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"Rheuma und Psyche"
Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (11/96)
- Einführung, warum gerade dieses Thema
- Der Chiropraktor, Diagnostiker und Ganzheittherapeut
- Mensch und sozialer Wandel heute
- Fallbeispiel aus der Praxis
- Gelenkkranke sind Diskriminierte
- Ein Denkmodell als Ausweg
- Eine praktische Lösung: Hilfe zur Selbsthilfe
- Informationen über Erfahrungen mit Selbsthilfe-Kurse
1) Einführung: Warum gerade dieses Thema ?
Im Unterschied zu anderen Vorträgen, die ich schon gehalten habe, sei es "was ist Chiropraktik?", oder "was kann man gegen Rückenschmerzen tun?", etc., möchte ich Sie heute in eine Gedankenwelt einführen, die mich als Chiropraktor mit einer über 10-jährigen Praxiserfahrung je länger je mehr beschäftigt und gleichzeitig fasziniert:Rheuma und Psyche"
Am Beispiel von " Rheuma und Psyche" möchte ich Ihnen Einblick geben in die Zusammenhänge von Krankheit und Gesundheit im Lichte der heutigen Zeit. Ich möchte Ihnen demonstrieren, wie schwer sich ein gesunder Mensch in der heutigen Zeit mit seinem Leben tut, um wieviel schwerer es ein kranker Mensch hat - in unserem Fall ein Rückenkranker - sich in der Welt von heute zu behaupten.
Ich möchte Sie informieren über die Möglichkeit eines Ausweges aus den heutigen Problemen, die unsere Seele so stark belasten, dass endlich auch der Körper zugrunde gehen kann.
2) Der Chiropraktor, Diagnostiker und Ganzheittherapeut
Was die Tätigkeit des Chiropraktors betrifft, so ist diese im Volke nach wie vor nur ungenügend bekannt. Wahrscheinlich erst 50% der erwerbstätigen Schweizer wissen, dass es einen Beruf wie den eines Chiropraktors gibt, und dass dieser Funktionsstörungen des Bewegungsapparates behandelt.
Seit 1964 die chiropraktische Behandlung durch den Chiropraktor als selbständige Medizinalperson von allen schweizerischen Krankenkassen als Pflichtleistung übernommen wurde und sich der Gelenkleidende direkt, also ohne Zuweisung eines anderen Arztes, zum Chiropraktor in die Behandlung begeben kann, seit dieser Zeit wissen immer mehr Leute, dass die Chiropraktik eine medikamentenfreie Handgrifftherapie ist, die optimal Hexenschuss, Ischiasschmerzen, Arm-Nervenschmerzen, Nacken- und Kopfschmerzen etc. heilt.
Seit 16 Jahren wissen auch die Krankenkassen und neu auch SUVA und Militärversicherung, dass die Betreuung der Rheumakranken durch den Chiropraktor sehr kostengünstig ist, der Patient wesentlich früher wieder arbeitsfähig ist und die chiropraktische Behandlung weitgehend der medikamentösen Behandlung überlegen ist.
Sicher haben Medikamente auch ihren Stellenwert im Rahmen der Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, sind aber weitgehend nicht notwendig und teuer und bieten letztlich für den Patienten immer ein Risiko.
Was im Volke jedoch recht wenig bekannt ist, ist die Tatsache, dass der Chiropraktor nach einer mehrjährigen Assistenzzeit in der Schweiz ein interkantonales Staatsexamen absolviert und dabei nicht nur in den medizinischen Grundfächern wie Anatomie, Physiologie etc. geprüft wird, sondern auch Fachprüfungen in Rheumatologie, Orthopädie, Neurologie, Röntgenkunde, Labor, etc. vor Hochschuldozenten zu bestehen hat.
Dieses breitgestreute und fundierte Fachwissen ist notwendig um im Rahmen des KUVG und der kantonalen Verordnung als selbständige Medizinalperson tätig zu sein. Der Chiropraktor ist zuerst eben ein DIAGNOSTIKER, bevor er überhaupt einen Behandlungsplan aufstellt und anschliessend sein eigentliches Fachgebiet, die Chiropraktik, ausüben kann. In diesem Sinne ist der Chiropraktor wie jeder Arzt ständig auf der Suche nach dem WIE, WAS, WO, WARUM, WOHIN, WOMIT? einer Funktionsstörung. Er ist wie ein Detektiv, der aus einer Unzahl von Symptomen einer Erkrankung diverse Symptome wie Bausteine zu einem Mosaik zusammentragen muss, um so zu einer genauen Diagnose zu kommen, noch bevor überhaupt eine eigentliche Therapie eingeleitet werden kann.
Zu den Bausteinen einer genauen Diagnose gehört nun auch die Beurteilung der psychischen Grundhaltung des Patienten, ohne die zweifellos jede Diagnose zu einer Fehldiagnose wird.
Wir alle wissen, dass sich die Psyche eines gesunden Menschen sehr schnell verändern kann, da der Zustand unseres Seelenlebens sehr stark von äusseren Einflüssen abhängig ist.
In noch viel stärkerem Masse trifft dies nun beim kranken Menschen zu. Besonders beim Gelenkleidenden, beim Rheumatiker, beim Rückenkranken ist dies der Fall. Dies trifft besonders bei einem Patienten zu, der zum erstenmal in seinem Leben krank ist, wie z.B. bei einem länger dauernden Rückenleiden, bei einer akuten "Ischias", wo sich die Behandlung über mehrere Wochen erstrecken kann.
