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Kniescheibenerkrankung (Chondropathia patellae)

Von Dr. Max Widmer, Chiropraktor (9/98)


Eine Erkrankung des Kniescheiben-Kniegelenkes (Femoropatellargelenk) ist eine häufige Erscheinung, die sich schon in jungen Jahren bemerkbar macht. Sie darf nicht mit Schmerzen im "Kniegelenk" verwechselt werden. Aus biomechanischen Gründen leiden Leistungssportler insbesondere Skifahrer, Fussballspieler und Leichtathleten häufig an einer solchen Kniescheibenerkrankung (Chondropathia patellae).

Symptome

Das Beschwerdebild einer Chondropathia patellae (C.p.) äussert sich typischerweise in Schmerzen unter der Kniescheibe, welche sowohl in der Ruhestellung wie auch beim Bewegen des Knies auftreten können. Typische Symptome, welche man selber feststellen kann, sind ein Reibegeräusch (Krepitus) unter der Kniescheibe beim Beugen und Strecken sowie ein Einknicken (Giving-way-syndrom) im Kniegelenk, das besonders beim Abwärtsgehen auftreten kann.
Der statische Ruheschmerz tritt oft auf, wenn man lange und ruhig sitzen muss z.B. im Kino oder im Flugzeug. Bei langen Flügen ist es deshalb empfehlenswert, wenn man sich gelegentlich erhebt und etwas im Gang hin und her geht. Zum Thema Reisen lesen Sie auch noch das Thema des Monates des Monates Mai '98.
Im Gegensatz zum statischen Ruheschmerz tritt der dynamische Schmerz beim Bewegen des Knies auf. Dies kann beim Aufstehen nach längerem und ruhigen Sitzen geschehen, oder beim in die Hocke gehen, beim Skifahren oder Hüpfen, beim Treppenabsteigen (seltener beim Treppenaufsteigen), beim Bergaufwärtsfahren mit dem Velo und beim Autofahren.

Biomechanik des femoropatellaren Gelenkes (Kniescheibenkniegelenk)

Funktion der Kniescheibe (rote Pfeile)

  • erhöht die Stabilität des femorotibialen Gelenkes (Kniegelenk bzw. Gelenk zwischen Oberschenkel und Schienbein)
  • vergrössert den Drehmoment der Streckermuskulatur durch Verlängerung des senkrechten Abstandes des ligamentum patellae von der Querachse des Kniegelenkes

Knorpelveränderungen der Kniescheibe

Grosse Gewalteinwirkungen auf das Kniegelenk, ein Sturz oder Mikrotraumen, lang anhaltende Kniegelenkbelastungen, genetische Anlagen oder der normale Altersprozess können zu Knorpelveränderungen führen. Der Knorpel kann Risse bekommen (siehe Bild links) und sich bis zu einer Knorpelglatze mit Freilegung des Knochens und entsprechenden Krankheitszeichen entwickeln (siehe Bild rechts).

 

Bewegung:

Bei der Beugung des Knies gleitet die Kniescheibe (rote Pfeile) wie auf einer Schiene von oben nach unten. Dabei beschreibt sie keine zur Körperlängsachse parallel liegende Gerade, sondern einen nach aussen offenen Winkel von 170°. Die Kniescheibe wird also nach aussen gedrängt. Die Kniescheibe wird von drei Elementen in ihrer Bahn stabilisiert.

  1. Incisura intercondyloidea
  2. Quadricepssehne (grüner Pfeil)
  3. Ligamentum patellae (blauer Pfeil)

Die Quadricepssehne und das ligamentum patellae pressen die Kniescheibe mit zunehmender Beugung mit immer stärkerer Kraft in die Incisura intercondyloidea

Unglaubliche Druckverhältnisse im Kniescheibenkniegelenk

Je nach Kniebeugewinkel können Druckverhältnisse zwischen Kniescheiben- und Kniegelenk von über 700 Kp auftreten.

Unglaubliche Druckverhältnisse
im Kniescheibenkniegelenk
Kniebeugewinkel Druckwert in Kp
0
10° 40
30° 120
50° 250
70° 380
90° 530
110° 700

Therapie:

Grundsätzlich sollten Kniescheibenkniegelenkschäden durch gezielte Aufklärung und Massnahmen vermieden und von operativen Eingriffen Abstand genommen werden. Die in den Siebziger Jahren aufgetretene Operationseuphorie (Gelenktoilette/ Medialisierung der Kniescheibe) hat sich glücklicherweise weitgehend gelegt. Dies ist umso bedeutender als sich gezeigt hat, dass in vielen Fällen auch eine spontane Ausheilung möglich ist, was eine Operation unnötig macht. Wichtig ist vor allem eine Schonung der Kniescheiben: Sportliche Betätigungen , gewisse Gymnastik- und Turnübungen und das Treppensteigen (insbesonder mit Lasten) sind zu unterlassen. Oft kann ein warmes Bad (Heublumen- Salz-Wärmebad) und Aspirin eine Linderung der Schmerzen bringen. Gute Erfahrung hat man auch mit der Einnahme von Haifischknorpel gemacht. Der Chiropraktor kann durch gezielte Mobilisationstechniken oft eine erstaunliche Funktionsverbesserung der Kniescheibe erreichen. Empfehlenswert ist auch das Tragen von Schuheinlagen, falls dies zur Korrektur einer eventuell vorhandenen verstärkten Auswärtsdrehung des Fusses (Pronation) notwendig ist, wie auch das Benützen einer Kniebandage (siehe blaue Bandage im Bild rechts).

Tips:

  • Vermeiden Sie
    • das Kniebeugen bzw. in die Hocke gehen, da dadurch das Körpergewicht stark nach hinten verlagert wird und der Druck im Kniescheibenknieglenk ansteigt.
    • das Tragen von Lasten beim Treppensteigen.
    • das Abdrehen des Oberkörpers bei fixiertem Unterschenkel. (Golf, Haushalt)
    • das Hüpfen auf einem Bein
  • Gehen Sie beim Bergabsteigen mit zwei Wanderstöcke, damit sich das Körpergewicht mehr nach vorne über das Gelenk legt und die Kniebeugung nicht nur durch den Kniestreckermuskel kontrolliert wird.


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