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Forschungsresultat aus der Privatpraxis (1981/83)
Der Wert der Computertomographie in der diagnostischen Arbeit des Chiropraktors
oder der Wert der chiropraktischen Therapie im Verhältnis zu den computertomographischen Befunden.
Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (9/97)
Als ich nach mehrjähriger Ausbildung in der Schweiz und in den USA 1970 in Basel meinen ersten Patienten wegen einer Diskushernie behandelte, da war dies für mich noch nichts Besonderes. Ich hatte mir die zu dieser Zeit vorhandene wissenschaftliche Erkenntnis über die Ursache von Bandscheibenerkrankungen erarbeitet und die verschiedensten Behandlungstechniken erlernt. Patienten, denen ich wegen einer therapieresistenten Diskushernie (DH) nicht helfen konnte, überwies ich dem Neurochirurgen. Dieser führte dieselben neurologischen Untersuchungen durch, wie ich sie auch in meiner Praxis machte. Zusätzlich veranlasste er jedoch bei unklarer Klinik und immer vor einer Operation eine Kontrastaufnahme bsp. der Lendenwirbelsäule. (Lumbale Myelographie) Dies zeigte dem Chirurgen meistens , aber nicht immer , den genauen Ort der Diskushernie. Nach dem operativen Eingriff erhielt ich dann erstens eine Berichtskopie des Operationsbefundes mit Höhenangabe der Diskushernie. Bsp. DH L4 / L5 = Diskushernie zwischen dem 4. und 5.Lendenwirbel. Zweitens bekam ich eine Berichtskopie des Myelographie- (Kontrastmittel)-Befundes. Bei jedem operierten Patienten versuchte ich nun herauszufinden, weshalb ich mit meiner Behandlung nicht erfolgreich sein konnte. War es die Grösse des in den Wirbelkanal hineingetretenen Materials ? Hatte ich einen neurologischen Befund vor der Behandlung falsch interpretiert ? Viele Fragen blieben unbeantwortet.
Es war die Zeit der Siebzigerjahre. Das Antirheumatikum Voltaren wurde als Heilmittel angepriesen. Obwohl gemäss einer wissenschaftlichen Untersuchung der Ciba Geigy sich 80% der Versuchspatienten mit dem Voltaren-Placebo (Scheinmittel ohne Wirkstoff) nach drei Wochen ebenso gut fühlten, wie mit Voltaren. Es war die Zeit, in der Fehlbefunde sehr häufig waren. So wurde damals oft eine Nierenfunktionsstörung diagnostiziert , obwohl die Patienten an Rückenschmerzen litten. Zeugnisse dieser Zeit waren viele (unnötige) Nieren-Kontrastaufnahmen. Oder die Patienten wurden wegen Nackenbeschwerden mit einer Vielzahl von Halswirbelsäulen-Streckungen, Fango und Massagen therapiert, obwohl sie bsp.an einem engeklemmten Nerven ( N.medianus) im Handwurzelkanal litten. (Ueber unnötige Kosten im Gesundheitswesen sprach damals noch niemand, Ärzteüberfluss war ein Fremdwort) .
1979 wurden dann die ersten Computertomographen in der Schweiz installiert, auch im Kanton Aargau. Erstmals konnten nun die anatomischen Veränderungen einer geschädigten Bandscheibe per Computer digital in verschiedenen Grautönen sichtbar gemacht werden. Für mich war dies ein Wunder und zugleich eine Herausforderung. Bald einmal stellte ich nämlich grosse Unterschiede in der Bildgebung und in der Befundung verschiedener Computertomographenbesitzer fest. Vor allem aber erstaunten mich auch die ersten Fehlbeurteilungen. So erinnere ich mich und eine meiner damaligen Patientin noch gut an einen solche: die Frau sollte gemäss Befund zwei Diskushernien und eine vergrösserte Gebärmutter haben. Keine dieser Diagnosen stimmte. Die Patientin hatte erstens zwei ganz normale Bandscheiben und zweitens konnte sie keine vergrösserte Gebärmutter haben, da ihr diese bereits zwei Jahren vor der Computertomographie entfernt wurde. Solche Befundungen machten mich nachdenklich und führten dazu, dass ich begann CT- Befundungen akribisch genau zu analysieren. So befasste ich mich mit der für mich so wichtigen Frage, weshalb ich seit zehn Jahren zwar den meisten Patienten mit Ischias und einer Beinlähmung (Paretischem Ischias) mit meiner chiropraktischen Behandlung helfen konnte, aber einigen wenigen Patienten und Patientinnen nicht. Die Lösung dazu - so war ich der Meinung - sollte mir eigentlich der CT-Befund, bzw. meine Interpretation dazu, geben können. Und so liess ich in den nächsten 24 Monaten u.a. 37 Patienten mit gleichen klinischen Befunden, Ischialgie und Teillähmung der Fussmuskulatur, mittels CT der letzten zwei Bandscheiben untersuchen. (Schnitthöhe 4mm)
Das Untersuchungsresultat, an welchem ich in der Nacht arbeitete, war für mich so erstaunlich, dass ich zwei mir nahe stehende Ärzte kurzfristig zu einer Demonstration abends in meine Praxis einlud. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit zittriger Hand eine erste handgeschriebene Folie auf den Hellraumprojektor legte. ( Exell-Tabellen und PC waren damals weitgehend unbekannt oder unerschwinglich) Meine damaligen Erkenntnisse habe ich 1983 der ACA (American Chiropractic Association) anlässlich einer Tagung in Lugano bekannt gemacht. Weiter untenstehende Originaltabellen geben eine kleine Übersicht über meine Resultate.
Fazit: Meine damaligen Untersuchungen haben folgende interessante Tatsachen ergeben:
- Klinische und radiologische Befunde sind oft nicht deckungsgleich. Das heisst, ein Patient kann sehr starke Beschwerden und Symptome haben, jedoch nur einen kleinen Röntgenbefund aufweisen oder umgekehrt. Man sollte nie einen Patienten nur auf Grund seines CT-Bildes operieren!
- Nicht die Grösse einer Bandscheibenverschiebung oder eines Bandscheibenrisses ist für die Klinik oder eine allfällige Operation allein verantwortlich.
- Die Grösse des Wirbelkanals und die darin enthaltenen Strukturen haben für eine allfällige Operation eine grosse Bedeutung. Dasselbe gilt für das Zwischenwirbelloch.
- Eine Bandscheibe ist so individuell in ihrem Verhalten wie Handlinien des Menschen. Für eine genaue Beurteilung, Verlaufskontrolle, Behandlung, Beratung und Betreuung ist nur der erfahrenste Kliniker gut genug!
Heute weiss man über Bandscheibenerkrankungen mehr als 1981/83. Meine Erkenntnisse sind jedoch noch immer topaktuell und meine Erfahrung hilft mir in der täglichen Burteilung klinischer und radiologischer Spezialfälle. Nur schade, dass ich damals keine Ausbildung in der wissenschaftlichen Aufbereitung solcher Erkenntnisse hatte. Meine Publikation wäre damals nämlich weltweit die erste dieser Art gewesen. Aber die Schmerzpatienten riefen. Und dies ist vielleicht auch gut so.