Diese Veränderung im Psychogramm des Patienten gilt es nun bei der Behandlung durch den Chiropraktor bei jeder Behandlung neu zu berücksichtigen. In diesem Sinne ist der Chiropraktor neben einem Diagnostiker auch ein Begleiter des Patienten. Er begleitet ihn durch die "Hoch's" und "Tief's" seines Schmerzerlebnisses. Endlich ist er noch der Therapeut, der durch gezielte Handgrifftherapie den kranken Mitmenschen von seinem Gelenkund Nervenleiden zu befreien versucht.
Der Chiropraktor arbeitet also mit einem Intensivprogramm, das täglich vom Chiropraktor sehr viel an körperlicher und geistiger Substanz erfordert. Kranke Menschen heilen zu helfen bedeutet also für den Chiropraktor nicht nur Dankbarkeit, sondern ebenso viel Frustration im täglichen Umgang mit seinen Patienten.
Warum ?
Weil der Kranke heute keine Zeit mehr hat gesund zu werden !
3) Der Mensch und sozialer Wandel heute
So gibt es täglich in meiner Praxis Patienten, die sich furchtbar aufregen, wenn sie zeitweise mehr als 20 Minuten auf den lieben Doktor der Chiropraktik warten müssen.
Meine Antwort zu diesem Verhalten ist klar: Je länger je mehr ist es heute unmöglich in der täglichen Sprechstunde einen genauen Zeitplan einzuhalten, da eben jeder Gelenkkranke, jeder Mensch, ein Individuum ist mit ganz spezifischen Merkmalen und ein ganz unterschiedliches Reaktionsmuster auf die mitgestörte Umwelt zeigt.
Zudem bringt jeder Kranke unterschiedliche Krankheitssymptome mit und somit jedes Leiden einen anderen Krankheitsverlauf. All diese Tatsachen muss der Chiropraktor vor jeder Behandlung berücksichtigen.
Jeder Gelenkkranke, in seiner Körperfunktion eingeschränkte Mensch, bedeutet also jedesmal neu für den Chiropraktor eine neue Herausfoderung an sein differentialdiagnostisches Wissen und endlich auch an seine therapeutische Fähigkeiten. Eine chiropraktische Praxis ist kein Ort für Massenabfertigung, für Steckdosenmedizin, keine Fliessbandanstalt, obwohl der Kranke zwangsläufig warten muss und in einer Praxis auch andere Kranke sieht. Eine seriöse Betreuung und Behandlung der Patienten erfordert eben seinen Tribut auch an die Zeit, und diese sollte, wer denn anders, mindestens der Kranke haben !
Es erstaunt, dass es immer wieder Menschen gibt, die ohne Murren 50 Fr. einem "Wunderheiler" für 2 Minuten Handauflegen bezahlen, gleichzeitig aber nicht gewillt sind, in einer Fachpraxis beim Spezialisten Zeit für sich selbst und seine Gesundheit zu haben. In was für einer Zeit stehen wir denn eigentlich? Was für ein Zeitgeist bringt uns dazu, das Wahre vom Falschen nicht mehr unterscheiden zu können? Was bringt Menschen dazu, den Chiropraktor - oder im weitesten Sinne den Mitmenschen - mit seinen Aggressionen als Hundetoilette zu missbrauchen?
Es ist die Zeit der Wissensexpiosion und gleichzeitig der unendlichen seelischen Verunsicherung und Leere. Die Atombombe ist gezündet, die Amerikaner auf dem Mond gelandet, und unzählige junge Menschen suchen ihren Guru, ihren Erlöser, ihren Führer, ihren Vater, im fernen Nepal oder in den grenzüberschreitenden Drogen.
Es ist eine Wissensexpiosion eingetreten wie nie zuvor. Allein von 1950 - 1966 hat sich in 16 Jahren das Wissen um 300% vergrössert! Inzwischen gibt es weltweit über 30'000 Berufe. Unsere Gehirnzellen, unsere neuronalen Schaltungen, unsere Hirnrinde sind nicht mehr fähig alle Erkenntnisse zu speichern und zu verarbeiten. Unser Geist wird trotz Grosscomputer und Mikroschaltungen überfordert.
Der Geist ist wie ein Fallschirm. Er kann nur funktionieren, wenn er offen ist. So ist es heute kein Wunder, dass unser Fallschirm von vielen nicht mehr geöffnet werden kann und wir im freien Fall ins existentielle Vakuum versinken. Wir haben für unsere Zeit kein Verständnis mehr, wir fühlen uns überrollt und können so letztlich unser eigenes Leben nur noch als sinnlos empfinden.
Wer aber sein eigenes Leben als sinnlos empfindet, der ist nicht nur unglücklich, sondern auch kaum mehr lebensfähig. Er ist wie eine Maschine mit eingebautem Sprengsatz, er zerstört sich selbst. Das Leben beginnt mit der Befruchtung der Zelle und das Verständnis für das Leben in der Familie. Wenn in der Urzelle der Gesellschaft, in der Familie, ein Versagen vorliegt, wird auch der soziale Wandel auf die falsche Bahn gelenkt. Diese christliche Erkenntnis haben sich nicht zuletzt auch die sozialistisch-marxistischen Doktrinen zu Nutze gemacht.
