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Wenn die Ferse schmerzt:
"Der Fersensporn"
Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (11/97)

Wer je einmal Fersenschmerzen gehabt hat, weiss wie schrecklich diese sein können. Sie machen vor allem beim Aufstehen von einem Stuhl oder auch aus dem Bett starke Schmerzen, die oft bis an die Grenze des noch Erträglichen gehen können. Sie sind von einschiessendem, brennendem Charakter und nehmen meistens je länger der Tag dauert, desto mehr zu.
Es gibt mehrere Ursachen, welche verantwortlich für solche Beschwerden sind. Neben rheumatischen Gelenkentzündungen interessiert uns heute vor allem die schmerzhafte Ferse auf Grund eines Überlastungschadens des Fusses. Dieser kann ganz einfach durch eine Überbelastung durch Übergewicht und / oder durch eine statisch / dynamische Fehl- und Mehrbelastung des Bewegungsapparates und im speziellen des Fusses und des Unterschenkels entstehen. Die schmerzhafte Ferse bedeutet eine grosse therapeutische Herausforderung. Dank seiner Ausbildung und insbesonders seinem Verständnis für die Biomechanik des Körpers kann hier der Chiropraktor sehr gut helfen.
Anatomie:
Der knöcherne Fuss wird sozusagen von einer Plattform getragen, welche aus fibrösem Material ist. Diese Plantaraponeurose oder auch Plantarfaszie genannt, entspringt am inneren Anteil des Fersenbeins und geht in Bänder über, die an den Zehen befestigt sind. Sie hilft beim Fortbewegen indem sie den Fussballen näher zur Ferse zieht und damit das Fussgewölbe hochhebt und damit gleichzeitig den Fuss stabilisiert. Fehlende Funktion kann sehr rasch zu Mittelfussbeschwerden und später zu Gelenkarthrosen führen.
Ursache des Fersensporns:
Früher nahm man an, dass vermehrter Druck innerhalb des Fersenbeins zu Schmerzen führt. Heute führt man die Entstehung eines Fersensporn als Folge einer Überbelastung / Fehlbelastung zurück. Dafür spricht auch die Tatsache, dass Fersenschmerzen sowohl beim Übergewichtigen, als auch beim sehr aktiven Menschen bzw. Sportler entstehen können. Patienten mit Senk / Spreizfuss und aber auch mit Hohlfuss neigen zu Fersenschmerzen. Auf Grund der sich stets wiederholenden (repetitiven) Bewegungen treten bald einmal auch Gewebsveränderungen auf, welche unter dem Mikroskop (histologisch) nachgewiesen werden können. Solche Veränderungen finden wir übrigens auch beim Tennisarm, ebenfalls die oft zusätzlich auftretenden Knochenhautentzündung.
Die Rolle des Fersensporns ist sehr kontrovers. Ob dieser Folge einer Knochenhautentzündung, einer Weichteilentzündung ist oder ein anderer Grund vorliegt ist noch unklar. Bis etwas anderes bewiesen ist, liegt für mich der Grund in einer falschen Belastung des Fusses bzw. des Unterschenkels. Interessant ist die Tatsache, dass ein Fersensporn nicht immer aber oft auch mit Fersenschmerzen einhergeht.
Es gibt zwei typische und trotzdem unterschiedliche Patienten: Der eine ist ca. 45 jährig und muss beruflich viel auf hartem Boden stehen oder gehen. Der andere ist der Langstreckenläufer, der seit einiger Zeit seine Leistung durch vermehrtes oder anderes Training zu steigern versucht.
Eine versträkte Druckempfindlichkeit der Plantaraponeurose weist sehr oft auf eine Entzündung hin. Der Untersuch der Wadenmuskulatur ( Gastrocnemius/Soleus) zeigt beim Stehen mit durchgestreckten und gebeugten Knien oft eine reduzierte Beweglichkeit.
Differentialdiagnose:
Neben einer Entzündung oder einem Riss der Plantaraponeurose, muss auch an die Möglichkeit einer Nerveneinklemmung und an eine Stressfraktur des Fersenbeins (Röntgen) und bei beidseitigen Fersenschmerzen an entzündliche Gelenkentzündungen gedacht werden, welche zusätzlich noch Laboruntersuchungen notwendig machen. Oft kann sich auch der Schleimbeutel unterhalb des Fersenbeins entzünden.
Magnetresonanz-Untersuchungen von Duvries sollen gezeigt haben, dass kleine, horizontale Fersensporne nicht vom Gewicht abhängig und deshalb ohne Symptome sind, während vertikal angeordnete Sporne bei Belastung Schmerzen machen. Weiter sollen MRI -Untersuchungen (Magnetresonanz) eine Verdickung der Plantarfaszie von normal 2-4 auf 6-10mm zeigen. Die Magnetresonanzuntersuchung ist zudem das diagnostische Mittel der Wahl zum Ausschluss von Tumoren, Stressfrakturen, Kontusionen usw.
Behandlung des Fersensporns:
Für die Mehrzahl der Fälle ist die meist erfolgreiche Therapie die nicht chirurgische !
- Dehnungsprogramm: morgens im Bett mit einem Handtuch unter der Fussohle das Bein im Knie gestreckt hochziehen. Dann im Stehen Wadenmuskulatur Dehnen (Siehe Arbeitsplatzübungen)
- Aktivitätsänderung: (vor allem bei Sportler)
- Zusätzliche passive Therapien:
In der Nacht Tragen einer Spezialschiene, die den Vorfuss ca. 5°Richtung Kopf zieht.
- ev. Elektrotherapie der Wadenmuskulatur ev. Ultraschall am Ansatz der Plantaraponeurose ev. Kälteherapie Sehr wichtig: chiropraktische Behandlung der Fussgelenke und je nach Abklärung anderer Gelenke bsp. chiropraktische Behandlung der Kreuzbeinbeckengelenke.
Zusätzlich empfehle ich noch das Tragen eines unspektakulären Schuhes, der bei der Grosszahl meiner Patienten mit Fersensporn kleinere "Wunder" bewirkt hat. Falls Sie daran interessiert sind, dann finden Sie diesen im Chiroshop. Mit den auf dem Markt sonst erhältlichen Hilfsmittel wie z.B. dem Tragen von viskoelastischen Schuheinlagen und dem Tragen von Schaumstofffersenkissen mit Aussparung für den Fersensporn habe ich weniger gute Erfahrung gemacht.
Lesen Sie auch mein Monatsthema "Das Gedächntnis des Schienbeins"
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