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Wer rastet - der rostet ?
Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (7/97)
"Wer rastet, der rostet", sagt der Volksmund. Und in der Tat, ist Bewegung für den Körper etwas Gutes. Wir wissen, dass uns allen etwas mehr bewegen gut tun würde. Unter "mehr" wird aber von vielen Menschen ganz etwas Unterschiedliches verstanden. Die einen beginnen jetzt im Sommer wegen ihrem schlechten Gewissen mit einem täglichen Joggingprogramm, das rekordverdächtig ist und bald einmal Anlass zu Beschwerden von Knie- und Sprunggelenke geben wird. Die andern kaufen sich ein Buch über Sportübungen, welches sie im Fernsehsessel zu lesen beginnen. Irgendwo dazwischen liegt also die goldene Mitte.
Weiss ich was meinem Körper gut tut oder schadet ?
Dies ist die wichtige Frage. Und die Antwort ist eindeutig. Wir können es nicht wissen! Dazu brauchen wir Spezialkenntnisse und diese erhalten wir von fachkompetenten Spezialisten. Dafür gibt es die Chiropraktoren und Chiropraktorinnen. Was also für unsere beiden Tennisasse Marc Rosset und Martina Hingist gilt, die sich beide dem diagnostischen Wissen und handwerklichem Können eines Chiropraktors anvertrauen, steht also auch Ihnen zur Verfügung. Benützen Sie es !
"Wer rastet, der rostet", hat am Beispiel vom Kopfkreisen und Nackendehnen unrecht: Hier gilt, "wer rastet, schadet sich nicht ! "
So führt das Kopfkreisen je nach der damit ausgelösten Lage der Halswirbelsäule und ihrer benachbarten Halswirbelarterie bereits bei jungen Menschen zu einer ganz normalen arteriellen Durchflussverminderung, die im Extremfall ( siehe unten) bei Kopfrotation und Kopfknickung auf die Gegenseite zu einen hundertprozentigen Stop führt. Es liegt deshalb nahe, dass je nach Abnutzung der Halswirbelsäule und Alter der Halswirbelarterien diese Übung zu einer Durchblutungsstörung des Hirns, zu Schwindel und vielleicht sogar zu einer Schädigung führen kann.
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Gerade |
Gedreht |
Geknickt |
Gedreht und geknickt |
Durchfluss der
rechten Halswirbelarterie in % |
100 % |
75 % |
85 % |
65 % |
Durchfluss der
linken Halswirbelarterie in % |
100 % |
25 % |
100 % |
0 % |
Da die Halswirbelgelenke keine Kugelgelenke sind, sondern nur leichte Schiebe- und in in ihrer Gesamtheit Drehbewegungen erlauben, beinhaltet Kopfkreisen immer ein Risiko. Knicken zur Seite, nach hinten und vorne, alles Abrupte mögen sie nicht. Kopfstände, das Abknicken nach hinten beim Coiffeur (Haare waschen), verkrümmtes Sitzen vor dem Fernseher, das Vorneigen am Pult beim Lesen und natürlich die gängigen gefährlich zu tiefen Einstellungen der Kopfstützen im Auto sollten Sie vermeiden. Mit einer Untersuchung in meiner Praxis habe ich neulich festgestelllt, dass sogar das Tragen einer Brille mit variablem Fokus zu Beschwerden der Halswirbelsäule führen kann! Unbewusst sucht man mit dem Verändern der Kopfstellung ständig die richtige Scharfeinstellung, und das schlägt sich in Nackenschmerzen nieder.
Das Dehnen des Nackens wird immer wieder propagiert und in einer Vielzahl von Praxen und Rheumakliniken sowie Übungsheften zelebriert. Dabei werden die Patienten von ihren Therapeuten und Therapeutinnen darauf aufmerksam gemacht, dass sie eine verkürzte Nackenmuskulatur haben und diese deswegen gedehnt werden müsse.
Tatsache ist jedoch, dass diese zu der posturalen , also Haltungsmukulatur gehört. Und diese ist bei allen Menschen, seitdem wir vom Vierfüssler zum aufrechten Gang gekommen sind, verkürzt. Die Ausnahme der konstitutionell bedingten sogenannt normalen Schulter-Nackenmuskulatur bestätigt nur die Regel. Das Dehnen des Nackens (siehe rechts) sollte also unterlassen werden, da sonst nicht nur die Muskel gedehnt, sondern auch Bänder und Gelenkkapsel der Halswirbelsäule überdehnt und Wirbelgelenke über das individuell zulässige normale Mass bewegt werden.
Wer wirklich etwas Gutes für seine Halswirbelsäule tun will, der kann seinen Nacken mit einer isometrischen Übung stärken. Dazu stehen Sie am besten vor einem Spiegel und halten Ihren Kopf und Nacken gerade. Jetzt üben Sie für ungefähr zehn Sekunden einen sanften Druck mit der linken bzw. rechten Hand auf Ihre Schädelseite, Stirn und Hinterkopf aus und wiederholen dies etwa fünfmal. Richtig führen Sie es durch, wenn Ihr Kopf und Hals gerade bleibt und Sie unwillkürlich mit dem Kopf eine gleich grosse Kraft ausüben, wie ihre Hand dies tut.
Und hier noch drei Tips:
- Duschen Sie täglich mindestens zweimal Hinterkopf und Nacken sehr warm für mindestens fünf Minuten.
- Gebrauchen Sie zum Schlafen ein Hirsekissen.
- Drehen Sie beim Stehen statt den Kopf den ganzen Körper mit den Füssen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer.
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