Bewusst wird in den Oststaaten das Kleinkind möglichst früh von den Eltern getrennt, damit es ja nicht vom Geist und der Lebenserfahrung der Eltern, sondern von parteigenehmen Lösungen und Zielsetzungen geprägt wird.
Wenn in Afrika bei polygamen Völkern das Kleinkind die Chance hat während der ersten zwei Lebensjahren nur in der Geborgenheit seiner Mutter zu sein, so wird dies von den Europäern belächelt. Wenn aber in der Bundesrepublik Deutschland die Jugendlichen ein neues Jugendgesetz bekommen sollen, das Minderjährigen massive Rechte gibt um sich frühzeitig aus der elterlichen Gewalt begeben zu können, dann wird dies hier als politisch klug, progressiv, zeitgemäss und gut angesehen.
In der Schweiz ist echte Armut selten. Trotzdem ist unsere Gesellschaft unzufrieden. Wenn die ältere Generation noch an Entbehrung gewöhnt war, so verlangt heute die im Wohlstand aufgepäppelte Nachfolgegeneration mit ausschweifenden Forderungen einen raschen sozialen Wandel. Ein Wandel wohin?
Mit Lösungen wie "mehr Lebensqualität" verunsichern heute Leute, die aus den Kinderschuhen der Hochschultumulten von 1968 gross geworden sind, die Gesellschaft. Diese wollen mehr Annehmlichkeiten des Lebens, noch mehr soziale Sicherheit, Entlastung von harter Arbeit und noch mehr Freizeitgenüsse. Sie möchten Alternativler sein, Bauer sein, auf der Scholle leben können, gleichzeitig aber jede erdenkliche Sicherheit haben.
Vor allem soll der Staat, die Gesellschaft, die Andern dafür sorgen, dass der Einzelne fast nur noch Lust empfindet und kaum mehr Unlust in Kauf zu nehmen braucht.
Krankenkassen sind da, um gebraucht zu werden, auch wenn man nicht krank ist. Zahnbehandlungen sollen die Kassen bezahlen, auch wenn man seine eigenen Zähne nicht putzt. Krankenkassen sollen Absatzkorrekturen, Schuheinlagen und Brillen bezahlen, weil man ja genügend für diese dort bezahlt.
Mindestens soviel sollten sie bezahlen, wie man jährlich einzahlt, oder noch besser - mehr. Also warum nicht einen Kuraufenthalt in einer Bäderklinik, einen Arzt, der diese verschreibt, wird man ja schon irgendwie finden.
"Recht auf Alles", auch auf die Gesundheit sind Schlagworte des neuen Menschen, vor deren Verantwortung man sich aber ebenso schnell drückt. So fordern die deutschen Gewerkschaften wieder einmal mehr Lohn, mehr Freizeit und weniger Arbeitszeit. Nichts gegen eine Organisation, die zwangsläufig aus der Evolution einer Industriegesellschaft entstanden ist und die ihre Berechtigung hat.
Die erwähnten Schlagworte sind zwar modern, beeindrucken, bestechen durch Klarheit, entbehren jedoch den Sinn für die Realität unserer Gesellschaft, wo letztlich jeder auf jeden angewiesen ist. Der Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer und umgekehrt.
Wir sitzen alle im gleichen Boot !
Mehr Lust, weniger Unlust !
Dieser kindliche Urschrei hallt durch unser Land. Weniger Schmerz ist "in", ist leichter als produzieren und Eigenverantwortung zeigen.
Heute gibt es ja Medikamente für "alles". Medikamente, die das Gleichgewicht von Geist und Körper wieder herstellen sollen. Medikamente zum abnehmen, Medikamente zum "fit" werden. Der Griff nach der Schmerzpille ist gleichsam Reflex auf die Unlust und der Glaube an das Medikament ist stark, nach Statistik von Antirheumatika sogar so stark, dass 60-80 von 100 Rheumatikern allein durch den Glauben an das "Medikament" gesund werden, wie klinische Teste mit den Placebo, Pillen ohne Wirkstoffe, zeigen.
Unsere Zeit produziert täglich Angstgefühle. Unsere Massenmedien bombardieren uns täglich mit den neuesten Schreckensmeldungen. Terroristen in Zürich und Khomeni sind "in". Kein Wunder, dass der Griff zum Medikament gegen die Angst und gegen die Schlaflosigkeit immer häufiger wird.
In den USA allein werden jährlich 25 Millionen Rezepte für Schlafmittel ausgestellt und über 8 Millionen Menschen gebrauchen Schlafmittel im Verlaufe eines Jahres. Der Kostenaufwand in den USA beträgt über 900 Millionen Schweizer Franken pro Jahr!
Und dies, obwohl die nationale Akademie der Wissenschaften der USA schreibt: ...."Schlafmittel sollten nur begrenzt eingenommen werden. Es ist schwierig, einen grossen Teil der heutigen Verschreibungspraxis zu rechtfertigen .... " .
Hier wäre zu ergänzen, dass eingehende Beratung des Kranken und alternative Therapieformen vorhanden sind, jedoch wesentlich zeitaufwendiger als das Verschreiben von Schlafmitteln
sind.
Der Mensch von heute ist immer weniger fähig, sich vom Konsumenten abzuwenden und letztlich sich selbst helfen zu können. Ein gutes Beispiel dazu ist ein Ausschnitt aus einem Leserbrief der "NZZ" betreffend "Kuraufenthalt in Rheumakliniken". Da schreibt doch ein soeben aus der Kur Entlassener folgendes:
... "Den allermeisten Leuten ergeht es in der Rheumaklinik schlimmer (!) als im Zivilleben. Sie wissen hier, getrennt von Familie und der gewohnten Umgebung, noch weniger mit der Freizeit anzufangen. Sie sitzen frustriert und oft zutiefst deprimiert in der Cafeteria und klagen über echte und vermeintliche Gebrechen.