Kreuzschmerzen (lowbackpain) (Originalfolie 1983)
Alter 21-66 |
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Bei der computertomographischen Untersuchung der Gruppe der "Kreuzschmerzpatienten"(lowbackpain) zeigen die untersuchten Patienten sehr unterschiedliche Befunde:
Ein Patient hat eine Diskushernie (Bandscheibenriss, auch Vorfall genannt)
Neun Patienten haben bei einer der zwei untersten Lendenbandscheiben eine Protrusion ( Vorwölbung in den Wirbelkanal)
Drei Patienten haben bei den zwei untersten Bandscheiben je eine Vorwölbung bzw. Verschiebung in den Wirbelkanal.
Elf Patienten haben als klinischen und nicht radiologischen Befund eine allgemeine Bänderlockerung.
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Die Folie "Hexenschuss" (Lumbago) zeigt eine Altersverteilung von 17 - 51 Jahren |

Von den 21 Hexenschuss -Patienten zeigten drei Patienten den Befund einer Diskushernie ( Alle drei wurden deswegen auch operiert ) |

Von 37 Patienten mit eingeklemmten Beinnerven (Ischias) hatten 15 eine Diskushernie. Bei 18 Patienten konnte eine Bandscheibenverschiebung (Protrusion) festgestellt werden. |

Von den 37 Ischialgiepatienten bzw. von den 15 Patienten mit Diskushernien mussten 3 operiert werden. Der Rest konnte nach der chiropraktischen Behandlung als geheilt oder deutlich gebessert entlassen werden. |

Die Ischialgiepatienten mit Lähmung der Fussmuskulatur (Sciatica with Paresis) waren für mich die interessanteste klinische Patientengruppe und das eigentlich Ziel meiner Studie. Von 21 Patienten zeigten 10 den Befund einer Diskushernie und 15 Patienten den Befund einer Bandscheibenvorwölbung in den Wirbelkanal (mit oder ohne zusätzliche Diskushernie). |

Von 21 Patienten mit Bein- bzw. Fusslähmung mussten nur 3 operiert werden. Bei 18 Patienten bildeten sich dank der chiropraktischen Behandlung die klinischen Symptome bis zur vollständigen Genesung wieder zurück ! |
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LOW BACK
25 |
LUMBAGO
21 |
SCIATICA
37 |
SCIATICA/Motor.Def.
21 |
| IV DISC |
Post. Randkonvexity |
4 |
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PT=Protrusion / Buldging Disc |
12 |
14 |
22 |
15 |
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DH=Posterolateral / near.. |
1 |
3 |
15 |
10 |
| Spinal CORD |
Dural sac compression |
4 |
8 |
15 |
10 |
| MENINGES |
Wurzelcompression |
4 |
4 |
14 |
13 |
| EPIDURAL SPACE |
Verdick.lig.flavum |
1 |
|
4 |
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| FACET JOINTS |
Arthrosis / Hypertrophy IVG |
2 |
1 |
7 |
4 |
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Osseous Stenosis IVF |
2 |
4 |
12 |
2 |
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Osteophytes |
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7 |
1 |
| Vertebrae |
Ostechondroses |
8 |
6 |
13 |
8 |
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Spondylolystheses |
5 |
1 |
2 |
2 |
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Stenosis spinal canal |
1 |
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6 |
1 |
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Spur |
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4 |
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| Clinical findings |
Hypermobil |
11 |
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1 |
1 |
| Eine Zusammenfassung aller für mich bedeutender Befunde. Interessant war vor allem die Feststellung, dass bei der Gruppe der "Sciatica" 12 von 37 Patienten ein enges Zwischenwirbelloch aufwiesen. |
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