ! ihre Lage verbessern würde. Mit einer solchen Anspruchsmentalität, die durch unseren Wohlfahrtsstaat noch genährt wird, kann keine Selbstheilung eintreten, ist jeglicher Therapieversuch nutzlos und wird das Unfallgeschehen zur Komödie und Tragödie zugleich.
Therapie
Es gibt verschiedene Schweregrade von Beschleunigungsverletzungen der Halswirbelsäule. Oft machen gerade die leichten Verletzungen dem Behandler und dem Verletzten zu schaffen. Gerade diese Verletzten werden meistens zu "Versicherungsfällen". Und oft beanspruchen solche "Fälle" ein Übermass an Aufmerksamkeit durch den Chiropraktor, den Gutachter , den Psychiater und den Juristen.
In leichten Fällen ist das temporäre Tragen eine Halskragens sinnvoll. Das dauernde Tragen ist ein Unsinn. Sanfte Übungen sind erlaubt. Länger dauernde Physiotherapie ist nicht notwendig und verlängert nur das passive Erleben dieser Verletzung. Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente können am Anfang durchaus ihre Berechtigung haben. Sanfte Mobilisationen und gezielte chiropraktische Behandlung hilft bei akuten und chronischen Beschwerden. Verschiedene chiropraktische Techniken - dem jeweiligen Fall angepasst - sind sehr empfehlenswert.
Sind Erfahrungsgruppen sinnvoll ?
Da sich oft einige Patienten in ihrem körperlichen und seelischen Leiden nicht verstanden und als Versicherungsbetrüger und Simulanten abgestempelt fühlen ( "man sieht ja nichts"), kann eine Selbsthilfegruppe durchaus auch Sinn machen. Die beste Hilfe ist und bleibt jedoch der Glaube an die Selbstheilung. Nur allzu profitieren auf Unfälle spezialisierte Anwälte, selbsternannte Heiler und Sekten wie die "Scientologen" von der seelischen Notlage des Verletzten.
Fazit
- Jedes Jahr entstehen in Deutschland nach Heckkollisionen Folgekosten von mehr als einer Milliarde Mark. Die Behandlungskosten und das Schmerzensgeld belaufen sich auf 400 Millionen Mark (Stand 1997). Europaweit schätzt man 10-20 Milliarden Mark.
- Bei Beschleunigungsverletzungen der Halswirbelsäule ist es unmöglich die Beschwerden zweifelsfrei auf einen Unfall zurückzuführen. Dies führt nicht nur zu Kopfschmerzen bei Verletzten, sondern auch bei Chiropraktoren, bei Gutachtern und bei Juristen !
- Untersuchungen zeigen, dass weltweit bisher von keinem einzigen Schleudertrauma berichtet werden kann, das die Folge einer Autoskooter-Kollision war. Dies ist umso mehr erstaunlich, als dass hier teilweise recht höhere Belastungen für die Halswirbelsäule als bei Verkehrsunfällen auftreten.
- Vorbestandene Schäden werden oft vergessen.
- Untersuchungen zeigten auch, dass bei einer Bevölkerung mit wenig Kenntnissen über mögliche Langzeitbeschwerden von Heckkollisionen keine bedeutsamen Unterschiede zwischen einer Kontrollgruppe ohne Heckkollision und den Unfallbetroffenen gefunden werden konnte und keine Verunfallten über invalidisierende Beschwerden als Folge des Autounfalles berichteten.
- Psychoreaktive Störungen auf einen Unfall werden von jedem Menschen ganz unterschiedlich verarbeitet. Die Art und Weise, wie ein Mensch seinen Unfall erlebt, ist für den weiteren Verlauf ganz entscheidend. Erfahrung, Erziehung und emotionelle Verfassung spielen eine grosse Rolle. Nicht unbedeutend ist auch die Persönlichkeit des Behandlers, dessen Fachkompetenz und Lebenserfahrung. Ob ein Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule rasch heilt, hängt nicht zuletzt vom Glauben an die Selbstheilung ab.( Dieser beträgt beispielsweise beim Antirheumaticum "Voltaren" gut 70%)
- Zur Prävention gehören Sicherheitsgurten, Airbag (Frontalkollision), Kopftstützen und nachgebende Rückenlehne (Heckkollision) und eine gute Portion Glück.
- Es gibt also verschiedene Gründe, weshalb sich ein Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule zu einer tragischen Komödie oder einer komischen Tragödie entwickelt.
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