Für viele Leute wäre auch eine Freizeittherapie notwendig. Ich unterschätze die Überbelastung des Personals nicht. Vielleicht liesse sich aber trotzdem etwas machen: Filmvorführungen, Disskussionsabende mit Vorträgen, Wettbewerben usw.... Alles in Massen aber etwas mehr wäre meiner Erfahrung nach bitter nötig" ........
Also doch auch bei Erwachsenen mehr Recht auf mehr Lust und Freizeittherapie. Der Mensch ist heute also nicht einmal mehr fähig seine Freizeit selber zu planen.
Dazu noch ein anderer Gedanke: Aus einem Jahresbericht einer Rheumaklinik geht hervor, dass 3000 Patienten wegen rheumatischen Krankheiten behandelt wurden. Gleichzeitig wird aber in dieser Statistik der prozentuale Anteil derjenigen verschwiegen, die psychosomatisch krank sind.
Dies wäre ehrlich und nicht mehr als recht, aber eben, psychisch krank zu sein ist nicht modern und der Einweisungsgrund "psychisch krank" für eine stationäre Badekur würde wohl kaum von einer Krankenkasse akzeptiert werden. Trotzdem ist sehr oft der "psychisch und rheumatisch Erkrankte" ein und dieselbe Person, da sich Geist und Körper eines Erkrankten nicht trennen lässt.
Wenn der grösste Prozentsatz von Spitalpatienten wegen Medikamenten-Missbrauch, Medikamentenschaden und Alkoholismus in den Spitälern anderen Erkrankten ihren Platz wegnimmt und eine kostspielige Behandlung benötigt, so ist dies ein anderer Aspekt, der auch einmal erwähnt werden muss.
Neben Drogenmissbrauch scheint eben auch der Alkohol- und Medikamentenmissbrauch Zeichen unserer Leistungsgesellschaft und unserer Existenzangst und unserer ewigen Frage nach dem Sinn des Lebens zu sein.
Mehr Toleranz als mehr Bruttosozialprodukt, mehr Selbstverantwortung als mehr Staat wäre erstrebenswert und machbar. Aber eben Massenmedien wie Radio und Fernsehen versorgen heute die Masse Mensch mit Einheitskost, Lust und sogenannter Information, die doch nur verwirrt.
Wer die Telearena-Sendung mit dem Thema "Treue" gesehen hat, konnte sich selbst ein Bild machen. Statt dass der Zuschauer von wenigen kompetenten Fachleuten über den Begriff der Treue, bzw. nach dem Warum der Untreue informiert worden wäre, wurden einminütige Einzelmeinungen von Laien aneinandergereiht, Bettszenen demonstriert und der Zuschauer am Schluss der Sendung einmal mehr allein gelassen. Hier wäre es wichtig gewesen die Frage nach dem Warum zu begründen. Wertvoll wäre es gewesen auf die Tatsache hinzuweisen, dass eben Wissenschaft, Technik, Wirtschaft, aber auch Rechtsstaat und Demokratie zwar das Individuum aus den alten Zwängen der kirchlichen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen loslösten, aber die Menschen zusehends auf sich selbst in eine Freiheit stellten, wie sie die Welt nie zuvor und nirgends gesehen und gewährt hat.
In dem Masse wie z.B. die Frau in den Arbeitsprozess eingegliedert wurde, gewann sie auch an Gleichberechtigung. Selbst vor dem Intimbereich machte die Bewegung nicht halt, zerbrach Jahrhundertealte Tabus und verkündete totale Freiheit im Namen des Lustprinzipes. Ins gleiche Horn stossen heute auch die Massenmedien mit sensationsaufbereiteter Hausmannskost, alles mediengerecht, dramatisierend a à la Kassensturz und eine Unzufriedenheit im Volke züchtend, die einem nur noch traurig stimmt.
Was bedeuten nun diese Gedanken zum Thema ''Rheuma und Psyche"?
Sie sollen Ihnen das Verständnis geben, die Zusammenhänge zwischen geistigem Zustand des Menschen und seiner körperlichen Funktionstüchtigkeit zu sehen. Weil eben in einem gesunden Körper extrem gesagt nur ein gesunder Geist sein kann und umgekehrt. Weil sich Geist und Körper harmonisch ergänzen und wie Gewichte einer Waage gleich schwer sein sollten. Befindet sich diese Geist-Körper-Waage im Ungleichgewicht, so tritt eben eine Erkrankung ein. Dass diese bei vielen Krankheiten, wenn auch nicht bei allen, der Fall ist, das wissen wir heute. Wer heute an Magenstörungen leidet und einen Gastroenterologen aufsucht, einen Facharzt, der leidet mit grosser Wahrscheinlichkeit an einer Funktionsstörung, die nicht körperlich, sondern seelisch bedingt ist. Ein eventuelles Magengeschwür ist in diesem Falle nur die Folge eines psychischen Ungleichgewichtes. Entsprechende Medikamentation kann zwar das Magengeschwür erträglicher machen, ist aber letztlich nur eine Maskierung des eigentlichen Problems, nämlich einer gestörten Beziehung Mensch/Umwelt.
Ohne Einbezug dieser Tatsache wird beim Magenkranken wohl kaum eine Dauerheilung eintreten.
Wer an Schlafstörungen leidet und sich mit Schlafmitteln befriedigt, betrügt sich selbst. Nicht umsonst trauern wir alle dem guten alten Hausarzt nach, der uns zu Hause besuchte und noch die ganze Familie kannte. Er war es, der als erster nicht nur diese Zusammenhänge spürte, sondern sie auch den Menschen verständlich machte.
Heute sollte der reife Mensch selbst fähig sein, diese Vorgänge wahrzunehmen und sich selbst und seiner Familie helfen zu können. Aber dazu müsste man ehrlich sein, tolerant und eben "menschlich" Mensch sein. Dass der heutige Mensch dies jedoch je länger je mehr verlernt hat, das beweisen uns die Krankenstatistiken .
So scheint es mir ist es heute Aufgabe einiger Wenigen, Vieles für Viele zu tun, statt dass Viele wenig noch für Wenige zu tun brauchten ,um das Gleichgewicht von Psyche und Körper aufrecht zu halten.
Heute geistert zwar der Ruf nach Ganzheitsmedizin, d.h. Einbezug von Geist und Körperfunktion in das therapeutische Spektrum, doch ist dies äusserst schwierig.
Ist man als Therapeut idealistisch und setzt sich für seine Mitmenschen eben "ganz" ein, versucht dem Patienten das Verständnis für den Zusammenhang von dem schon den Griechen bekannten Satz "ein gesunder Geist in einem gesunden Körper" bekannt zu machen und ihn auf seine ihm innewohnende eigene Kraft aufmerksam zu machen, so tritt nur all zu oft eine alles frustrierende Verständnislosigkeit auf.
Täglich kann man dies als Chiropraktor erleben, besteht doch sein Krankengut zwar aus den gleichen Menschen, die auch in einer allgemeinen Praxis oder in einer rheumatologischen Praxis zu finden sind. Doch sind es akute und chronische Patienten mit zum Teil recht schmerzhaften Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, die eine äusserst intensive Pflege bedürfen. Neben den eingangs erwähnten differentialdiagnostischen Schwierigkeiten, nämlich das Herausfinden der Diagnose des körperlichen Leidens, so bedeutet gleichzeitig die psychische Betreuung eine enorme Anstrengung. Warum?
Weil der heutige Mensch immer schwieriger wird, sich immer schwerer tut mit sich selbst und mit seiner Umwelt. Und hier muss der Chiropraktor aus menschlichem Empfinden heraus sich seinen Patienten annehmen und ihnen dort helfen, wo eigentlich die Betreuung durch die Eltern des Patienten aufhörte oder versagte.
Dazu möchte ich Ihnen einige ganz konkrete
4) Fallbeispiele aus der Praxis erzählen:
1 ) Beispiel eines alltäglichen Falles:
...... es ist dies eine 30-jährige Frau, Mutter von 2 Kindern.
Ein Kind geht in den Kindergarten, das andere in die zweite Klasse. Der Ehemann arbeitet in Zürich. Plötzlich erleidet die Frau einen akuten Ischias-Nervenschmerz. Medikamentöse Betreuung durch den Hausarzt bringt nicht die erhoffte Schmerzbefreiung, die Frau kommt in meine Sprechstunde.
- erste Massnahme ist die, dass ich die Frau arbeitsunfähig erklären muss.
- zweite Massnahme, die Frau muss ab sofort zu Hause dasBett hüten, darf das Bett nur noch für die Toilette etc. verlassen.
- Das Kleinkind muss-der Schwiegermutter zur Betreuung überlassen werden.
- Eine Gemeindehelferin wird um ihre Hilfe angefragt, kann aber erst in einer Woche der Frau den Haushalt machen.
Nach weiteren zwei Wochen Erkrankung beginnt sich der Gesundheitszustand zu verschlechtern, ohne dass klare neurologische Zeichen einer weiteren Schädigung des Ischiasnerves vorliegen. Was ist passiert?
Die Patientin erwartete von mir eine spontane Wunderheilung, doch ist diese nach den ersten fünf Behandlungen nicht eingetreten. Die junge Frau zeigt jetzt das Zustandsbild einer beginnenden Depression. Zusätzlich wird sie jetzt von den lieben Bekannten und Verwandten telefonisch und persönlich mit tausend sogenannten gut gemeinten Ratschlägen bestürmt. Einmal wird ihr angeraten unter das Bett einen Spiegel zu legen, dann wegen vermeintlichen Wasseradern die Lage des Bettes zu wechseln, dann doch lieber einen Spezialisten für Bandscheibenoperationen beizuziehen, dann wieder Rheuma-Tee zu trinken etc.
In der fünften Woche tritt bei der Patientin erneut ein seelisches "Tief" ein. Die Frau beginnt jetzt plötzlich in meinem Sprechzimmer zu weinen. Auf die Frage, was denn jetzt wieder los sei, meint die Frau nach längerem Zögern, dass ihr Ehemann glaube, dass sie nur simuliere. Nach intensiverem Gespräch erwähnt sie endlich den wichtigsten Grund: Ihr Ehemann habe kein Verständnis dafür, dass sie ihn wegen dem Bandscheibenvorfall nicht mehr lieben könne. Er meine, sie habe ihn nicht mehr gerne. Jetzt habe ich also die Erklärung dafür, warum sich der Nervenschmerz dieser Frau zusehends verstärkte. Es war also nicht nur der Druck der Bandscheibe auf den Beinnerven, sondern vielmehr das totale Unverständnis des Ehemannes auf die akute körperliche Erkrankung seiner Frau.
Dieses Beispiel zeigt also den Zusammenhang von degenerativ rheumatischem Leiden und psychischem Zustand der Erkrankten. Denn nachdem ich den Ehemann in meine Sprechstunde zitierte und ich diesem sagen konnte, dass seine Frau tatsächlich krank sei, auch wenn sie aus keiner Wunde blute, war der Bann gelöst. Der Ehemann begann sich nun um seine Frau echt zu kümmern und brachte ihr erstmals Verständnis entgegen. Nach zwei weiteren Wochen konnte ich die Patientin dank meiner Behandlung und Lösung des Ehekonfliktes als geheilt entlassen.
2) Beispiel eines nicht alltäglichen Falles:
...... es ist ein 18-jähriges Mädchen, das an Schmerzen des ganzen Bewegungsapparates leidet, die Folge einer vererbten Überbeweglichkeit der Gelenke sind.
Die Tochter stammt aus ganz zerrütteten Familienverhältnissen. Der Vater lebt getrennt von seiner Frau, ist invalid und war wegen Gewaltverbrechen für längere Zeit im Gefängnis.
Eine jüngere Schwester lebt ebenfalls in der Zweizimmerwohnung des Vaters. Sie selbst lebt bei ihrer Mutter, die sehr labil ist, in der Scheidung steht, früher dem horizontalen Gewerbe
nachging und sehr stolz darauf ist, dass ihre Tochter seit sie 16-jährig war, nicht nur einen, sondern zwei ständige Verehrer hat.
Das 18-jährige Mädchen - und hier wird die Überraschung perfekt - steht nicht in irgendeiner Lehre, sondern reinigt als einzige Arbeit nur die 4-Zimmerwohnung der Mutter, in der sich überdies noch ein Untermieter befindet, nach Aussage der Mutter soll dies ihr persönlicher Verehrer sein.
Hier würde eine rein somatische Behandlung wohl dem Mädchen eine temporäre Schmerzlinderung bringen, Kenntnisse der Familiengeschichte drängen jedoch auf ein soziales Engagement des Chiropraktors. In diesem Sinne führte ich denn auch längere Gespräche mit dem Mädchen und mit der Mutter, die wegen der Einfachheit und Labilität der Gesprächspartner äusserst mühsam waren.
Ein Telefongespräch mit einem Berufsberater und viele andere Engagements mit dem Sozialamt und anderen Institutionen während und nach der Praxiszeit waren notwendig um das Mädchen auf andere Bahnen zu lenken und dieses am Schluss noch davor zu warnen, schwanger zu werden, bevor es einen richtigen Beruf erlernt hat.
3) Beispiel einer Krebserkrankten:
...... Hier handelt es sich um eine 38-jährige Frau und Mutter eines 9-jährigen Knabens, glücklich verheiratet. Vor drei Jahren wurde ein bösartiger Eierstocktumor entfernt, vor drei Monaten wurde wegen unklaren Unterbauchbeschwerden und Rückenschmerzen eine Leberbiopsie gemacht. Diagnose: Metastasen, Krebsableger in der Leber. Prognose: schlecht.
Diese Frau ist eine alte Bekannte, sehr nette Patientin, die ich schon seit mehreren Jahren kenne.
Die Patientin beklagt sich jetzt über die erwähnten Unterbauchund Rückenbeschwerden.
Im Gespräch mit der lieben Frau erfahre ich, dass sie vom diagnostisch sehr guten Spitalarzt über ihr Leiden aufgeklärt wurde, jedoch in einer Art und Weise, dass sie sich wie "enthauptet"
vorgekommen sei. Weiter habe sie bis jetzt nur ihren Ehemann über ihr Leiden informiert, ihrer Verwandtschaft könne sie dies nicht sagen, da diese sonst nur falsches Mitleid zeige. Auf Befragen gibt sie weiter an, dass sie auch ihrem 9-jährigen Sohn nichts gesagt habe. Dieser spüre jedoch "irgendetwas", wolle er doch seiner jetzt leicht gehbehinderten Mutter helfen wie nie zuvor.
Auch hier könnte zwar meine Behandlung erfahrungsgemäss die Gelenkschmerzen günstig beeinflussen, besonders da das Skelett vom Tumor noch nicht heimgesucht wurde. Dringendere Massnahmen sind jedoch zusätzlich notwendig: Der Frau muss rasch Hilfe zukommen und zwar drängt es sich auf, den Ehemann in meine Sprechstunde zu bitten und ihm Ratschläge aus meiner Sicht zu geben. So wurde es möglich, dass das Ehepaar zusammen mit ihrem Sohn eine Reise machte, die sie alle einmal gewünscht hatten, jedoch erst in 10 Jahren machen wollten. Weiter konnte sich die Frau mit einer speziellen Technik, die ich ihr zeigte, mit dem Seelenleben des Kindes vertraut machen, und eine Beziehung zwischen ihr und dem Sohn schaffen, die auch noch nach dem Tod der Frau anhielt.
Diese wenigen Beispiele aus der Praxis mögen Ihnen zeigen, dass es seelische und körperliche Funktionsstörungen gibt, die in einer engen Wechselwirkung zueinander stehen.
Was ist nun allen Rückenleidenden gemeinsam?
5) Gelenkkranke sind Diskriminierte
Es ist dies, dass alle Rückenkranke von der Gesellschaft mehr oder weniger diskriminiert werden.
Die Gelenkkranken werden von der Gesellschaft behandelt, als ob sie Simulanten wären.
Eine Gesellschaft jedoch, die wie wir sahen, sich wie nie zuvor in einem sozialen Wandel befindet und wie eine Herde ohne Führer ist, hilflos und allen Tendenzen, allen Strömungen ausgeliefert. Eine Gesellschaft, die sich nicht nur intolerant den Gesunden, sondern in noch viel stärkerem Masse intolerant den Kranken zeigt. Eine Gesellschaft, die verächtlich einen Kranken und insbesonders den Rückenkranken betrachtet - "du bist jetzt eben alt geworden", "du magst auch nicht mehr so wie früher" etc. - und nur froh ist, dass sie noch immer sogenannt "gesund" ist und noch da ist, noch lebt.
Eine Gesellschaft, Menschen, die das Verständnis für die inneren Zusammenhänge von Körper und Geist weitgehend verloren hat und die dann selbst hilflos da stehen, wenn sie selbst betroffen sind.
Gelenkkranke sind also praktisch Freiwild der Gesellschaft, sind Simulanten, wie sie das zürcherische Ärztegutachten aus dem Jahre 1959 bezeichnete, das im Auftrag des Regierungsrates des Kantons Zürich erstellt wurde. Es war damals die Zeit, als die Wirbelsäule als Krankheitsfaktor noch nicht anerkannt wurde und schriftlich vermerkt wurde, dass jeder Rückenkranke ein Simulant sei und die Chiropraktik eine Kurpfuscherei.
Zeiten ändern sich zwar, die Intoleranz beim Menschen jedoch offensichtlich nicht.
Gelenkkranke sind also Diskriminierte: Warum ?
- weil sie Schmerzen haben, deren Intensität vom Mitmenschen nur erahnt werden, jedoch nicht objektiviert werden kann.
- weil sie sich nicht mehr richtig bewegen können, weil eine Funktionsstörung vom Mitmenschen als "Schwäche" angesehen wird.
- weil sie nicht mehr arbeiten können. Weil Arbeit im Haushalt oder am Arbeitsplatz Produktivität ist und nicht-Produktivität nicht gewünscht wird.
- weil die Funktionsstörung nicht "dramatisch" aussieht, "man sieht ja nichts", es gibt keine offenen Wunden, kein Gipsverband etc.
- weil "krank sein" vom Mitmenschen nur allzu gerne verdrängt wird und vom Mitmenschen ein echtes Engagement erfordert.
Denn Krankheit ist das Böse, Gesundheit ist das Gute
krank
schwach
hässlich
arm
erfolglos
alt
"out" |
gesund
fit
schön
reich
erfolgreich
jung
"in" |
6) Ein Denkmodell als Ausweg
Gibt es eine Ausweg aus der Intoleranz der Gesellschaft. Gibt es eine Lösung um die Unzufriedenheit unserer heutigen Gesellschaft sich selbst und den Mitmenschen gegenüber abzubauen? Ich glaube Ja.
Dies setzt jedoch voraus, dass wir uns einmal mehr der Tatsache bewusst werden, dass äussere Impulse, negative aber auch positive, einen ungeheuren Einfluss auf unseren Geist und somit auch auf unseren Körper ausüben.
Am Beispiel der Gesundheitsschaukel kann man dies am besten erklären:
A. Der Mensch ist körperlich und seelisch gesund, wenn sowohl Körper als auch Geist im Gleichgewicht zueinander stehen. Trotz äusseren Einflüssen stehen sowohl unser "inneres" Leben, als auch unsere Körperfunktionen in einem geordneten Verhältnis zueinander. Kurz, wir sind im Gleichgewicht.
B. Tritt eine körperliche Fehlfunktion ein, z.B. ein akutes Bandscheibenleiden, so überwiegt die Krankheit die normale Gesamtfunktion.
C. Bringen äussere Faktoren unser seelisches Gleichgewicht bei noch intakter körperlicher Funktion in ein Ungleichgewicht, dann entsteht auch eine Krankheit, eine seelische Fehlfunktion.
Bei jeder Krankheit, auch bei Gelenkerkrankungen, rheumatischen Leiden etc., kann nun eine Schaukelwirkung entstehen, bei der eine stetige Wechselwirkung von B. und C. auftreten kann. Dies gilt es also für jeden Menschen zu bedenken, damit er selbst seine eigenen Körperfunktionen und Reaktionsmuster versteht. Denn nur so versteht er endlich auch seinen gesunden oder kranken Mitmenschen.
Versteht er sich selbst, ist er selbst einmal krank, dann bietet ihm die Krankheit nicht nur Leiden und Schmerz, sondern auch die Möglichkeit zur Selbstbesinnung.
Krankheit wird so zur Chance über Vergangenes, Gegenwärtiges und Mögliches nachzudenken.
Um unser Leben positiv beeinflussen zu können, um Kranke besser verstehen zu lernen, müssen wir den Glauben an eine Selbstheilung ! haben, etwas was wir in unserer Zeit immer weniger haben.
Wenn allein der Glaube an ein Medikament wie an ein Antirheumatikum mindesten 60% ausmacht um eine Schmerzlinderung zu erreichen und die Heilung einzuleiten, so soll diese Tatsache Ungläubige an eine Kraft glauben machen, die so meine ich, jeder von uns, wenn auch nur noch verkümmert, noch immer hat. Denn auf was anderes beruht die Wunderwirkung der alten Medizinmänner, die mit ihrem farbigen Federschmuck, mit ihren Riten um das Feuer tanzten und die bösen Geister aus den Kranken vertrieben, als auf eben diesen einen Glauben.
Worauf anders beruht denn die sogenannte wundersame magnetopathische Heilwirkung unserer aargauischen "Wunderheiler", die wie Pilze aus dem Boden schiessen, als auf eben dieser Übertragung des Glaubens an die Heilung suchenden
Menschen ?
Statt für teures Geld Schutz vor den bösen Geistern bei den
Handauflegern zu suchen genügt es an sich selbst zu glauben und so ein Selbstvertrauen aufzubauen, das uns allen mehr oder weniger in dieser Zeit so fehlt.
Bei den asiatischen gläubigen Völkern wird dieser positive Geist in einfacher Form, aber äusserst wirkungsvoll bereits den Kleinkindern von ihren Müttern und Grosseltern übertragen.
So sollte auch bei uns bei den Kleinkindern mit diesem geistigen Aufbau begonnen werden und zwar in einer praxisnahen und realen Form.
Bereits beim Kleinkind sollte in einfacher und für das Kind verständlicher Form über Angst, Tod, Lebenssinn gesprochen werden und somit das Kind betreffend späterer Partnerschaft und Gesellschaftsverhalten positiv beeinflusst werden. Dies ist möglich und machbar und manche werden erstaunt sein, wenn sie mit ihren Kindern solche Gespräche führen.
Ein Beispiel aus eigener Erfahrung:
Als ich eines Tages mit meinem 4-jährigen Sohn darüber sprach, dass ich irgendeinmal nicht mehr auf Erden sei und es deshalb wichtig sei - wie sein älterer Bruder - viel zu lernen, z.B. den Garten von Laub zu säubern, so sagte er mir doch zwei Tage später ganz plötzlich beim spazieren:
"Ja weisst du, wenn du stirbst, dann möchte ich doch eigentlich mit dir kommen".
Die Familie muss Urzelle der Gesellschaft bleiben und wir dürfen nicht die Erziehung anderen Leuten überlassen !
Denn emotionelle Unterernährung, Liebesdefizit, führt früher oder später zu Passivität, zur Konsumgesellschaft, zu Rauschgift, Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch.
Eltern müssen vermehrt wahrnehmen, dass sie als Vorbild direkt das Kind zur Nachahmung veranlassen, was man in der Sprachentfaltung des Kleinkindes und im späteren Reaktionsverhalten auf dessen Umwelt beweisen kann.
Es sind Leitbilder, verbesserte Leitbilder die der Nachfolgegeneration als Wegweiser zum eigenen Ich dienen.
Verschiedene Wege führen in der Erziehung heute zum neuen Menschen und sind auch notwendig, da es nicht nur eine "richtige" Erziehung gibt, einen Weg, sondern heute haben wir pluristische Werte und Wege die zum Menschbild führen.
Was aber können wir heute für uns selbst tun ?
Darüber habe ich mich seit längerer Zeit Gedanken gemacht und auf meiner "Irrfahrt" endlich eine Lösung gefunden, die ich mit grossem Erfolg bei einigen meiner Patienten anwende, nämlich
7) Eine praktische Lösung, Hilfe zur Selbsthilfe
Zusammen mit einem dipl. Psychologen helfe ich Patienten in einer kleinen Gruppe abends während sieben Lektionen Entspannungstechniken vermitteln, damit sich der von Ängsten, Stress und Alltagshetze Geplagte beruhigen kann und so den Weg zu sich selbst findet.
Damit treten Frustration, Unzufriedenheit, Aggressivität und Unsicherheit in den Hintergrund und der Mensch gewinnt die Ruhe, die letztlich notwendig ist um als erster Schritt das geistige und körperliche Wohlbefinden einzuleiten.
8) Information über Erfahrung mit Selbsthilfe-Kurse
Da die Erfahrung zeigte, dass Patienten, die erstmals einen Selbsthilfekurs besuchen bestimmte Erwartungen haben, die oft sehr hoch sind, werden diese bereits bei der ersten Lektion in das richtige Licht gestellt.
Denn im Selbsthilfekurs geht es nicht darum etwas zu "erwarten", sondern aktiv an sich selbst zu arbeiten.
Nur so ist es möglich, dass der Kursteilnehmer "Erfolg" hat. Der Erfolg dieser von mir ins Leben gerufenen Selbsthilfekurse ist erstaunlich und lässt sich sehen:
Schon nach wenigen Lektionen berichten die Kursbesucher, dass sie
- Jetzt besser schlafen können
- Keine Schlafmittel mehr brauchen
- Keine blutdrucksenkenden Medikamente mehr brauchen (obwohl sie jahrelang entsprechende Medikamente zu sich nehmen mussten und regelmässig abends selbst ihren Blutdruck messen) 4) Sich von gewissen Angstgefühlen befreit fühlen
- Sich selbstsicherer fühlen
- Weniger Kopfweh haben
- Ihren Partner oder Chef besser verstehen
- Ihren Kindern gegenüber nicht mehr aggressiv auftreten
Baden, im Dezember 1979
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